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Schleswiger Nachrichten

26. Mai 2016 | 04:44 Uhr

Inklusion sorgt für Mehrarbeit : Zwei Psychologen für 18.000 Schüler

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreis Schleswig-Flensburg bekommt mit Benthe Andersen eine zweite Expertin.

Bislang hat Roland Storjohann die knapp 18  000 Schüler im Kreis Schleswig-Flensburg alleine betreut – nun erhält der Schulpsychologe Unterstützung. Seit dem 1. Januar teilt er sich die Arbeit mit der 42-jährigen Diplom-Psychologin Benthe Andersen. Die gebürtige Flensburgerin ist zuvor in gleicher Position im Kreis Plön tätig gewesen, ehe sie für die neu geschaffene Planstelle nach Schleswig wechselte. Damit hat sich die Besetzung des schulpsychologischen Dienstes im Kreis auf einen Schlag verdoppelt.

Die zwei Schulpsychologen werden künftig jeweils für 9000 Schüler zuständig sein. Diese Betreuungsquote entspricht den Vorgaben, die die Landesregierung 2014 in ihrem Konzept zur Teilhabe von geistig und körperlich beeinträchtigten Kindern an allgemeinbildenden Schulen erarbeitet hat. Mit diesem Inklusionskonzept war eine landesweite Aufstockung des schulpsychologischen Dienstes in den Kreisen und kreisfreien Städten um 15 Planstellen verbunden, so dass nun insgesamt 34 Schulpsychologen im Einsatz sind.

Wie Benthe Andersen und Roland Storjohann sind sie Ansprechpartner für Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und -aufsicht, wenn es Schwierigkeiten in der Schule gibt – insbesondere bei psychologischen Fragen. Wichtige Themen sind Leistungsprobleme, mit der Schule verbundene Ängste, aber auch Mobbing oder Verhaltensauffälligkeiten wie Hochbegabung. Tätig werden sie zudem in akuten Krisensituationen an Schulen, etwa wenn ein Schüler auf dem Schulweg verunglückt oder ein Lehrer verstirbt. Darüber hinaus spielt die Lehrergesundheit eine große Rolle. Mitarbeiter von Schulen können sich – ohne an den Dienstweg gebunden zu sein – mit berufsbezogenen Fragen und Problemen direkt an die Beratungsstelle wenden.

Diese arbeitet unabhängig von den Schulen, daher „haben wir den Blick von außen und sind weder emotional noch im Alltag involviert“, erklärt Benthe Andersen. Durch diese Neutralität treten die Psychologen zusätzlich bei schulinternen Konflikten als Moderatoren auf. Alle Beratungen sind kostenfrei, erfolgen grundsätzlich auf freiwilliger Basis und unterliegen der Schweigepflicht. Neben Einzelberatungen gibt es Gruppencoaching, Lehrerfortbildungen und Unterstützung im Bereich der Schulentwicklung. Dabei stehen Diagnose und Beratung im Vordergrund. „In jedem Fall wollen wir nicht gucken, welche Fehler ein Schüler macht, sondern was ihm fehlt“, sind sich die Schulpsychologen einig.

„Wir arbeiten auch mit anderen Institutionen zusammen“, so Roland Storjohann. Könnten sie nicht selber helfen – etwa, weil ein Problem nicht im schulischen, sondern im familiären Umfeld begründet liegt –, würden sie weitere Unterstützung vermitteln. Alle Schüler sollen individuell ihren Weg gehen können, die Möglichkeiten sind flexibler geworden. Während es früher eher um Schuldzuweisungen ging, „sind die Ansätze heute lösungsorientierter“, meint Benthe Andersen.

Derweil würde Roland Storjohann nicht sagen, dass psychische Erkrankungen unter Schülern zugenommen hätten. Der Bedarf für Schulpsychologen sei schon immer da gewesen, glaubt auch Andersen, doch mit dem sich ändernden Schulsystem „verändert sich auch das Aufgabenfeld“. Als eine „neue Herausforderung“ bezeichnet sie Flüchtlingskinder mit eigenen Problemen, darunter posttraumatische Belastungsstörungen. Auch durch die Inklusion hätten sich neue Probleme ergeben. Als Beispiel nennt Storjohann den autistischen Schüler, der nicht spricht. „Da müssen wir gemeinsam überlegen, wie damit umzugehen ist“, erklärt er. Während die Schulpsychologen Fälle wie diese über Jahre begleiten, sind andere nach einer Beratung beendet.

Künftig teilen sich die Schulpsychologen den Kreis auf: Benthe Andersen wird schwerpunktmäßig den Norden betreuen, Roland Storjohann den Süden. Die schulpsychologische Beratungsstelle, Plessenstraße 11, Schleswig, ist erreichbar unter der Tel. 04621/952148.


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erstellt am 14.Jan.2016 | 07:46 Uhr

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