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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 09:30 Uhr

Bad Oldesloe : Bereit für neue Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Raum und Kapazitäten in Bad Oldesloe sind da – es fehlt an Zuweisungen und gibt Alltagsprobleme

Die Flüchtlingsunterkunft in der Kastanienallee ist fertig, Wohnungen sind angemietet – eigentlich ist alles bereitet für neue Flüchtlinge in Bad Oldesloe. Aber seit einiger Zeit gehen die Neuzuweisungen quasi „gegen null“, wie Thomas Sobczak, Bürgeramtsleiter der Stadt, feststellt. Das ist natürlich eigentlich irgendwie erfreulich, aber „wir hätten tatsächlich gerne mehr Flüchtlinge. Denn der Raum ist da. Wir haben die Kapazitäten. Und nur Raum, der genutzt wird, wird auch finanziert“, erklärt er. Die Stadt bewerbe sich daher um mehr Zuweisungen. „Ich möchte aber auch Probleme nicht verschweigen. Es müssen passende Wohnungen gefunden werden, wenn Familien nachziehen. Und wir müssen den Flüchtlingen erklären, dass sie in eigenen Wohnungen auch selbst die Miete bezahlen müssen von ihrem Konto. Das muss also gedeckt sein. Zu schnell fehlt da mal ein Teil der Monatsmiete und das geht nicht lange gut. Da muss viel Erklärung stattfinden“, so Sobczak weiter.

Beim „Runden Tisch zur Flüchtlingshilfe“ trafen sich auf Einladung von Q  8 und der Diakonie zahlreiche Helferinnen und Helfer gemeinsam mit Neubürgern mit Migrationshintergrund im Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum. „Wir sind sozusagen in vielen Fällen jetzt auf dem zweiten Level angekommen. Es fehlt nicht mehr an Sachspenden oder Fahrrädern, sondern jetzt kommen neue Probleme. Der Alltag tritt für die ein, die ein Jahr hier leben oder länger“, so Q  8-Projektleiterin Maria Herrmann. Besonders wichtig sei in der Flüchtlingshilfe ein guter Austauch und eine gute Koordination. Daran arbeite man aktuell noch, um diese Punkte in der Kreisstadt zu optimieren. Der Austausch sei aber zum Großteil schon wirklich gut. Es müsse alles gut organisiert, aber auch flexibel sein.

Starre Strukturen kann es auf Grund der individuellen Bedürfnisse und Probleme nicht geben. Zu den „Herausforderungen auf dem zweiten Level“ gehört auch ein Bereich, der im ersten Moment gar nicht direkt in den Sinn kommen mag: Überschuldung von Flüchtlingen. Und diese Verschuldung ist oft nicht mal wirklich selbst erwirtschaftet. „Es gibt Unternehmen und findige Einzelpersonen, die den Flüchtlingen halt Verträge andrehen, die die nicht ganz verstehen. Selbst viele Menschen, die fließend Deutsch sprechen und lange hier leben, fallen ja auf sowas rein. Wer dann die Sprache schlechter beherrscht, der ist natürlich ein leichtes Opfer“, so Cornelia Steinert von der Schuldnerberatung des DRK. „Leider scheint es auch Menschen zu geben, die die Situation bewusst ausnutzen und sich Geschäftsmodelle auszudenken scheinen. Oder wenn man es offen sagt: Flüchtlinge werden abgezockt und stehen plötzlich vor Schulden, weil sie angeblich ein Ticket nicht bezahlt oder eine Kreditkarte bestellt haben. Wir müssen da sehr viel beraten“, so Steinert. „Positiv ist, dass diese Menschen sich sehr oft sehr gut helfen lassen.

Für eine bessere Orientierung in Bad Oldesloe stellte Agnes Heesch (Öffentlichkeitsarbeit der Stadt) gemeinsam mit der Diakonie einen neuen Stadtplan auf Deutsch und Englisch extra für Flüchtlinge vor. Dort sind wichtige Sätze erklärt, die beim Alltag in Behörden oder Restaurants helfen sollen. Außerdem kann der Flüchtling seinen Namen und seine Blutgruppe auf dem Plan notieren so wie Dinge, gegen die er allergisch ist. „Die Pläne sollen den Helfern an die Hand gegeben werden, die dann als Paten erklären können. Wir wollen so die Orientierung in der Stadt vereinfachen“, sagt Heesch.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 09:18 Uhr

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