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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 21:39 Uhr

Demonstrations-Bilanz : Bad Oldesloe setzt ein Zeichen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Rund 1200 Menschen demonstrieren in Bad Oldesloe gegen Rechts und blockieren erfolgreich die Marschroute der Rechtsradikalen.

1300 Einsatzkräfte der Landes- und Bundespolizei, 1200 Gegendemonstranten – weil 86 Rechtsradikale in Bad Oldesloe unter dem Motto „Volkswillen durchsetzen“ demonstrieren wollten. Einen Teil dieser Geschichte möchte Bad Oldesloe gewiss nicht nochmal erleben: „Ich bin noch nie bei einer Demonstration mitgelaufen, aber heute ist es an der Zeit, um ein klares Zeichen zu setzen, dass wir diese Leute hier nicht wollen“, sagte Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) auf der Kundgebung des breit aufgestellten „Bündnis gegen Rechts“, das es schaffte, noch vor der Ankunft der Rechtsradikalen in der Kreisstadt, rund 1200 Menschen zu motivieren, auf die Straße zu gehen. Mit kreativen und bunten Schildern und absolut friedlich zog die Schar der Gegendemonstranten durch die Innenstadt. Die Sorgen der Geschäftsleute waren unbegründet. Es kam an diesem Sonnabend zu keinem Zwischenfall.

Nachdem die Kundgebung des „Bündnis gegen Rechts“ beendet war und mittlerweile die ersten zehn selbsternannten „Nationalpatrioten“ auf dem Bahnhofsvorplatz auch im wahrsten Sinne des Wortes im Regen standen, wurde die Stimmung angespannter. Für einen Teilnehmer der Demo hatte sich die Anreise noch weniger gelohnt als für die übrigen seiner Mitstreiter aus den rechtsradikalen Spektrum. Nachdem er mehrfach den „Hitlergruß“ zeigte, wurde er in Gewahrsam genommen.

Im Stadtgebiet kam es dann zu fünf Bränden von Müllcontainern und mehreren Straßenblockaden auf der geplanten Aufmarschroute der Rechten. Hier wurden vier Personen in Gewahrsam genommen. Sie hatten sich „der Räumung und der Aufnahme ihrer Personalien verweigert“, so die Polizei zur Begründung.

Die Aktionen der Demonstranten und Aktivisten zeigte Wirkung: Die Neo-Nazis konnten ihren Marsch Richtung Schanzenbarg nicht wie geplant antreten. Die Polizei hatte entschieden, die blockierte Kreuzung an der Ratzeburger Straße nicht gewaltsam räumen zu wollen. „Es kann nicht sein, dass die linksfaschistischen Verbrecher uns daran hindern, unser demokratisches Recht auszuüben und sogar noch von der Polizei geschützt werden. Sie machen gemeinsam die Drecksarbeit für Merkel und wissen es nichtmal“, erregte sich der NPD-Landesvorsitzende Ingo Stawitz. So mussten die Rechten n ach einer letzten Kundgebung am Bahnhofsvorplatz – zwei Stunden früher als geplant – die Stadt verlassen und abreisen. Sie wurden von der Polizei in den Bahnhof geführt. Dabei wurden sie mit Böllern und Glasflaschen aus den Reihen einer Gruppe antifaschistischer Gegendemonstranten attackiert. Kurz schien die Situation vor dem Bahnhof zu eskalieren, doch die Lage beruhigte sich, als die Rechten im Tunnel des Bahnhofes verschwanden, wo sie lange warten mussten, bis ein Zug eintraf. „Man kann nicht sagen, dass es ein komplett friedlicher Tag war. Aber es kam in Bad Oldesloe nicht zu den von manchen befürchteten Straßenschlachten. Es ist alles in einem überschaubaren Rahmen geblieben“, sagte Sonja Kurz, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg am Abend. Zu einem Nachspiel kam es kurz vor 18 Uhr im Lübecker Hauptbahnhof. 50 Personen aus rechten und linken Gruppierungen gingen aufeinander los. Es gab mehrere Verletzte. Eine Person musste mit einer schweren Kopfverletzung in eine Klinik eingeliefert werden.

Walter Albrecht, Initiator des „Bündnis gegen Rechts“ zeigte sich zufrieden. „Wir haben mit der friedlichen Demo den Nazis gezeigt, dass hier kein Platz für sie ist. Es gab die rote Karte. Das nächste mal können sie gleich zuhause bleiben. Hier ist nichts zu holen“, sagte er.



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erstellt am 18.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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