zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Stormarn : Alleinerziehende und Kinder besonders betroffen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kreisgeschäftsführer Ingo Loeding vom Kinderschutzbund stellt Sozialatlas vor: Hartz-IV-Entwurf „erschütternd“

„Erschütternd“ sei der Entwurf für die neuen Hartz-  IV-Sätze, sagt Ingo Loeding, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds Stormarn. Im Bargteheider Hauptausschuss stellte er jetzt die Zahlen für die Stadt aus dem aktuellen Sozialatlas vor. Danach liegt Bargteheide bei der Armutsbelastung an dritter Stelle. Besonders kritisiert Loeding am Referenten-Entwurf die Senkung der Pauschale für Verpflegung und Getränke für Kinder unter sieben Jahren. Statt 88,08 Euro gibt es für sie nur noch 82,72 Euro monatlich – 2,78 Euro am Tag. Ihm sei mehr als schleierhaft, wie Kinder damit noch gesund ernährt werden könnten,, so Loeding: „Da läuft etwas vollkommen schief.“

Auch der Bedarf an Gesundheitspflege sei mit 7,46 Euro wirklichkeitsfremd angesetzt. „Wie soll man damit ein Kleinkind mit Windeln versorgen?“, fragte Loeding, der die die Kommunalpolitiker aufforderte, sich für eine Grundsicherung für Kinder einzusetzen. Bei den Hilfen zur Erziehung liege Bargteheide auf dem Spitzenplatz. Der Allgemeine Sozialdienst habe eine Zunahme von unzureichendem Erziehungsverhalten festgestellt. „Viele Familien schaffen das nicht mehr aus eigener Kraft“, sagt Loeding. In Trennungssituationen oder Konflikten würden Kinder oft schwierig oder auffällig. Durch die Unterstützung des Kinderschutzbunds könnten diese Familien oft erfolgreich stabilisiert werden. Die durchschnittliche Betreuungszeit liege bei gut zwei Jahren, führt der Kreisgeschäftsführer weiter aus.

Im Kinderhaus werde eine vierte Gruppe zur Nachmittagsbetreuung eingerichtet. Aber auch die Politik könne mehr tun, so Loeding: „Bei den Ferienangeboten könnten sie mit wenig Geld viel bewirken.“ Weniger als die Hälfte werde inzwischen ohne Zuzahlungen angeboten. „Gemessen am Hartz-  IV-Bezug hat sich die Kinderarmut in Bargteheide zwar halbiert“, so Loeding. Berücksichtige man aber auch die Bezieher von Wohngeld und der Sozialstaffel in den Kitas ergebe sich ein anderes Bild. Betroffen seien vor allem Alleinerziehende. Deren Anteil sei in Bargteheide am höchsten in Stormarn. Ganz dringend sei die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, meint Loeding.

Nach dem Gutachten zur Schulentwicklung sollten in Bargteheide nicht mehr als 100 Wohnungen pro Jahr entstehen. „Damit kann der Bedarf an Krippengruppen und Elementargruppen ohne Neubauten gedeckt werden“, so SPD-Fraktionschef Jürgen Weingärtner. Er schlägt deshalb einen Abgleich der Prognose mit den tatsächlichen Zahlen aus der Bauabteilung vor. Daraus könne der Hauptausschuss Empfehlungen für die weitere Stadtentwicklung ableiten.

Weitere Sozialwohnungen sollen Am Maisfeld entstehen. Für das städtische Grundstück wurde ein Investor gefunden, auch der Eigentümer des Nachbargrundstücks ist zum Bau bereit. Zum Inklusionsprojekt „Bornink“ am Bornberg gibt es weitere Gespräche mit dem Landesbetrieb Straßenbau. Die Stadt möchte eine Zufahrt vom Südring.


>Hier kann der 212 Seiten starke Sozialatlas heruntergeladen werden: http://allris.kreis-stormarn.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=2763

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen