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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Festnahmen in Reinfeld, Grosshansdorf, Ahrensburg : Anti-Terror-Razzien in Stormarn

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In Reinfeld, Ahrensburg und Großhansdorf sowie in Niedersachsen wurden Flüchtlingsunterkünfte und Wohnungen durchsucht. 200 Polizisten waren im Einsatz. Drei Syrer wurden festgenommen.

Die drei wegen Terrorverdachts in Ahrensburg, Großhansdorf und Reinfeld festgenommenen Syrer hatten nach bisherigen Ermittlungen einen Bezug zu den Attentaten in Paris im November 2015. Das sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag in Berlin. Es spreche alles dafür, dass dieselbe Schlepperorganisation, die bei den Attentätern von Paris aktiv gewesen sei, auch diese drei Festgenommenen nach Deutschland gebracht habe. Auch spreche alles dafür, dass die Reisedokumente aus der gleichen Werkstatt in der entsprechenden Region stammten.

Nach den Worten de Maizières könnte es sich um eine „Schläferzelle“ handeln. Die Ermittlungen dauerten über Monate an. Dabei seien die Personen in einem großem Umfang persönlich observiert worden. Zu keinem Zeitpunkt sei von diesen drei Personen eine Gefahr ausgegangen, betonte der Bundesinnenminister weiter. „Es musste nur der richtige Zeitpunkt ermittelt werden, damit auch ein Haftbefehl trägt.“ Trotzdem: Die Sicherheitslage in Deutschland sei nach wie vor „unverändert ernst“, so de Maizière.

Am 13. November 2015 hatten Extremisten mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat in Paris die Konzerthalle „Bataclan“ und andere Ziele in der französischen Hauptstadt angegriffen. 130 Menschen starben damals.

Am frühen Nachmittag will sich auch der schleswig-holsteinische Innenminister Stefan Studt (SPD) zu den Razzien äußern.

Das ist passiert

Bei den Anti-Terror-Razzien waren am Dienstagmorgen in Reinfeld, Ahrensburg und Großhandorf drei Männer aus Syrien festgenommen worden. Den Verdächtigen im Alter von 17, 18 und 26 Jahren wirft die Bundesanwaltschaft vor, im Auftrag der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im November 2015 nach Deutschland gekommen zu sein, „um entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszuführen oder sich für weitere Instruktionen bereitzuhalten“. Konkrete Aufträge habe es nach bisherigen Ermittlungen aber nicht gegeben, teilte die Behörde mit.

Die Polizei nahm einen Verdächtigen aus der Flüchtlingsunterkunft in Großhansdorf mit. Die Beamten schlugen eine Glasscheibe ein, um in den Container zu gelangen. Das Fenster wurde vorübergehend mit einer Platte verdeckt.

Die Polizei nahm einen Verdächtigen aus der Flüchtlingsunterkunft in Großhansdorf mit. Die Beamten schlugen eine Glasscheibe ein, um in den Container zu gelangen. Das Fenster wurde vorübergehend mit einer Platte verdeckt.

Foto: rtn

Die Verdächtigen wurden in Ahrensburg und Großhansdorf östlich von Hamburg sowie in Reinfeld nahe Lübeck festgenommen, wo sie in kommunalen Flüchtlingsunterkünften lebten. Die Ermittlungen liefen bereits seit mehreren Monaten. Die Syrer wurden einem Polizeisprecher zufolge am Dienstag im Hamburger Polizeipräsidium erkennungsdienstlich behandelt und dann mit einem Flugzeug von Hamburg-Fuhlsbüttel nach Karlsruhe gebracht.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte zunächst einen Bericht der „Welt“ bestätigt. Demnach wurden fünf Objekte in Schleswig-Holstein und eines in Niedersachsen durchsucht, laut „Welt“ auch drei Flüchtlingsheime. 200 Kräfte von Bundespolizei, BKA und den Landespolizeien seien im Einsatz gewesen. Sie schlugen im Morgengrauen zu. Die Razzien geschahen im Auftrag der Bundesanwaltschaft.

So sollen die mutmaßlichen IS-Mitglieder nach Deutschland gekommen sein

Der 17-Jährige soll sich vor einem Jahr im syrischen al-Rakka dem IS angeschlossen haben und dort im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden sein. Mit den beiden anderen Beschuldigten reiste er demnach mit falschen Pässen über die Türkei und Griechenland Mitte November 2015 nach Deutschland ein. Die Männer wurden den Angaben zufolge vom IS mit „höheren vierstelligen Bargeldbeträgen in amerikanischer Währung“ sowie Mobiltelefonen mit vorinstalliertem Kommunikationsprogramm ausgerüstet.

Die drei Syrer sollen am Dienstag und Mittwoch früh einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet. Der Vorwurf lautet: Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Nach Informationen der „Welt“ soll Ausgangspunkt der BKA-Ermittlungen gegen die drei am Dienstag festgenommenen Syrer ein Hinweis des Bundesamtes für Verfassungsschutz auf mögliche Dschihadisten gewesen sein. Daraufhin sei beim BKA in Berlin-Treptow eine Ermittlungsgruppe gegründet worden, die wochenlang Telefone abgehört und die Männer observiert habe.

Einen ähnlichen Fall hatte es vor wenigen Monaten gegeben. Anfang Juni hatte die Bundesanwaltschaft mehrere Syrer festnehmen lassen, die im Auftrag der IS-Führungsebene einen Anschlag auf die Düsseldorfer Altstadt geplant haben sollen.

Aktuell liegen dem BKA laut „Welt“ mehr als 400 Hinweise auf terrorverdächtige Flüchtlinge vor. Mehrheitlich soll es sich dabei allerdings um Falschbeschuldigungen oder schlichtweg um Verwechslungen handeln. In 60 Fällen sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Bürgermeister von Ahrensburg geschockt

Der Bürgermeister von Ahrensburg hat sich schockiert über den Anti-Terror-Einsatz in der 30.000-Einwohner-Gemeinde östlich von Hamburg geäußert. „Ich wurde heute Morgen informiert und hatte keine Ahnung, dass die Vorbereitungen offenbar schon einige Monate lang liefen“, sagte Michael Sarach (SPD). Seinen Angaben zufolge wurde bei der Razzia am frühen Dienstagmorgen ein Terrorverdächtiger in einer von der Stadt angemieteten Wohnung für bis zu neun Personen festgenommen.

Man könne nie ausschließen, dass Menschen mit „weniger edlen Motiven“ nach Deutschland kämen, erklärte der Bürgermeister. „Besonders schwerwiegend ist aber, dass es bei diesem Mann keine Auffälligkeiten gegeben hat, er war sozusagen ein Vorzeige-Flüchtling.“ Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatten die drei wegen Terrorverdachts festgenommen Syrer nach bisherigen Ermittlungen einen Bezug zu den Attentaten in Paris im vergangenen Jahr.

Dem Bürgermeister ist es nach eigenen Angaben wichtig, dass aus diesem Einzelfall nun kein Generalverdacht in Ahrensburg entsteht. In Ahrensburg lebten derzeit rund 400 Flüchtlinge.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 11:29 Uhr

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