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Flensburger Iwersen-Gruppe : Wem gehört das alte Butterwerk?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Butterwerk in Schleswig steht seit Jahren leer. Es gibt Kauf-Interessenten – aber für alle gibt es ein Problem.

Über der weißen Eingangstür steht in blauen Lettern „Nordbutter“. Ein Name aus längst vergangenen Zeiten. Butter ist in dieser Fabrik an der Schleidörfer-Straße seit mehr als 15 Jahren nicht mehr hergestellt worden. Vor drei Jahren stellte der letzte Betreiber, das Deutsche Milchkontor (DMK), auch die Produktion von Molkepulver ein. Das DMK ist bis heute Eigentümer der Immobilie. So sieht man das in der Bremer Firmenzentrale, und so ist es nach wie vor im Grundbuch eingetragen.

Der Flensburger Immobilien-Unternehmer Marco Iwersen sieht das jedoch anders. Er pocht auf einen Kaufvertrag, den er 2013 mit dem DMK abgeschlossen hat. Ob dieser Vertrag gilt, darüber müssen nun Gerichte entscheiden. Die Sache ist beim Flensburger Landgericht anhängig. Bei einem ersten Gütetermin kam es zu keiner Einigung. Wann das Urteil fällt, steht noch nicht fest. Und Iwersen ist sich ohnedies sicher, dass das erstinstanzliche Urteil nicht das letzte Wort sein wird. „Die Sache wird bis zum Bundesgerichtshof gehen“, ist er überzeugt. „Das kann noch zehn Jahre dauern“.

Sollte Iwersen mit dieser Prognose richtig liegen, dürfte das alte Butterwerk noch für lange Zeit ungenutzt herumstehen, während die DMK weiter für den Sicherheitsdienst und notwendige Instandhaltungsarbeiten zahlt. Dabei gibt es offenbar genügend Interessenten, die die Immobilie gern nutzen würden. Dazu zählt mindestens ein Unternehmer aus der Nachbarschaft im Gewerbegebiet St. Jürgen, der Teile des 30  000 Quadratmeter großen Geländes gern nutzen würde, um seinen Betrieb zu erweitern. Und es gibt die Firma Lactoprot aus Kaltenkirchen, die Milcheiweißprodukte für die Lebensmittelindustrie herstellt.

Auf diesem Gebiet ist das Unternehmen ein Mitbewerber des DMK. Dieser Umstand ist der Auslöser für den laufenden Rechtsstreit. So jedenfalls ist es von Marco Iwersen zu hören. Das DMK äußert sich zu Einzelheiten nicht. Ein Unternehmenssprecher sagte auf SN-Nachfrage, Informationen zum laufenden Rechtsstreit unterlägen der Verschwiegenheit. Er teilte lediglich mit, man sei weiterhin im Besitz des Standortes Schleswig und selbstverständlich die daraus entstehenden Kosten zahle, um der Sicherheitspflicht nachzukommen. „Das Ansinnen von DMK ist und war es, die Immobilie und das Grundstück zu den vereinbarten Bedingungen zu verkaufen.“

Mit den „vereinbarten Bedingungen“ dürfte gemeint sein, dass der Käufer die Immobilie nicht an ein anderes milchverarbeitendes Unternehmen weiterveräußern darf. Iwersen räumt zwar ein, dass er eine entsprechende Zusage zwar gemacht habe, aber unverbindlich und nicht als Bestandteil des notariellen Kaufvertrags. Damit sei sie nicht rechtswirksam. Außerdem bestreitet er, dass diese Zusage für Lactoprot greifen würde. „Ein milchverarbeitender Betrieb ist für mich ein Betrieb, vor dem Tankwagen mit Milch vorfahren“, sagt er.

Bevor Lactoprot überhaupt ins Spiel kam, hatte Iwersen Kontakt zu anderen Interessenten außerhalb der Milchbranche. Ende 2013 hatte er bereits öffentlich davon gesprochen, hier ein Möbelhaus eines „namhaften Unternehmens“ anzusiedeln. Später nannte er auch den Namen: Möbel Kraft. Nachdem sich dieser Plan zerschlagen hatte, kam er mit Volker Schlüschen ins Geschäft, dem Mann, der in den vergangenen Jahren mit dem Team Vivendi den neuen Stadtteil auf der Freiheit entwickelt hat. So kommt es, dass bis heute neben DMK und Iwersen auch Schlüschen einen Anspruch auf das alte Butterwerk erhebt. Als geschäftsführender Gesellschafter einer Hamburger GmbH hatte er mit Iwersen bereits einen Kaufvertrag über 287  500 Euro unterzeichnet, von dem Iwersen wenig später zurücktrat (Begründung: Schlüschen habe mit Äußerungen gegenüber Dritten die vertragliche Treuepflicht verletzt). Schlüschen hingegen, der auf dem Gelände einen Baumaschinenverleih plante, sieht sich nach wie vor im Recht. Allerdings, so sagt er, sehe er aktuell keine Möglichkeiten, dieses Recht durchzusetzen. Er wartet ab, wie der Rechtsstreit zwischen DMK und Iwersen ausgeht.

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erstellt am 02.Mär.2017 | 12:55 Uhr

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