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Stormarner Tageblatt

27. März 2017 | 18:35 Uhr

16-jähriger Ammersbeker mischt sich ein und erhält dafür den Bertini-Preis

vom

Ammersbek/hamburg | "Lass dich nicht einschüchtern" - ist die Botschaft des zum 14. Mal im Ernst Deutsch Theater verliehenen Bertini-Preises, der an junge Menschen mit Zivilcourage geht, und dessen Name auf den großen Roman "Die Bertinis" von Ralph Giordano zurückführt. Darin hat der Hamburger Schriftsteller das Schicksal seiner Familie und das anderer Mitbürger während der Verfolgung in der nationalsozialistischen Zeit geschildert. Zu den sieben Preisträgern gehört auch Sina Moslehi (16) aus Ammersbek. Mit seiner Filmdokumentation "Zum Andenken: Vom Leben und Sterben des Ernst Lossa", macht er auf das dunkle Kapitel der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion, der Tötung von Behinderten und Kranken in der NS-Zeit, aufmerksam.

Sein Film soll zum Nachdenken anregen, gegen das Vergessen wirken, verhindern, dass durch das Vergessen erneut Dinge geschehen, die in der NS-Zeit passiert sind. "Es ist wichtig, dass wir aus der Geschichte lernen. Nur durch die Reflexion auf die Vergangenheit, durch die Aufarbeitung von Geschichte, können wir in der Zukunft mit einer neuen, positiven Perspektive fortsetzen", sagt er, und ist dem Schicksal des 14-jährigen Ernst Lossa nachgegangen, der trotz körperlicher und psychischer Unversehrtheit nur deshalb zum Opfer des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten in einer "Heil- und Pflegeanstalt" wurde, weil er der kleinen, unbekannten Volksgruppe, den Jenischen, angehörte. "Ich habe dieses Filmprojekt auf die Beine gestellt, weil mich das Thema rund um den Jungen Ernst Lossa berührt hat."

Ernst Lossa ist mit seinen 14 Jahren, damals nicht viel jünger als Sina, nach mehr als zehn Jahren Aufenthalt in verschiedenen Heimen schließlich ermordet worden. "Durch meine Filmarbeit möchte ich ein Stück Geschichte aufarbeiten", so Moslehi und "mich für die ausgestoßenen und diskriminierten Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus einsetzen. "Das Leid der verfolgten Menschen darf nicht vergessen werden!"

"Es ist mir eine Ehre und Freude, diesen Preis verleihen zu dürfen", lobte der Pate dieses Preises Bernd Brauer, Freimaurer Loge Roland, bei der Preisverleihung und hob Sinas außergewöhnliche Leistung von der Recherche bis zur Produktion des selbstgedrehten Films hervor, den er kürzlich auch auf einer Fachtagung in Irsee (Bayern), dort, wo ehemals die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee war, in Anwesenheit von Psychiatern, Ärzten, Historikern und weiteren interessierten Menschen gezeigt hat.

Das immer wieder bewegende Schlusswort hatte der 89-jährige Ralph Giordano, der zuvor jedem Preisträger mit der Urkunde seinen Roman "Die Bertinis" überreichte. "Der Bertini-Preis ist so etwas wie die Krönung meines Lebens", sagte er. Mit spürbarer Verbitterung wurde deutlich, dass rechte Gewalt und Ausländerfeindlichkeit auch heute noch ein Thema und ganze Gruppen sich fest in den Händen von Nationalsozialisten befinden."

Mit Freude über den Bertini-Preis sagte Sina: "Ich nehme die Auszeichnung als Anreiz und Antrieb, weiter zu machen und weiterhin an dem Projekt zu arbeiten."

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erstellt am 02.Feb.2012 | 03:59 Uhr

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