zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 11:42 Uhr

Schleswig : Wie die Schmid-Villa zum Leben erwacht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentümerin Lenka Hansen-Mörck zieht gerade ein – und gewährt Einblicke in ihre neuen Wohnräume.

Schleswig | Die Stille ist nun vorbei. Diese menschenleere Stille in der Schmid-Villa neben dem Stadthafen, wo viele Jahre lang niemand mehr gewohnt hat. Bis Lenka Hansen-Mörck aus Oeversee gekommen ist und das Anwesen von seinem ungewissen Schicksal befreite, indem sie es den Schleswiger Stadtwerken abkaufte.

Das war im August vor genau einem Jahr. Jetzt bereitet die Hotel-Gastronomin Stück für Stück ihren Einzug vor. Einige Sofa-Garnituren, Esstisch mit Stühlen und auch Bilder sind schon im Haus: „Ich lass’ es ruhig angehen“, meint sie, denn nach ihrer Meniskus-Operation müsse sie sich noch schonen.

Von diesem Terrassen-Platz aus ist die Schlei nur wenige Meter entfernt.
Von diesem Terrassen-Platz aus ist die Schlei nur wenige Meter entfernt. Foto: Frauke Bühmann
 

„Aber kommen Sie doch herein!“, sagt sie. Das schmiedeeiserne hohe Tor, hinter dem sich das Fachwerk-Haus all die Jahre nahezu verschanzt hat und hinter dem es kein Lebenszeichen auf dem großen Grundstück gab – dieses schwere Tor öffnete sich gestern für uns. Und in der Eingangstür zur Villa steht freundlich-lächelnd die neue Hausherrin: Lenka Hansen-Mörck. Daneben ihr Lebensgefährte Dr. Dr. Peter Bochenek. „Eine Tasse Kaffee?“, fragt er, während sie uns durch die Räume der unteren Etage führt – quasi ein exklusiver Rundgang.

Lenka Hansen-Mörck richtet sich gerade gemütlich ein in ihrem neuen Schleswiger Zuhause.
Lenka Hansen-Mörck richtet sich gerade gemütlich ein in ihrem neuen Schleswiger Zuhause. Foto: Frauke Bühmann
 

Denn natürlich sind auch wir, wie wohl viele andere Schleswiger, ein wenig neugierig: Wie sieht es eigentlich da drinnen aus in der Schmid-Villa? Schließlich machte das Haus bisher auf Passanten an der Plessenstraße oder an der Schleipromenade einen eher düsteren und abweisenden Eindruck, nachdem ihr Erbauer, der Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, sein 1999 errichtetes Domizil verlassen hatte. Es folgten dann 15 Jahre Leerstand.

Auch im ersten Stock sind die Räume mit viel Holz ausgestattet – Schleiblick inklusive.
Auch im ersten Stock sind die Räume mit viel Holz ausgestattet – Schleiblick inklusive. Foto: Frauke Bühmann
 

Kaum ein anderes Privathaus in der Stadt hat später in der Öffentlichkeit so sehr die Gemüter bewegt wie die sogenannte Schmid-Villa. Als nämlich Schmids Ex-Frau Sybille Schmid-Sindram die Villa 2012 an die Schleswiger Stadtwerke verkaufte und diese wiederum das Anwesen an den Busdorfer Investor Uwe Hahn veräußern wollten, um den Plan Villa-Abriss und fünfstöckiger Appartment-Neubau zu realisieren, entfachte dies einen Sturm der Entrüstung. Ein Bürger-Aufstand. Denn die Kritiker wollten an diesem exponierten Standort neben dem quirligen Stadthafen keinen derart überdimensionierten Bauklotz sehen. Eine eigens gegründete Bürgerinitiative brachte denn auch ein erfolgreiches Bürgerbegehren gegen das Projekt in Gang. Die öffentlichen Proteste bewirkten, dass sich die Stadt von dem Bauvorhaben verabschiedete. Auf Einwohnerversammlungen wurden neue Ideen für die Zukunft des Sahnegrundstücks gesammelt.

Doch dann tauchte – für Außenstehende wie ein rettender Engel – Lenka Hansen-Mörck auf. Die Betreiberin des „Historischen Krugs“ in Oeversee sowie des Husumer Nobelhotels „Altes Gymnasium“ unterschrieb den Kaufvertrag für die Villa über 1,9 Millionen Euro – damit lösten sich alle Probleme von ganz allein.

Die Villa bleibt nun stehen, wo sie ist, und Lenka Hansen-Mörck möchte darin einfach nur wohnen und leben. An ein Spekulationsobjekt oder gar an einen Umbau zum Hotel denkt sie nicht einmal. „Ich habe jahrelang in meinem Hotel eine 90-Stunden-Woche gehabt. Jetzt möchte ich kürzer treten, hier einziehen und mein Leben genießen“, sagt sie gegenüber dem sh:z.

Die Villa will sie nutzen mit allem, was sie bietet. Und das ist natürlich nicht wenig. 300 Quadratmeter Wohnfläche stehen zur Verfügung, dazu ein großzügiges Schwimmbad im Nebentrakt. Über das Haus kann sie nur Gutes sagen: „Es ist schön und behaglich von innen mit dem solide verarbeiteten Holz an Decken und Böden.“ Auch im oberen Stockwerk, das noch nicht eingerichtet ist, setzt sich diese Großzügigkeit und auch Bodenständigkeit fort. „Es ist tatsächlich alles sehr bodenständig“, meint sie, „überhaupt nicht protzig.“

Und wenn ihre Kinder und Enkelkinder zu Besuch kommen, sei für alle genug Platz da. Atemberaubend ist natürlich der Ausblick – aus jedem Fenster, in alle Himmelsrichtungen: „Wir genießen nicht nur die Schlei, sondern ebenso den Anblick des Domes.“ Und Labradorhündin Anka genießt gerade draußen ihren Auslauf, der bis an den Zaun zur Schleipromenade reicht.

Wie ernst es Lenka Hansen-Mörck und Partner Peter Bochenek mit Schleswig meinen, zeigt ein konsequenter Schritt: „Es ist nun amtlich: Wir sind angemeldete Bürger von Schleswig.“

zur Startseite

von
erstellt am 13.Aug.2016 | 15:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen