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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 15:39 Uhr

Burnout am Arbeitsplatz : Wenn die Arbeit langsam die Seele zerstört

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Suchthilfezentrum Schleswig plant eine Info-Messe zum Thema Burnout.

Psychische Störungen zählen mittlerweile zu den häufigsten Krankheitsgruppen in der Arbeitswelt. Arbeitnehmer fallen heute doppelt so häufig wegen psychischer Leiden aus wie noch vor zehn Jahren. Das Suchthilfezentrum Schleswig hat sich dieses Themas deshalb jetzt angenommen. Schon seit dem vergangenen Jahr bieten die Berater in ihren Räumen in der Suadicanistraße Hilfen für Menschen an, die an der zunehmenden Belastung am Arbeitsplatz zu zerbrechen drohen.

Nun plant das Suchthilfezentrum erstmals eine Informationsmesse zum Thema. Am Dienstag, 22. November, können sich zwischen 16 und 20 Uhr nicht nur Arbeitnehmer Rat holen, sondern auch Arbeitgeber. Zentrums-Leiter Wolfgang Grote und seine Mitarbeiter haben dazu zahlreiche Institutionen an einen Tisch geholt, die sich in unterschiedlichster Weise mit dem Thema Burnout am Arbeitsplatz befassen. Das Spektrum reicht von der Agentur für Arbeit und dem Sozialzentrum des Kreises Schleswig-Flensburg über die psychosoziale Studienberatung der Flensburger Fachhochschule bis hin zu einem Facharzt für Psychiatrie und dem Landesverband der Psychiatrieerfahrenen.

All diese Institutionen präsentieren sich an Info-Tischen im Suchthilfezentrum. „Selbstverständlich gibt es auch Räume für vertrauliche Gespräche“, betont Grote. Im allgemeinen Rahmen sind stündlich Interviews, Vorträge und Fragerunden geplant. Die zentrale Botschaft, die die Veranstalter loswerden möchten, lautet: Es gibt Hilfe. Niemand wird allein gelassen, wenn er sich im Job überfordert fühlt. Viele Betroffene aber nehmen diese Hilfen erst dann in Anspruch, wenn sie schon seit längerer Zeit nicht mehr gearbeitet haben, komplett aus dem Job ausgestiegen sind und keinen Anspruch auf Krankengeld mehr haben. Dabei lasse sich schon viel eher gegensteuern, zum Beispiel indem man lernt, eine gewisse innere Distanz zur Arbeit zu schaffen, auch mal den eigenen Perfektionismus zu überwinden und sich wieder Zeit für Hobbys zu nehmen.

„Die wenigsten Betroffenen kommen von allein“, sagt Oliver Siegosch, Personaler bei der „Carebyphone Integration“, einem Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Menschen mit psychischen und anderen Beeinträchtigungen Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Mit der Messe im Suchthilfezentrum, hofft er, ließen sich auch Angehörige erreichen, die merken, dass der Ehepartner, Verwandte oder Freunde am Job zu zerbrechen drohen.

Grote hat bestimmte Berufsgruppen ausgemacht, in denen Burnouts besonders verbreitet sind: Lehrer, Pflegebedienstete und Führungskräfte. Die Gefahr ist also überall dort besonders groß, wo es um Verantwortung für andere Menschen geht. Dass er sich im Suchthilfezentrum, wo es sonst um Alkohol, Glücksspiel oder Medikamenten-Missbrauch geht, dieses Themas annimmt, ist für ihn ganz logisch: „Burnout ist eine psychosoziale Erkrankung, genauso wie Sucht.“

„Arbeitskraft – Kraft zu arbeiten“: Informations-Messe am Dienstag, 22. November, von 16 bis 20 Uhr im Suchthilfezentrum Schleswig, Suadicanistraße 45, www.suchthilfezentrum-sl.de

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erstellt am 20.Okt.2016 | 13:54 Uhr

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