zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

30. Juni 2016 | 10:43 Uhr

Nach Affäre um Thomas Klömmer : Wie die CDU beim VfB Schuby um Unterstützung für Heike Franzen warb

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Timo Kux legte jegliche Zurückhaltung ab - und nutzte seine Tätigkeit als Sponsor des Vereins aus.

Schleswig | Die Affäre um Mitgliederwerbung bei der CDU zieht weitere Kreise. So hat im Vorfeld der Parteiversammlung im Landtagswahlkreis 6 (Dithmarschen-Schleswig) nicht nur der später als Direktkandidat gewählte Thomas Klömmer auf umstrittene Art und Weise neue Mitglieder gewonnen. Auch im Lager der unterlegenen Bewerberin Heike Franzen wurden alle Register gezogen. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht Timo Kux, Chef der Unionsfraktion im Schleswiger Kreistag. Als CDU-Vorsitzender im Amt Arensharde hatte er der Schubyerin Franzen offenbar versprochen, ihr die notwendige Mehrheit zu organisieren.

Heike Franzen gehört seit 2005 dem Landtag in Schleswig-Holstein an. Sie ist Mitglied des Bildungs- und Sozialausschusses und Vorsitzende des Fraktionsarbeitskreises Bildung. Bei der Kandidatenkür im Wahlkreis 6 (Dithmarschen-Schleswig) am 11. Februar in Pahlen scheiterte sie bereits im ersten Wahlgang. Direktkandidat wurde Thomas Klömmer.

Bei seiner Mitgliederakquise legte Kux jegliche Zurückhaltung ab und nutzte seine Tätigkeit als Sponsor des VfB Schuby. Wie die Schleswiger Nachrichten erfuhren, tauchte der Betreiber der Seniorenwohnheime „Osterhof“ (Hollingstedt und Treia) Anfang Januar an einem Trainingsabend in der Umkleidekabine der Kreisliga-Fußballer auf. Frei nach dem Motto „Ich bin Euer Sponsor, jetzt könnt Ihr auch mal was für mich tun“ warb er demnach in der Mannschaft offen um Unterstützung für die Landtagsabgeordnete Franzen.

Da er wisse, dass Klömmer bereits etliche Unterstützer angeworben habe, komme es auf jede Stimme an, bat Kux um einen zumindest vorübergehenden CDU-Beitritt. Wie mehrere Anwesende gegenüber dem sh:z bestätigten, sorgte er sozusagen für ein All-Inclusive-Angebot. So habe Kux nicht nur Aufnahmeanträge dabei gehabt, sondern auch gleich die Austrittsformulare mitgebracht. Die Fußballer brauchten nur zu unterschreiben, die Mitgliedsbeiträge wollte Kux übernehmen. Und auch für die Fahrt zur Wahlkreisversammlung in Pahlen (Kreis Dithmarschen) wollte er selbstverständlich sorgen.

Dem Vernehmen nach zeigte sich ein Teil der Mannschaft verwundert über Kux' Ansinnen und lehnte es ab, sich an dem Polit-Spiel zu beteiligen. Einige Spieler kamen nicht in Frage, weil sie ihren Wohnsitz nicht im Amt Arensharde haben und somit im Wahlkreis 6 nicht mit hätten abstimmen dürfen. Fünf Teammitglieder hingegen beugten sich dem sanften Druck des CDU-Politikers – wohl auch, um den neuen Satz Trikots nicht zu gefährden, den der Sponsor in Aussicht gestellt hat.

„Das Ganze war schon sehr fragwürdig“, sagt einer der Beteiligten im Nachhinein selbstkritisch. „Wenn ich gewusst hätte, dass das in Pahlen eine solch verkaufte Veranstaltung wird, hätte ich nicht mitgemacht.“ Der Fußballer bestätigte, dass ihm und seinen Kollegen persönlich keine Kosten entstanden seien und sie die Austrittserklärung unterschrieben hätten.

Timo Kux bestreitet hingegen, den Sportlern die Austrittserklärungen gleich mitgeliefert zu haben. Auch habe er keinerlei Druck auf die Mannschaft ausgeübt. „Es trifft nicht zu, dass ich vor den Fußballern des VfB Schuby einen Zusammenhang dahingehend hergestellt hätte, dass ich diese sponsere und diese sinngemäß dafür auch etwas tun könnten“, teilte Kux am Montag auf Nachfrage schriftlich mit. Und weiter: „Richtig ist, dass ich in allen Lebensbereichen, in denen ich unterwegs bin, dafür bekannt bin, für die CDU bestmöglich einzustehen, und selbstverständlich bin ich in jedem Wirkungskreis auch darum bemüht, Mitglieder zu werben.“

In den vergangenen drei Monaten sei es ihm „gemeinsam mit anderen Ortsvorsitzenden gelungen, zirka zwölf Mitglieder für die CDU zu werben“, so Kux weiter. „Auf welchen Ortsvorsitzenden dann letztlich der Eintritt eines neuen Mitglieds kausal zurückgeht, lässt sich in den meisten Fällen nicht klar beantworten.“ Wie Kux zudem erklärte, habe er Fragen der Mitgliederwerbung im Vorfeld der Wahlkreisversammlung nicht mit Heike Franzen abgestimmt.

Der CDU-Kreisvorsitzende Johannes Callsen zeigte sich auf Anfrage von sh:z gleichwohl „einigermaßen schockiert“ von Kux' Vorgehen. Schon das Bekanntwerden von Klömmers Machenschaften, der Bekannte per WhatsApp zu einem vorübergehenden CDU-Beitritt animiert hatte, habe zu einem erheblichen Imageschaden für die Partei geführt. „Es erfüllt mich mit großer Sorge, dass das Vertrauen der Wähler in die CDU gestört ist“, sagte Callsen. Ob Timo Kux als Fraktionschef und Erster Kreisrat und somit Vertreter des Landrats noch tragbar sei, wolle er derzeit noch nicht bewerten. „Aber Sie können sicher sein, dass die Vorkommnisse Thema in den Gremien sein werden“, betonte er.

Callsen zeigte sich indes überzeugt, dass diese Form der Mitgliederwerbung „kein CDU-immanentes Problem“ sei. Er könne sich vorstellen, dass in den anderen Parteien ähnlich agiert werde, um Mehrheiten zu beschaffen. Und was kann die CDU tun, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert? Längere Karenzzeiten für Mitglieder vor parteiinternen Abstimmungen seien zwar wünschenswert, so der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete. Doch im Parteiengesetz sei festgeschrieben, dass jedes Parteimitglied die gleichen Rechte habe, erklärte Callsen. Mithin wäre eine Gesetzesänderung erforderlich.

 

zur Startseite

von
erstellt am 23.Feb.2016 | 10:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen