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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 21:21 Uhr

Ärger mit Eon : Wenn der Stromzähler durchdreht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit dem Einbau einer Wärmepumpe im Jahr 2012 zeigt die Anlage von Heike Girndt einen stark enormen Verbrauch an. Eine Erklärung hat Lieferant Eon nicht, dafür aber Forderungen.

Die vergangenen dreieinhalb Jahre waren für Heike Girndt aus Hollingstedt der „pure Horror“. Ende 2012 ließ sie in ihrem Haus eine neue Heizung mit Wärmepumpe einbauen. Seitdem dreht der Stromzähler wortwörtlich durch. Im ersten halben Jahr soll die fünfköpfige Familie rund 22  000 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht haben. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Verbrauch einer fünfköpfigen Familie wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit 5200 kWh pro Jahr angegeben. Eine erste Nachzahlungsaufforderung des Stromversorgers Eon in Höhe von 5493 Euro ließ nicht lange auf sich warten.

Dabei wollte die Familie mit der Neuanschaffung eigentlich Geld sparen. Heike Girndt wohnt mit ihrem Mann und drei Kindern auf einem Resthof. „Die alte Heizung ist im Sommer 2012 kaputt gegangen. Da mussten wir uns nach etwas Neuem umschauen“, erzählt sie. Nach einigen Überlegungen entschied sich das Ehepaar für das Heizen mit Erdwärme. Der Heizungsbauer riet den Hollingstedtern zunächst von ihren Plänen ab: „Das machen wir nicht, das kostet zu viel Strom“, erinnert sich Heike Girndt an die Antwort. Doch die Familie hatte für dieses Problem bereits eine Lösung zur Hand: Auf dem Grundstück des Resthofs wollten sie eine kleine Windkraftanlage aufstellen. „Das sollte zumindest einen Teil der Kosten wieder reinholen“, sagt Heike Girndt.

Im November 2012 war es so weit: Die bisherige Versorgung mit Erdgas wurde gekappt, die Erdwärme-Heizung installiert und die neue Windkraftanlage in Betrieb genommen. Mit dem Anschluss der Anlagen seien so viele verschiedene Menschen beschäftigt gewesen, dass Heike Girndt Angst hatte, dass etwas schief laufen könnte. „Ich hatte ein schlechtes Gefühl“, sagt sie heute.

Am 10. Dezember erfolgte der Anschluss des neuen Stromzählers, der seitdem nicht mehr still steht. „Am 31. Dezember 2012 habe ich den Stand das erste Mal abgelesen und dachte, mich tritt ein Pferd“, sagt Heike Girndt. Das Gerät zeigte nach nur drei Wochen einen Verbrauch von 5973,4 kWh an. Für Heike Girndt war klar: „Da stimmt was nicht!“ Gleich nach Neujahr 2013 rief sie bei der Hotline von Eon an – und kam nicht weiter. „Die haben mich abgewimmelt und gesagt, dass der Verbrauch wohl stimmen wird“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Daraufhin sei sie zum Eon-Kundenservice nach Schuby gefahren. Aber auch dort sei sie auf taube Ohren gestoßen. „Ich hatte das Gefühl, dass mir einfach niemand helfen wollte.“

Als dann im Juli 2013 die erste Nachzahlungsaufforderung von Eon ins Haus flattert, hatte Heike Girndt die Nase voll. Ihr nächster Weg führte sie zum Anwalt, der die Kommunikation mit dem Energieriesen übernahm. Es folgte eine wahre Briefflut. Mit dem über drei Jahre dauernden Schriftverkehr lässt sich fast der komplette Wohnzimmertisch bedecken. Regelmäßig flatterten neue Zahlungsaufforderungen in den Briefkasten, die die Familie auf Anraten des Anwalts ignorierte, zahlte sie doch inzwischen regelmäßig einen erhöhten Abschlag von rund 500 Euro. Trotzdem wollte der Energiekonzern drei Mal den Strom abdrehen. „Als die beim zweiten Versuch hier mit Polizisten vor der Tür standen, hab ich denen erst einmal den Schriftverkehr gezeigt. Da sind sie kopfschüttelnd wieder abgezogen.“

Im August 2015 ging der Streit zwischen Eon und Familie Girndt vor Gericht. Eon klagte auf die Zahlung der ausstehenden Beträge, musste die Klage jedoch zurücknehmen. Ein kleiner Sieg für Heike Girndt: „Der Richter hat große Augen gemacht und mit dem Kopf geschüttelt.“ Er habe den Parteien aufgegeben, die Ursache des hohen Stromverbrauchs zu klären. Bis heute ist jedoch nichts passiert. Noch immer bekommt Heike Girndt regelmäßig Mahnungen. Der Zählerstand steht nach dreieinhalb Jahren bei inzwischen über 80  000 kWh. Mit hängenden Schultern sitzt sie in ihrem Wohnzimmer. „Es wird immer so weitergehen. Ich wünsche mir einfach, dass jemand vorbeikommt und sich das mal anschaut.“

Dieser Wunsch könnte bald in Erfüllung gehen. Ein Anruf bei Eon genügte: Stefan Moriße, Sprecher des Energieunternehmens, verspricht eine Überprüfung der Anlage: „In unserem System sind nur zwei Zähler hinterlegt: Einer, über den Haushaltsstrom etwa für Beleuchtung und elektrische Geräte, und ein Zähler, über den die Bezugsseite einer Fotovoltaik-Anlage abgerechnet werden. Daher lassen wir jetzt klären, ob beim Einbau der Wärmepumpe ein Fehler gemacht wurde.“

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erstellt am 16.Jul.2016 | 15:00 Uhr

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