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Stormarner Tageblatt

25. August 2016 | 16:56 Uhr

"Wildwuchs" bei Containern : Abfallwirtschaft will sich Geschäft mit Altkleidern sichern

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wo es Container-Standorte gibt, tauchen häufig neue Behälter für Altkleider auf - und niemand weiß, wer sie aufgestellt hat. Altkleider sammeln ist ein gutes Geschäft geworden sind. Die Abfallwirtschaft Südholstein schließt daher Exklusivverträge mit Gemeinden ab.

In Bargfeld-Stegen waren vor wenigen Wochen drei Altkleider-Container abgefackelt. Das Feuer war gar nicht das Problem, wohl aber die verkohlten Reste. Denn weder in Bargfeld-Stegen noch im Amt Bargteheide-Land wusste man, wer die Container dort aufgestellt hatte. Die Gemeinde wandte sich an die Abfallwirtschaft Südholstein GmbH, die den Stellplatz bestückt. „Die AWSH wollte aber natürlich nicht für andere zahlen“, sagt Ulrich Bärwald aus dem Amt Bargteheide-Land, „also musste die Gemeinde die Entsorgung übernehmen.“

Das soll nicht wieder vorkommen. Bisher hatten es Städte, Ämter und Gemeinden geduldet oder sich einfach nicht darum gekümmert, wenn „fremde“ Container aufgestellt wurden. Dabei hätten die Kommunen sich durchaus einen Obolus sichern können. Mit Altkleidern lässt sich seit einiger Zeit viel Geld verdienen. Zwischen 300 und 400 Euro werden pro Tonne bezahlt, dreimal so viel wie vor zehn Jahren.

Weil die Deutschen pflichtbewusste Recycler sind und gerne neue Kleidung kaufen, landen – nach vorsichtigen Schätzungen – 750.000 Tonnen Altkleidern in den Containern. Das ist ein Markt von 350 Millionen Euro im Jahr, an dem alle teilhaben wollen, Das DRK genauso wie Abfallgesellschaften, gewerbliche und auch illegale Sammler.

Was nicht mehr Second-Hand verkauft werden kann, wird zu Putzlappen, Dämmmaterial oder ähnlichem verarbeitet. An Bedürftige geht nur der geringste Teil. Auch wenn DRK oder DLRG drauf steht, muss das nichts heißen. In Niedersachsen hat die DLRG ihre Namensrechte seit langem an eine Firma verkauft, auch das DRK arbeitet gerne mit Partnern, die dafür zahlen, dass sie die internationale Vermarktung übernehmen dürfen.

Und natürlich wollen sich auch die kommunalen Abfallgesellschaften das Geschäft nicht entgehen lassen. Das reformierte Kreislaufwirtschaftsgesetz erlaubt ein Monopol beim Sammeln,die AWSH begann, eigene Altkleider-Container aufzustellen, und die Kommunen wies man auf ihre „Andienungspflicht“ hin. Was heißt: Nur die AWSH ist für Abfallbeseitigung zuständig. Das war auch für Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary neu: „Wir dachten, wir hätten das Abfallprivileg.“

In Oldesloe war es nicht anders als in Bargfeld-Stegen: Für die Stellplätze war niemand richtig zuständig, wenn es vermüllt war, riefen Bürger bei Stadt oder Amt an. Die AWSH bietet jetzt schriftliche Verträge an, nach denen sie nicht nur allein zuständig ist, sondern auch die Reinigung übernimmt und den Kommunen einen Obolus für die Standplatzmiete zahlt. Und gemeinnützige Organisationen wie das DRK dürfen ihre Container weiter aufstellen, sogar umsonst. Ulrich Bärwald: „Das ist eine Lösung, die wir auch für die anderen Gemeinden im Amt Bargteheide-Land wollen.“

„Unser Angebot trifft gerade auf Gegenliebe der Gemeinden. Wir sind dabei, flächendeckend Verträge mit den Kommunen abzuschließen“, sagt AWSH-Sprecher Olaf Stötefalke. „Entsorgung und Verwertung gehören in die öffentliche Hand. Und unsere Erlöse gehen schließlich auch zurück an die Kunden.“

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erstellt am 28.Sep.2013 | 07:26 Uhr

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