zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:20 Uhr

Bad Oldesloe : Ann-Kristin Dawid nimmt Maß

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Junge Oldesloerin gehört zu den besten neuen Schneiderinnen im Land. Nach der Ausbildung zieht es sie an Theater oder Oper – sie möchte Gewandmeisterin werden.

Da steht sie mit ihrem Woll-Mantel und strahlt: Ann-Kristin Dawid hat ihre Lehre als Maßschneiderin in der Damenoberbekleidung erfolgreich beendet. „Sehr gut“ in Theorie und Praxis, erfolgreich beim Kreativwettbewerb – da gab es von der Innung eine besondere Auszeichnung.

Vor drei Jahren sah es noch ganz anders aus. „Ich kann nichts“, sagte sie Maren Peemöller beim Vorstellungsgespräch. „Ich kann gar nichts.“ Doch die Meisterin ließ sich von der Ehrlichkeit nicht abschrecken. Es wurde ein Praktikum vereinbart, das dann mit einem Ausbildungsvertrag beendet wurde. „Bei ihr habe ich Potenzial gesehen“, sagt die Ausbilderin: „Und das hat sich ja auch bewahrheitet.“

„Ich war mir nicht ganz sicher“, erinnert sich die Oldesloerin an die Zeit vor drei Jahren. „Studieren oder was Kreatives machen?“ Also bewarb sie sich um einen Studienplatz für Religionswissenschaften und um die Schneiderlehre bei Maren Peemöller. „Ganz kurz hatte ich auch mal Goldschmiedin angedacht.“ Als von der Uni die Absage kam, war klar, wohin die Reise gehen sollte.

Völlig unbeleckt vom Beruf, keinerlei praktische Erfahrung – für Maren Peemöller ist das kein Hinderungsgrund, jemanden einzustellen. „Das hat nichts mit Mut zu tun“, erklärt die Geschäftsfrau: „Es geht um Engagement und darum, ob oben etwas ankommt, von dem was ich sage“, erklärt sie: „Alles andere ergibt sich.“ Ann-Kristin Dawid kann dem nur zustimmen. „Ich glaube, ich habe noch nie so viel in so kurzer Zeit gelernt. Wahnsinn, wie ich mich entwickelt habe. Am Anfang musste jede Naht wieder aufgetrennt werden, jetzt erledigt sich das wie von Zauberhand.“

Im zweiten Lehrjahr hat sich die Auszubildende eine eigene Nähmaschine angeschafft. „Man hat immer Projekte zu Hause“, erzählt Ann-Kristin Dawid: „Ich habe viel privat gemacht. Da kann ich mich ausleben.“ Im betrieblichen Alltag sieht das anders aus. Aufgabe der Maßschneiderin ist es nämlich in erster Linie, die Wünsche der Kundinnen umzusetzen. Auch wenn diese erst herausgekitzelt werden müssen oder es darum geht, einer Kundin zu vermitteln, was ihr wirklich steht. Beim jährlichen Kreativwettbewerb der Innung können die Auszubildenden zeigen, welches schöpferische Potenzial in ihnen steckt. Für die Peemöller-Azubis ist die Teilnahme „freiwilliger Zwang“ wie die Chefin es formuliert. Kein Problem für die 24-Jährige: „Da kann man mal ordentlich Gas geben.“ Mit ihrer Kombination aus Gehrock, Korsage und Kleid gewann sie den ersten Preis. Als Designerin sieht sie sich allerdings nicht: „Das ist viel zu überlaufen. Als einziges Standbein wäre mir das zu unsicher.“

Steigt mit dem Beruf nicht auch das Ansehen im privaten Umfeld?Ann-Kristin Dawid muss schmunzeln. „Es gibt viele Anfragen aus der Familie oder dem Freundeskreis“, verrät sie: „Bei T-Shirts für 2 Euro haben die Menschen doch gar kein Gefühl mehr dafür, wie lange ich für ein Stück brauche und wie wenig sie einem dafür geben wollen.“ Für ihr Gesellenstück hatte die Auszubildende 40 Stunden Zeit. Eine Woche strammer Arbeit unter Kontrolle in einer großen Schneiderwerkstatt in Lübeck. Ein „Großstück“ muss es sein mit Schlitzverarbeitung, Kragenverarbeitung, aufwändigem Ärmelabschluss, Schmucktechnik, handgestickten Knopflöchern, etc. Die Oldesloerin hat sich für einen Mantel entschieden. Die Entwürfe zeichnet die Auszubildende, die Meisterin muss danach die Zuschnitte erstellen. Mit den unbearbeiteten Stoffstücken geht es dann zur praktischen Prüfung.

Drei Lehrjahre konnten ihr den Spaß nicht nehmen. Im Gegenteil. „Das ist DER Beruf überhaupt“, sagt die junge Oldesloerin mit Inbrunst.

Sie bereitet sich jetzt auf den nächsten Schritt vor: Gewandmeisterin. „Da muss ich das umsetzen, was der Kostümbildner vorgibt“, erklärt sie. Bundesweit hat sie Bewerbungen an Theater und Opern geschickt. Die ersten Vorstellungsgespräche sind bereits vereinbart. Ausbilderin Maren Peemöller ist überzeugt, dass ihr Schützling seinen Weg gehen wird: „Ich bin ganz stolz auf sie.“

zur Startseite

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 07.Sep.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen