zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

250 Jahre „Doppeleiche“ in Hollingstedt : Wo schon der König sein Bier genoss

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Gasthof zur Doppeleiche“ in Hollingstedt: Christian VII. erteilte 1766 dem damaligen Eigentümer Johann Jöns die Ausschank-Lizenz.

Der „Gasthof zur Doppeleiche“ in Hollingstedt hat eine lange Tradition. Vor 250 Jahren erhielt er von König Christian VII. die Ausschank-Lizenz für Krugbier. Urkundlich erwähnt wird der damals von Johann Jöns bewirtschaftete Hof erstmals in einem Kaufvertrag von 1704. Der Hof hat über die Jahrzehnte und Jahrhunderte manche Veränderung erfahren. Gute Zeiten haben sich mit ernsten Tagen abgewechselt. Deichbrüche, Überschwemmungen, Kriegszeiten mit Zwangsablieferungen und Plünderungen, hohe Steuerlasten – nichts hat den Betrieb zerschlagen können, auch wenn die Besitzer gewechselt haben.

Nach mündlicher Überlieferung kehrte der Herzog (wahrscheinlich Friedrich V., König von Dänemark) von Schloss Gottorf aus auf der Jagd in der Hollingstedter Feldmark häufig als Gast bei Johann Jöns, Vater von Claus Jöns, ein. Sie sollen ein geradezu freundschaftliches Verhältnis unterhalten haben. Das Gedicht „Fürst und Buer“ in plattdeutscher Sprache (aufgezeichnet von Pastor Augustiny aus Hollingstedt, 1857) befasst sich mit dieser Freundschaft: „In Hollingstedt wahner in olden Tiden en Buer de de Fürst kunn bannig liden, denn fohr he to Staat mit en Föder Hau, muß he bi de Herzog erst inkieken gau, As mal de Fürst sin Geburtstag deh firen, un Edelüt kem`n ut allen Revieren, Da johr ock von Hollingstedt Johann Jöns daher, As wenn he en vörnehm Edelmann wehr.“

Es beschreibt die fürstliche Geburtstagsfeier auf dem Schloss und einen Gegenbesuch des Herzogs, der mit einer Vierspänner-Kutsche mit Gefolge bei Johann Jöns in Hollingstedt vorfuhr und so erlebte, wie auf dem Dorf gefeiert wurde. Friedrich V. starb am 14. Januar 1766 (nicht zuletzt an den Folgen des Alkoholkonsums), und Christian VII. wurde mit 17 Jahren König. Eine seiner ersten Amtshandlungen war dann das Ausstellen der dreiseitigen Ausschank-Konzession an den „Untertanen Claus Jöns“ in Hollingstedt: „Er war berechtigt und befugt Krugbier alleinig zu liefern und auszuschenken. Er sollte allemal gutes und untadeliges Bier liefern, damit weder Unterthan noch der Pächter sich darüber beschweren können und selbiges hat er zu einem billigen Preis abzugeben“, so ein Auszug aus der Konzession, die am 11. März 1766 in der königliche Residenz Christiansborg in Kopenhagen mit Siegel und Unterschrift erstellt wurde.

Claus Jöns übernahm den Krug und die Landwirtschaft und konnte das Erbe nicht nur halten, sondern auch beträchtlich vermehren. Die Aufhebung der Feldgemeinschaft und umsichtige Wirtschaftsführung ermöglichten dies. 1842 gingen der Hof und der Krug an die Familie Eggers. 1896 gehörten 162 Hektar zu dem Betrieb, den Klaus Eggers führte. Er lehnte das Dänentum grundsätzlich ab, seine Sympathie galt auch nicht den Preußen. Er war Schleswig-Holsteiner.

Die 1908 zur Erinnerung an die Schleswig-Holsteinische Erhebung (1848) vor seinem Haus gepflanzte Doppeleiche hatte er feierlich mit einem Wagen, bespannt mit vier Rappen, von dem Ostenfelder Gehölz geholt. Der Osterkrug wurde von ihm daraufhin umbenannt und hieß fortan „Gasthof zur Doppeleiche“. 1929 wurde eine Erbteilung durchgeführt. Es entstanden vier mittlere Höfe. Die Gastwirtschaft wurde nun vom Hof getrennt und als selbstständiges Unternehmen geführt.

Im Jahr 1932 brannte die Gastwirtschaft ab und wurde durch den heutigen Bau ersetzt. Anna Eggers verkaufte sie am 1. April 1971. Mehrere Besitzer folgten, zuletzt Gerhard Schmidt, der die Gastwirtschaft 1981 kaufte und sie mit seiner Frau Renate führte.

Der Wandel in der Gesellschaft machte allerdings auch vor dem Traditionshaus nicht halt. Die „Doppeleiche“ wurde 2015 an Tochter Kerstin Schmidt übergeben, und es musste ein neues Konzept entwickelt werden. „Es wird kein Tagesgeschäft angeboten. Der Gasthof steht aber für alle Veranstaltungen, Feiern, Feste, Geburtstage und Tagungen zur Verfügung, auch mit vollem Programm mit Speisen und Getränken nach Wahl“, so Kerstins Ehemann Stephan Schmidt.

 



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen