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Bad Oldesloe : Aus Personalnot kein Ferienpass

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Oldesloer Verwaltung funkt SOS! Knapp 30 Stellen sind unbesetzt.

Schluss, aus, nichts geht mehr. Das ist die (erste) Bankrott-Erklärung der Oldesloer Verwaltung. In diesem Jahr wird es weder einen Oster- noch einen Herbstferienpass geben. Die Stadt schafft es personell nicht, das so wichtige und beliebte Heft mit Angeboten für Kinder, die während der Ferien nicht verreisen können, herzustellen und die Vergabe der Plätze zu koordinieren.

„Das kriegen wir mit dem Personal einfach nicht mehr hin“, begründet Bürgermeister Jörg Lembke die einschneidende Maßnahme. Im Jugendbereich sei zurzeit die Hälfte der Stellen nicht besetzt. „Wir haben überlegt, was wir tun können und dann entschieden: Okay, opfern wir Ostern und Herbst, damit wir den Sommer aufrecht erhalten können“, so Lembke.

Und im Jugendbereich wird es jetzt extrem für die Öffentlichkeit sichtbar, dass es personaltechnisch an allen Ecken und Enden hapert, wenn nicht sogar kracht. „In einigen Bereichen sind wir quasi nicht mehr arbeitsfähig“, gesteht der Verwaltungs-Chef ein. Aktuell seien knapp 30 Stellen nicht besetzt. Lembke: „Die Kernverwaltung mit Personalabteilung, Bauamt, Kämmerei und Bürgeramt ist meine größte Baustelle.“ 150 Beschäftigte hat die Stadt in dem Bereich, 252 sind es insgesamt.

Überall bleibt Arbeit liegen. „Wir schaffen im Jahr vielleicht zwei Bebauungspläne“, erklärt der Bürgermeister. Die Stadt hat etwa 110 rechtskräftige Bebauungspläne, zehn Aufstellungs- und fünf Änderungsverfahren sind eingeleitet. Anträge für acht B-Planaufstellungen oder -änderungen liegen bereits vor und die Verwaltung sieht Handlungsbedarf bei mindestens neun weiteren Plänen. Zu einem Teil wird die Arbeit bereits an externe Planungsbüros vergeben, doch das entlastet nur marginal. Und dann kommt ein Investor und möchte St. Jürgen am Travehang umbauen. Lembke: „Selbst wenn Politik sagt, wir folgen den Vorstellungen des Investors ... wer soll’s machen? Die Abstimmung liegt doch weiter bei uns. Unter zwei Jahren geht da gar nichts.“ Da spiele es gar keine Rolle, ob für das VHS-Gelände ein Wettbewerb veranstaltet werde oder nicht. „So oder so beginnt für uns die Arbeit erst hinterher“, verdeutlicht der Bürgermeister.

Auch in anderen Bereich geht nichts. Beispiel Bebauung der neuen Grundstücke Up den Pahl. Interessenten hatten bislang keine Chance, weil die Stadt die Grundstücke nicht verkaufen konnte. „Veräußerung von Liegenschaften ist kompliziert“, stellt Lembke klar: „Dafür muss man Lehrgänge besucht haben.“ Die Mitarbeiterin mit der entsprechenden Qualifikation ist der Stadt abhanden gekommen.

Zu den Ursachen will sich der Bürgermeister nicht groß äußern. „Ich habe das so übernommen“, sagt er. Fakt ist, die Stadt kommt kaum hinterher, frei werdende Stellen zu besetzen. Politik hat die Misere im Bauamt längst anerkannt und eine zusätzliche Stelle schon vor längerer Zeit bewilligt – eingerichtet ist sie aber immer noch nicht. Kernproblem im Rathaus: Es wurden zwar in den vergangenen Jahren viele Stellen beispielsweise in der Schulsozialarbeit geschaffen, das sei aber die Peripherie. Die Personalabteilung sei aber nicht mitgewachsen. Andernorts hätte Verwaltung wahrscheinlich früher auf das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern reagiert. Oldesloe hinkt hinterher. „Wenn Leute in andere Verwaltungen wechseln, wo besser bezahlt wird, kann ich sie nur schwer halten“, bedauert Lembke: „Wir haben Vollbeschäftigung. Versuchen Sie doch mal einen Ingenieur zu finden, der für das Gehalt im Öffentlichen Dienst arbeiten möchte.“ Obwohl die Stadt „ständig Stellenanzeigen raushaut“, trete keine Besserung ein. Lembke: „Wenn man trotzdem Abgänge hat, tritt man auf der Stelle.“

Der Personalmangel hat aber auch eine positive Seite: Die Stadt hat vergangenes Jahr rund 400  000 Euro Personalkosten gespart.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 08.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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