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Schleswiger Nachrichten

31. Mai 2016 | 12:04 Uhr

Jörg Arndt : „X-World“: Sinnsuche in einer virtuellen Welt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Pastor Jörg Arndt aus Havetoft legt seinen Debütroman „X-World“ vor – und wird dafür auf der Leipziger Buchmesse mit dem C.S. Lewis-Preis ausgezeichnet.

Havetoft | Jörg Arndt liebt die Literatur und das Schreiben. Insofern ist die Buchmesse in Leipzig für den Pastor aus Havetoft ein lohnendes Ziel. Wenn er aber am 17. März mit seiner Frau Kerstin dort eintrifft, steht kein Bummel durch die Messehallen an, dann hat er einen Termin: „Halle 3, Stand A  200“ steht auf der Einladung. Um 11 Uhr dreht sich dort alles um ihn – besser gesagt um sein Debüt. „X-World“ heißt Arndts erster Roman, für den er mit dem „C.S. Lewis-Preis 2015“ ausgezeichnet wird.

Darin erzählt er die Geschichte des jungen Programmierers Ron, der für einen neu entwickelten 3D-Helm eine virtuelle Welt kreieren soll – geleitet von der Hoffnung, einen paradiesischen Ort schaffen zu können, programmiert er ein nahezu perfektes Gegenstück zur tristen Realität. Doch Ron hat einen Widersacher, der nichts unversucht lässt, die Macht in dieser virtuellen Welt an sich zu reißen. Thematisch ein bisschen wie der Löwe Arslan und die böse Hexe Jadis in den Chroniken von Narnia von Clive Staples Lewis, nach dem der Preis benannt ist, den Arndt entgegen nehmen wird, aber doch ganz anders – eine Sinnsuche, modern, schnell und jugendorientiert.

Und genau so begann für den Autor auch das Schreibabenteuer – mit einem Konfirmanden, der seine Mühe mit den Wundergeschichten in der Bibel hatte. Ein Junge, der gern am Computer spielt und dem Arndt deshalb die Wunder in dessen Sprache zu verdeutlichen versuchte – anhand von „Cheat-Codes“, kleinen Programmen, die Spieleentwickler in ihrer Software verstecken und mit denen für andere unerkannt die Handlung verändert werden kann. „Wie ein Wunder eben“, so Arndt.

Die Idee habe er dann immer weiter gesponnen. Damit habe alles angefangen. Computer, Online-Welten – und dann den großen Bogen spannen zur Bibel – das sei sein Ziel gewesen. „Wer die Bibel kennt, der findet zahlreiche Anspielungen von der Schöpfungsgeschichte bis zur Erlösung am Kreuz – aber gegen den Strich gebürstet. Wer sie nicht kennt, der soll einen guten Roman lesen“, sagt der Autor, der drei Jahre lang an dem Manuskript geschrieben hat.

Die Arbeit zog sich hin, Arndt besuchte 2012 im Urlaub einen Schriftsteller-Lehrgang, recherchierte, versetzte sich in die Welt von Nerds und Computerfreaks, führte viele Gespräche. Dabei nutzte der vierfache Familienvater, der schon als Kinder gern schrieb und dessen Predigten als Sound-Dateien und sogar im Video auf der Homepages der Kirchengemeinde Havetoft aufgerufen werden können, 2013 die Chance, ein so genanntes „Sabbatical“ einzulegen. Das ist eine berufliche Auszeit, die die evangelische Kirche ermöglicht, allerdings mit der Maßgabe, diese Zeit für ein kirchliches Projekt zu nutzen.

Im Falle Jörg Arndts war es sein Buch. Drei Monate, sagt er, sei er unterwegs gewesen, habe Freunde und Kollegen in ganz Deutschland besucht und vor allem geschrieben, viel geschrieben. „Ich habe ja beruflich nicht gerade eine 40-Stunden-Woche“, sagt der 55-jährige Pastor. Deshalb seien die drei Monate für „X-World“ Gold wert gewesen. Das intensive Schreiben habe auch die Erfahrung mit sich gebracht, wie spannend es ist, wenn die Romanfigur beginnt, sich zu entwickeln, manchmal in eine Richtung, die dem Autor gar nicht passt. „Da muss man sich richtig zwingen, sich an die eigene Linie zu halten“, so Arndt.

Er hielt Kurs, drei Jahre lang, und am Ende stand die Geschichte von Ron auf 536 Seiten. Nun begann die Suche nach einem Verlag, denn im Selbstverlag (Books on Demand) wollte Arndt keinesfalls veröffentlichen. „Dann ist man als Autor eigentlich verbrannt“, sagt er. „Ich wollte unbedingt ein professionelles Lektorat.“ Er verschickte seinen Roman an zahlreiche renommierte Adressen, wohl wissend, „dass 99 Prozent aller unaufgefordert zugesandten Manuskripte nicht genommen werden“. Die Antworten waren dann zunächst auch ernüchternd – gut ja, aber Zielgruppe zu klein, Absage. „Eine echte Ochsentour“, sagt Arndt im Rückblick. Beim Brendow-Verlag hingegen stieß der Roman auf Begeisterung. Dieser ist spezialisiert auf christliche Literatur und sah in dem Manuskript einen Volltreffer, einen Roman, der – getreu dem Brendow-Credo „im Horizont der Handlung sinnstiftende Perspektiven eröffnen“.

Ob der Stoff auch bei den Lesern ankommt? Arndts Probanden waren seine Konfirmanden im Konfi-Camp, und die seien auf Anhieb begeistert gewesen, sagt der Autor, der in Leipzig nicht nur einen Buchpreis bekommen wird, sondern auch ein Coaching bei dem renommierten Schriftsteller Titus Müller, der 2005 erster C.S. Lewis-Preisträger war und inzwischen in die Schriftsteller-Vereinigung PEN-Club aufgenommen wurde. „Auch das ist eine Auszeichnung für mich“, sagt Pastor Arndt. „Ich werde es nutzen – für meinen nächsten Roman.“  

> X-World von Jörg Arndt, 536 Seiten, Brendow-Verlag, ISBN 978-3-86506-844-6, 15,95 Euro.

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erstellt am 05.Mär.2016 | 07:45 Uhr

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