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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 06:58 Uhr

Glinde : Autoteile für die ganze Welt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Liebisch GmbH hat ihren Firmensitz nach Glinde verlagert. Vom Land gibt es daher Fördermittel für neue Arbeitsplätze.

Konkrete Zahlen zu Umsatz und Investition möchte man bei der Liebisch GmbH nicht nennen. „Ein zweistelliger Millionenbetrag“ ist die Antwort auf beide Fragen. Im Glinder Gewerbegebiet Wilhelm-Bergner-Straße sieht man durchaus, wo das Geld geblieben ist. Hier hat das Familienunternehmen ein gut 40 000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft und zur Hälfte bebaut. Das Herzstück, die 18 Meter hohe Halle, ist mehr als 10  000 Quadratmeter groß. Und soll doch erst der Anfang sein.

Das 1975 von Jürgen und Petra Liebisch gegründete Unternehmen ist kontinuierlich gewachsen. Vor 40 Jahren verkauften deutsche Hersteller ihre Autos zwar in die USA, Ersatzteile waren auf dem freien Markt aber nicht verfügbar. Liebisch exportierte sie. Später erweiterte die Firme ihr Portfolio um Ersatzteilverkauf für Dritte aus Asien, seit 2006 lässt man selbst fertigen und arbeitet dabei mittlerweile mit 80 Werken zusammen.

Die Auto-Ersatzteile werden unter dem Namen AIC vertrieben. „Es ist der Name einer Firmentochter, der sich dann als Markenname für die Ersatzteile eingebürgert hat“, sagt Heino Hilbig. 6000 verschiedene Teile gehen von Glinde aus an Großhändler in aller Welt, jährlich kommen 600 dazu. Jedes Teil wird sowohl beim Wareneingang als auch beim -ausgang im Mustervergleich kontrolliert, und jedes einzelne Teil hat Geschäftsführer Guido Berkefeld schon mal in der Hand gehabt. Er war 1990 in den damals noch Zwei-Mann-Betrieb eingestiegen. „Hätte mir vor 20 Jahren jemand eine Wette angeboten, dass wir heute fast 100 Mitarbeiter haben und eine bedeutende Rolle im europäischen Markt spielen, hätte ich mein Geld nicht darauf gesetzt“, sagte Berkefeld bei der offiziellen Einweihung der neuen Halle mit zahlreichen Gästen. Denn in der Firma laufen bereits Wetten, wie lange es dauert, bis die zweite, genauso große Halle gebaut wird.

„Manche sagen drei Jahre, ich glaube eher fünf. Wir haben einiges vor und werden weiter wachsen. Das Geld ist bei uns bestens angelegt“, sagt der Geschäftsführer in Richtung des prominentesten Gastes. Ministerpräsident Torsten Albig machte aus gutem Grund in Glinde Station: Er brachte einen Zuwendungsbescheid in Höhe von genau 815  909 Euro mit.

Es ist die große Ausnahme, dass eine Firma aus „einem der Top-Kreise Deutschlands“ (Albig) EU-Mittel aus dem Landesprogramm Wirtschaft bekommt. Bis vor einigen Jahren war das gar nicht vorgesehen, mittlerweile ist Innovationsförderung möglich und in Einzelfällen auch die Förderung von Neuansiedlungen mit der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die Liebisch GmbH wäre vermutlich auch so nach Glinde gekommen, weil man die Zentrale Eiffestraße und die drei Lager in Billbrook an einem gemeinsamen Standort konzentrieren wollte und in Glinde nicht nur optimale Bedingungen, sondern in Stadt und Kreis auch kooperationswillige Partner vorfand. Vor eineinhalb Jahren wurde der Kaufvertrag für das Grundstück unterzeichnete. Im März 2015 war Baubeginn, bereits im November begann der Umzug – eine logistische Herausforderung, die das Unternehmen meisterte, ohne dass den Kunden das negativ auffiel.

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug freute sich, ein traditionelles Familienunternehmen zu bekommen, „dass sich in Deutschland wohl fühlt, um seine Mitarbeiter kümmert, sich am Standort engagiert und etwas für die Infrastruktur tut.“ In Hamburg habe man den Wegzug der Liebisch GmbH zwar bedauert, „aber es erfreut die Metropolregion“, sagte Niels Pirk von der Haspa. Man dürfe „nicht an den Landesgrenzen Halt machen. Da hat die Politik noch einige Aufgaben vor sich.“

Eine kleine davon ist die Frage der Berufsschüler, die nicht Teil des neuen Gastschulabkommens sind. Die Liebisch-Azubis für Groß- und Außenhandel gehen bislang natürlich auf die Berufsschule in Hamburg, und das soll auch so bleiben. „Da haben wir Gespräche zu führen, dass es richtig läuft“, versprach Ministerpräsident Torsten Albig eine Lösung.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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