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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 23:24 Uhr

Schlappe für Gottorfer Archäologen : ZBSA wird kein Leibniz-Institut

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig wird nicht in den Olymp der deutschen Wissenschaft aufgenommen.

Die Nervosität war schon lange spürbar, wenn man die Archäologen auf Schloss Gottorf nach ihrem ehrgeizigen Vorhaben fragte. Mit ihrem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) wollten sie in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen werden – und damit in den Olymp der deutschen Wissenschaft. Gestern kam die schlechte Nachricht: Der Antrag ist abgelehnt. Der Bewerbungsprozess, der sich über Jahre hinzog, war vergebens.

Vergeben ist damit nicht nur die Aussicht auf noch größeres Renommee, sondern auch auf Zuschüsse in Millionenhöhe aus dem Bundeshaushalt. Claus von Carnap-Bornheim, der nicht nur Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ist, sondern in Personalunion auch Chef des ZBSA, wollte die Niederlage gestern nicht dramatisieren: „Sicherlich wäre die Aufnahme des ZBSA in die Leibniz-Gemeinschaft ein starker Motor für unsere Forschungen gewesen“, sagte er. „Von unserem Weg, in internationalen Netzwerken hochrangige archäologische Forschung zu betreiben und zu vermitteln, werden wir uns aber nicht abbringen lassen.“

Die Organisationsstruktur mit Carnaps Doppelrolle als Museumschef und Leiter der Forschungseinrichtung war dabei einer der Gründe für die Ablehnung. Der Wissenschaftsrat – das wichtigste Beratergremium von Bund und Ländern in Forschungsfragen – hatte damit zwar weniger Probleme. Die Gutachter der Leibniz-Gemeinschaft selbst bezweifelten aber die „institutionelle Passfähigkeit“ des ZBSA. Außerdem, so merkten sie an, wäre es mit seinen 40 Mitarbeitern für ein Leibniz-Institut verhältnismäßig klein. An den fachlichen Leistungen der Schleswiger Archäologen hatte indes niemand etwas auszusetzen.

Nachdem der Wissenschaftsrat sich für den Schleswiger Antrag ausgesprochen hatte und die Leibniz-Gemeinschaft skeptisch war, lag die Entscheidung bei der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Dort hat nach Angaben des Kieler Wissenschafts-Staatssekretärs Rolf Fischer das Nein des Bundes den Ausschlag gegeben. „Das ist ärgerlich, weil die Länderseite die Aufnahme befürwortete“, sagte er.

Was die Entscheidung für die Zukunft des ZBSA bedeutet, ist offen. Fischer kündigte Beratungen für die kommenden Wochen an. Dann soll es um eine perspektivische Neuausrichtung des Instituts gehen. Das ZBSA war 2008 ausdrücklich mit dem Ziel gegründet worden, in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Es hat einen Jahresetat von rund 1,8 Millionen Euro.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 12:23 Uhr

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