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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:11 Uhr

Lindenweg in Schleswig : Zu eng für den Sperrmüll

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fernseher und Schränke werden im Lindenweg montags abgeholt – aber die Wagen der ASF passen nur mittwochs und donnerstags durch die Straße.

Der Lindenweg ist eine beschauliche Straße. Eine ruhige Ecke mit viel Grün, wie Ortsfremde sie in der Wohnblock-Siedlung am Brautsee fast nicht erwarten. Durchgangsverkehr gibt es hier kaum. Richtig laut wird es meist nur, wenn die Müllabfuhr kommt. Heute ist es wieder so weit. Die Anwohner achten deshalb darauf, ihre Autos am Donnerstag nicht am Straßenrand zu parken. Von 7 bis 14 Uhr gilt heute ein absolutes Halteverbot. Sonst hätte der Müllwagenfahrer Schwierigkeiten, durch den Lindenweg zu kommen, so eng ist es hier. Auch am Mittwochvormittag gilt das Halteverbot. Genug Zeit, um Restmüll-, Altpapier und Biotonnen zu leeren und um die gelben Säcke einzusammeln.

Wer aber einen alten Fernseher loswerden möchte, der guckt in die Röhre. Das musste Sabine Gorsler jetzt erfahren. Die 70-Jährige ist gerade nach einem Bandscheibenvorfall aus dem Krankenhaus zurück nach Hause gekommen. Ihre Freundin Marita Saide, die im Nachbarhaus wohnt, wollte ihr in der Zwischenzeit eine Freude machen – und beantragte bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schleswig-Flensburg (ASF) Sperrmüll – einmal für Elektrogeräte und einmal für alte Möbel. Sie wollte bei der Gelegenheit nicht nur Sabine Gorslers Keller ausmisten, sondern auch ihren eigenen. Sie engagierte zwei junge Männer aus der Nachbarschaft, die die schweren Geräte an die Straße schleppten.

Dort stehen sie jetzt. Der Sperrmüll-Termin am Montag verstrich, ohne dass etwas passierte. Gorsler rief bei der ASF an und erfuhr: Der Müllwagenfahrer ist nicht in den Lindenweg hineingefahren, weil er ihn als zu eng betrachtete. „Ich verstehe das nicht“, sagt die Ruheständlerin, die früher im Ordnungsamt in Eckernförde gearbeitet hat. Vor ein paar Monaten noch sei eine junge Frau aus der Nachbarschaft ihren Sperrmüll ohne Probleme losgeworden.

Dennoch habe der Fahrer richtig gehandelt, sagt Hans-Jürgen Hansen, Bereichsleiter bei der ASF, auf SN-Nachfrage. „Es gibt strenge Vorschriften für Müllfahrzeuge, auch weil immer wieder Unfälle passiert sind.“ Dies sei für die Betroffenen im Einzelfall bedauerlich, aber nicht zu ändern. Im Stadtgebiet gibt es mehrere Straßen, in denen das Problem immer wieder auftritt, und immer wieder muss sich die ASF deshalb mit Beschwerden von Anwohnern auseinandersetzen. Außer dem Lindenweg gilt das zum Beispiel für den Baumhof, die Gallberghöhe und den Kleinberg.

Bei der ASF hat man Sabine Gorsler inzwischen zugesagt, den alten Fernseher und den übrigen Elektroschrott am heutigen Donnerstag außer der Reihe abzutransportieren. Aber für den übrigen Sperrmüll gilt das nicht. „Das ist terminlich nicht möglich“, wirbt Hansen um Verständnis. „Es gibt an jedem Tag bestimmte Routen für den Sperrmüll.“ Die beiden Frauen aus dem Lindenweg sollen ihre Möbel nun bis zur Straße am Brautsee – weit über 100 Meter – tragen. „Das kann ich doch gar nicht“, sagt Sabine Gorsler. „Und außerdem: Was sollen denn die Leute denken, die dort am Brautsee wohnen, wenn ich ihnen plötzlich meinen Müll vor die Tür stelle?“

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erstellt am 04.Aug.2016 | 07:54 Uhr

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