zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

23. März 2017 | 13:34 Uhr

Raumnot im Schleswiger Kreishaus : Zieht die Kfz-Zulassungsstelle um?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Kreishaus in Schleswig platzt aus allen Nähten. Die Politik fordert, Außenstellen zusammenzulegen.

Dass die Kreisverwaltung ein gravierendes Platzproblem hat, ist hinlänglich bekannt, und dass eine Lösung dieses Problems kostenträchtig wäre, ebenso. Als im Frühjahr 2015 vom Servicebetrieb eine Summe von 25 bis 30 Millionen Euro für einen möglichen Neubau eines Dienstleistungszentrums aufgerufen wurde, war es zunächst die CDU, die entsprechende Forderungen auf Eis legte. SPD, SSW, Grüne und Freie Wähler hielten zwar an ihrer Marschrichtung fest, konnten das Thema jedoch nicht am Kochen halten. Doch jetzt scheint wieder Schwung in die Sache zu kommen – befördert unter anderem durch die weiter verschärfte Raumknappheit im Kreishaus.

Schon 2015 waren die Dienststellen des Kreises auf neun Standorte in der Stadt verteilt. Immer wieder hatte der Kreis neue Räume anmieten müssen, um den Bedarf zu decken. Zu den Ausweichquartieren des Kreises sind kürzlich weitere Räume hinzugekommen, angemietet in der Nospa-Immobilie am Schleswiger Capitolplatz.

Das in den 1980-er Jahren umgebaute und später erweiterte Kreishaus in der Flensburger Straße weist eine Nutzungsfläche für die Kreismitarbeiter von zirka 13  000 Quadratmetern auf. Nach Berechnungen des Servicebetriebs würde eine zusätzliche Fläche von rund 10  000 Quadratmetern gebraucht, um alle angemieteten Liegenschaften zu ersetzen.

Die Kreisverwaltung hat inzwischen eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Servicebetriebsleiter Ulrich Thon eingesetzt, die sämtliche Engpässe analysieren und Lösungsvorschläge erarbeiten soll. Diskutiert wird dabei unter anderem auch die Verlegung der Zulassungsstelle. Mit diesem Schritt könnte einerseits Platz für andere Verwaltungsarbeitsplätze geschaffen werden, andererseits würde dies einen weiteren Engpass beseitigen. Wer nämlich in der Kernarbeitszeit der Verwaltung versucht, auf dem Parkplatz des Kreishauses einen Stellplatz zu bekommen, hat oft das Nachsehen. Viele Parkplätze werden durch Besucher der Zulassungsstelle besetzt.

Ein Umstand, der auch der Kreispolitik auf den Nägeln brennt. Walter Behrens, Fraktionschef der CDU, steht einer Verlagerung positiv gegenüber und führt als Beispiel Flensburg an, wo die Zulassungsstelle im Gewerbegebiet liegt – mit guter Zuwegung und in der Nähe mehrerer Autohäuser. Während Behrens die Zulassungsstelle aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse als losgelöst sieht, fordert SPD-Fraktionschef Ingo Degner eine umfassende Lösung für das gesamte Raumproblem der Kreisverwaltung. „Eine Gesamtkonzeption muss wieder auf den Tisch“, sagt er. Eine zentrale Rolle darin könnte nicht nur aus seiner Sicht das ehemalige Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) spielen. Er könne sich vorstellen, dass der Kreis nach einem Verkauf zwei Stockwerke mietet, um dort ein Dienstleistungszentrum unterzubringen.

„Ich erwarte mir eine Lösung, bei der ein Investor die notwendigen Räume passgenau erstellt und sie an den Kreis vermietet“, sagt Walter Behrens. Die Standortfrage sei noch zu prüfen, aber auch er könne sich gut vorstellen, dass die Gewoba Nord Interesse daran haben könnte, einen Teil der MLK-Immobilie in dieser Art und Weise zu nutzen. Die Gewoba gilt nach wie vor als heißer Anwärter für den Kauf, hat bislang aber betont, in dem ehemaligen Krankenhaus Gesundheitsdienstleistungen anbieten zu wollen. Bisher haben sich Gewoba und Kreis noch nicht auf einen Kaufpreis einigen können.

Grünen-Fraktionschef Jaenicke betont, ihn schrecke inzwischen auch eine hohe Investitionssumme nicht mehr. Als er vor zwei Jahren die 25 bis 30 Millionen Euro vernommen habe, habe er gezuckt. „Inzwischen sehe ich das aber anders.“ Das Jugendamt beispielsweise sei auf vier Standorte verteilt, sagt er. „Das ist für die Mitarbeiter und die Arbeit insgesamt nicht mehr zumutbar.“

Wie SPD-Chef Degner zweifelt auch Klaus-Dieter Wagner von den Freien Wählern die vom Servicebetrieb ermittelten Erstellungskosten von bis zu 30 Millionen Euro für ein Dienstleistungszentrum an. Er vermutet, dass es 2015 innerhalb der Verwaltung am Willen fehlte, ein solches Großprojekt anzupacken. „Viele Gutachten werden nur erstellt, um sich dahinter zu verstecken“, betont er. „Deshalb freue ich mich, dass das Thema nach zwei Jahren wieder ernsthaft in Angriff genommen wird.“ 

zur Startseite

von
erstellt am 07.Mär.2017 | 07:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen