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Stormarner Tageblatt

28. Juni 2016 | 13:34 Uhr

Bad Oldesloe : Bauausschuss stolpert über Archiv

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Da stand eine Tür offen, die eigentlich hätte verschlossen sein müssen. Bei der Begehung des ehemaligen Schwesternwohnheims werden sensible Krankenakten gefunden.

Da staunten die Bauausschussmitglieder und interessierten Bürger nicht schlecht: Vor der Sitzung gab es einen Ortstermin im ehemaligen Schwesternwohnheim der Asklepios Klinik. Das Gebäude soll zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden. Stadt und Krankenhausbetreiber haben sich auf einen fünfjährigen Mietvertrag geeinigt, der nötige Umbau soll möglichst schnell beginnen.

Die Bauausschussmitglieder wollten sich ein Bild vom Zustand und dem Sanierungsaufwand machen. Vom Dachboden bis in den Keller inspizierte der Tross fast alle Räume. Im Untergeschoss trauten sie ihren Augen nicht: Auf Regalen, in Säcken und Kartons, auf dem Boden verstreut fanden sie Hunderte alte Patientenakten, Karteikarten und Röntgenaufnahmen. Einfach alles: Behandlungsdetails, Blutbild und vieles mehr. Patienten, die mehrfach im ehemaligen Kreiskrankenhaus behandelt worden sind, finden unter Umständen entsprechend umfangreiche Akten im Keller liegen. Viele Bündel sind mit „Interne 5“ gekennzeichnet – eine längst aufgelöste Station. Etliche Akten scheinen von Krebspatienten zu sein. Und anscheinend alles älteren Datums. Die Tür zum Raum stand offen und war gegen das Zufallen mit einem Besen blockiert.

Bürgeramts-Chef Thomas Sobczak erfasste als erster, welche brisante Entdeckung die Gruppe dort unten im Schwesternwohnheim gemacht hatte. Schnell scheuchte er alle aus dem Keller.

Patientenakten müssen nach Behandlungsende mindestens zehn Jahre lang archiviert werden. „Bei Bestrahlungspatienten sind es sogar 30 Jahre und mehr“, erklärt Harald Zwingelberg, Referatsleiter beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz. Über einen so langen Zeitraum sammeln sich Berge von bedrucktem Papier an. Das Oldesloer Krankenhaus ist da kein besonderer Einzelfall. „Die ganzen Klinikkeller sind voll mit Akten“, weiß der Experte.

Für die Lagerung der Unterlagen gibt es keine besonders hohen Anforderungen. Ein Safe muss es nicht sein, ein „hinreichend gesicherter Raum“ reicht aus. „Wir sind an der Sache dran, damit die Sicherheit der Daten so schnell wie möglich hergestellt wird“, sagt der Referatsleiter. Das kann bedeuten, dass der Keller entsprechend gesichert wird, oder die Akten in einen andern Raum kommen. Zwingelberg: „Oder sie werden nach Fristablauf vernichtet.“

Das wäre auch Mathias Eberenz, Pressesprecher von Asklepios, am liebsten: „Die will doch eigentlich gar keiner lagern, weil Lagerfläche Geld kostet.“ Aber die gesetzlichen Vorgaben sind eben andere. „Das Archiv befindet sich dort schon seit vielen Jahren. Bereits zu der Zeit, als die Klinik dem Kreis gehörte, existierte dieses Archiv bereits“, so Eberenz: „Im Keller des ehemaligen Schwesternwohnheims sind Röntgenunterlagen von verstorbenen Patienten gelagert.“ Höchstwahrscheinlich werden sie nicht mehr gebraucht. Sprecher Eberenz legt wert auf die Feststellung: „Fakt ist: Zugang zu diesem Archivmaterial haben nur Befugte. Deshalb ist der Zugang stets gesichert.“ Die beiden Eingänge zum Gebäude und auch der Raum selber seien immer verschlossen.

Die öffentliche Begehung durch den Bauausschuss sei nicht mit der Klinikleitung abgestimmt gewesen. Dass das Archiv offen stand, sei kein Versäumnis des Krankenhauses, sondern Folge von Vermessungsarbeiten im Zuge des bevorstehenden Umbaus.

Bad Oldesloe Bauamtsleiter Thilo Scheuber bestätigt: „Ich habe selber dort neulich vor verschlossener Tür gestanden und mich geärgert, dass nicht mal der Hausmeister den Schlüssel dafür hatte. Ein Mitglied des Projektteams muss vergessen haben, die Tür wieder zu verschließen.“ Es sei auch ein Fehler gewesen, dorthin ohne Genehmigung von Asklepios zur öffentlichen Sitzung einzuladen.

Das Akten-Problem ist glücklicherweise jetzt erkannt und wird gelöst. Mathias Eberenz kündigt bereits an: „Es ist geplant die Unterlagen in die Archivräume der Klinik zu verlagern.“

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 09.Sep.2015 | 06:00 Uhr

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