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Stormarner Tageblatt

24. März 2017 | 23:06 Uhr

Bad Oldesloe : Alte VHS: Anwalt des Investors macht Druck

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Mitglieder des Umweltausschusses besichtigten jetzt das Gelände. Einige Bäume und der Uferbereich sollen unter Schutz gestellt werden.

Rücksichtnahme auf einen interessierten Investor oder ein freier Wettbewerb? Städtebauliche Aspekte oder Umweltschutz? Es waren gleich mehrere Fragen, die die Mitglieder des Umweltauschusses diskutierten, während sie das Gelände der ehemaligen Volkshochschule bei strömendem Regen genauer betrachteten. Seitdem Musikschule und VHS ins Kub umgezogen sind, steht die städtische Immobilie leer.

Für die zukünftige Nutzung soll ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden. „Das hat die Politik so auf den Weg gebracht und das möchte ich umgesetzt sehen“, so Bauamtsleiter Thilo Scheuber vor Ort. Doch bevor Ideen gesammelt werden können, müsse ganz klar gesagt werden, was möglich sei und was nicht. Welcher Baum ist geschützt, wie nah darf man ans Ufer planen? Was darf abgerissen werden, was muss indes stehen bleiben.

Ein Investor hat bereits St. Jürgen und die Brandruine erworben und ist auch an der VHS interessiert. Der Anwalt des Käufers hatte die Lokalpolitiker in einem Schreiben vorab aufgefordert, keine Entschlüsse zu fassen, „die die Neubebauung möglicherweise erschweren“. So würde ein Schutzstreifen am Trave-Ufer verhindern, dass dort ein vom Investor geplanter Weg entstehen könne. Außerdem war darum gebeten worden, auf den bereits beschlossenen Ideenwettbewerb zu verzichten.

„Das Grundstück der VHS gehört der Stadt. Sie müssen hier auf gar keine Wünsche irgendeines Investors Rücksicht nehmen. Machen Sie sich nicht schwächer als Sie sind“, erklärte Scheuber. Selbst für das bereits angekaufte Grundstück der Moog-Villa könnte der Umweltausschuss durchaus noch beschließen, dass ein zehn Meter Abstand zum Ufer einzuhalten ist, wenn ein Bauantrag gestellt wird.

„Ich finde es ziemlich anmaßend und frech, dass durch den Anwalt versucht wird, Druck auf die Politik auszuüben. Das wird mit uns nicht zu machen sein“, erklärte Bauausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD. Sie stellte auch klar: „Wir wollen den Wettbewerb für das VHS Gelände. Der interessierte Investor kann ja seinen Vorschlag mit einreichen. Vielleicht gibt es aber bessere und kreativere Ansätze für das Gelände“, so Herrmann. „Ich finde den Versuch des Investors, uns unter Druck zu setzen, eher lächerlich. So arbeitet er offenbar. Er verspricht viel, so kennt man ihn“, sagte Hartmut Jokisch (Die Grünen). Die CDU hingegen, bei der der Investor in der Fraktionssitzung vorstellig geworden sei, zeigte sich offenbar beeindruckt. „Es steht eindeutig in dem Brief, dass es gewisse Ideen verhindert, wenn wir da einen Uferschutz einziehen. Meiner Meinung nach endet der Schutz der Trave am Ufer, so hat der Anwalt das auch bestätigt“, sagte Horst Möller.

„Es gibt klare Richtlinien. Wir werden den Umweltschutz auf diesen Grundstücken einhalten, wie es das Gesetz vorsieht. Das sind zum Beispiel mindestens drei Meter Abstand zum Wasser“, so Umweltausschuss-Vorsitzender Wilfried Janson. Das Schreiben des Investoren-Anwalts habe er „kurz zur Kenntnis genommen“. Konsequenzen für sein Handeln habe es allerdings nicht.

„Uferschutz von fünf Metern könnten hinzukommen. In der Empfehlung stehen zehn Meter“, sagte Scheuber. Abseits der drei oder fünf Meter könne maximal ein unbefestigter Sandweg entstehen. Jede Form der Versiegelung – Asphalt oder Pflasterung – sei nicht möglich. Bei den Bäumen wurde konkret beschlossen, dass eine Eiche im Eingangsbereich geschützt ist und nicht beschädigt oder gefällt werden darf. Weitere Bäume auf dem VHS-Gelände sollen möglichst geschützt werden, darunter auch eine Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzte Kastanie.

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