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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Lütjensee : Aderlass bei den Blutspenden

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Deutsches Rotes Kreuz klagt über Engpässe und wirbt um neue Spender – gerade zu den Weihnachtstagen werden die Blutspenden knapp.

 Für Oliver Gerdau ist es nur ein kleiner Piks. Bereits zum 27. Mal ist der 29-Jährige aus Hoisdorf (Kreis Stormarn) zum Blutspenden in die Räume des DRK-Blutspendedienstes ins benachbarte Lütjensee gekommen. „Meine Mutter hat mich schon früher immer mitgenommen, nun möchte ich mit meiner Spende anderen Menschen helfen.“

Leute wie Oliver Gerdau werden gebraucht. Denn es gibt immer wieder zu wenig Blutspenden – gerade in den Ferien und an Feiertagen. „Wir brauchen täglich 550, um den Bedarf in Schleswig-Holstein und Hamburg zu decken“, sagt Professor Jürgen Ringwald, neuer Leiter der Institute für Transfusionsmedizin in Lütjensee und Schleswig. „Im Moment haben wir aber nur rund 400 bis 450. Und ich fürchte, dass um die Weihnachtszeit ein Viertel der benötigten Spenden fehlen wird, weil die Menschen andere Dinge im Kopf haben, als Blut zu spenden.“ Schon jetzt müssten jede Woche Operationen verschoben werden, sagt Ringwald. „Das betrifft vor allem Herzoperationen, die erst Tage später stattfinden können – besonders Kinder, die am Herz operiert werden, sind betroffen.“ Auch weil die Medizin immer mehr Operationsmöglichkeiten entwickelt, steigt der Bedarf nach Blut immer mehr an.

Die Folgen sind klar: Patienten mit schweren Erkrankungen wie etwa Krebs brauchen das Blut auch über die Feiertage – und manche Präparate halten nur vier Tage. Manchmal können andere Bundesländer oder Blutspendedienste aushelfen. „Aber wir müssen die Zahl der Spender erhöhen“, sagt Ringwald.

Dazu greifen die 210 Mitarbeiter des DRK Blutspendedienstes zu besonderen Mitteln. Auch am 26. Dezember gibt es eine Spendenaktion in Lütjensee. „Dazu versuchen wir vor allem Jüngere über soziale Medien anzusprechen. Und wir veranstalten besondere Events wie Vampirpartys, bei denen Mitarbeiter und Spender verkleidet sind und es ein besonderes Buffet gibt“, sagt Pressesprecherin Kerstin Schweiger.

Denn die Spender werden immer älter, aber im Alter nehmen auch Krankheiten zu, die eine Spende verhindern können. „33 Prozent der Menschen erfüllen die Voraussetzungen für die Blutspende, aber nur drei Prozent spenden auch“, sagt Schweiger. Auf dem Land seien die Menschen noch eher bereit, Blut zu geben, in den Städten werde es aber immer schwieriger. „Die Menschen haben viele Belastungen, viele glauben, dass ihnen die Zeit für eine Spende fehlt. Dabei kann die Leben retten.“

Alle Spenden aus dem Norden werden in Lütjensee verarbeitet – innerhalb von 24 Stunden. 80 bis 100 Euro kostet das, von der Entnahme bis zur Weitergabe – ein „Selbstkostenpreis“, sagt Kerstin Schweiger. Das Blut wird zentrifugiert, dann getrennt – in rote und weiße Zellen sowie Plasma. „Von jeder Blutkonserve wird zudem eine Probe in einem zentralen Labor in Frankfurt geprüft. Das Blut wird behandelt wie ein Arzneimittel“, sagt Jürgen Ringwald. „Nachts ist in Deutschland eine Menge Blut unterwegs“, fügt er grinsend hinzu. Kommt das Okay vom Main, wird die Konserve in Lütjensee freigegeben und an Krankenhäuser und Ärzte ausgeliefert – rund um die Uhr.

Dass das auch über Weihnachten und den Jahreswechsel funktioniert, hofft auch Oliver Gerdau. Für ihn ist jedenfalls klar, dass er weiter spenden wird, so lange er darf: „Ich mache das bis zu meinem 73. Geburtstag.“

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