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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 04:57 Uhr

Schleswig : Wehmütiger Theater-Umzug

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Requisiteure lösen den Landestheater-Fundus im Gebäude am Domziegelhof auf. 25 Lkw-Ladungen gehen ins neue Quartier nach Rendsburg.

Fröhliche, ausschweifende Gelage mit Wein, Spanferkel und verlockenden Früchten auf der üppig gedeckten Festtafel. Ein Bild, das man auf der Theaterbühne aus vielen Komödien kennt. Doch nach der großen Orgie wandern all die Essensreste wieder zurück in den Theater-Fundus, wo sie manchmal über Jahrzehnte aufbewahrt werden. So wie beim Landestheater im Hinterhofgebäude Domziegelhof 30b. Am Mittwoch haben dort die beiden Requisiteurinnen Desiree Schubert und Sara Christin Lamowski eine verstaubte Kiste mit Spanferkel aus Styropor und dunklen Trauben aus Gips ans Tageslicht befördert und auch gleich mit auf den Umzugs-Lkw gepackt – für die Fahrt nach Rendsburg, wo jetzt Tausende von Schleswiger Theater-Requisiten hinkommen.

Am 24. Mai wird es offiziell, an diesem Tag verlegt die Landestheater GmbH ihren Sitz von Schleswig nach Rendsburg. Bis zum 15. Juni soll der Umzug vollständig abgeschlossen sein – mit allen Requisiten, Kostümen und Verwaltungsunterlagen. Am 6. Juni macht sich die Theaterverwaltung mit Generalintendant Peter Grisebach auf den Weg und zieht ebenfalls von der Schlossinsel um ins Rendsburger Quartier.

Seit Tagen holen die Requisiteurinnen gemeinsam mit Theatertechnik-Leiter Dieter Linowski zahllose Pappkisten und etliche skurrile Gegenstände aus den dunklen Fundus-Ecken hervor. „Vieles sortieren wir gleich aus“, sagt Sara Christin Lamowski, „das wandert dann in den Müll.“ Es sieht aus wie bei einer großen Haushaltsauflösung. Was sich da alles über die Jahre hinweg angesammelt hat, weiß selbst Desiree Schubert, die seit 15 Jahren beim Landestheater tätig ist, nicht so genau. Stück für Stück nimmt sie sich vor, entscheidet dann, was mitkommt nach Rendsburg und was ausgesondert werden muss.

Etwa 25 Lkw-Ladungen voll mit Requisiten, schätzt sie, werden auf diese Weise befördert. In der Rendsburger Werkstatt, die sich in dem früheren Telekom-Gebäude direkt neben dem Rendsburger Stadttheater befindet, haben sie zuvor Platz geschaffen. Als Dieter Linowski einen Bauchladen aus dem Fundusregal nimmt, erinnert er sich sofort an den Anlass: „Ach, das war ja aus der Rocky-Horror-Picture-Show. Das Nummern-Girl hatte diesen Bauchladen um.“ Die Strapsen der Musical-Darsteller von damals findet er aber nicht mehr vor. Trotz der Umzugshektik beschleiche ihn Wehmut, sagt Linowski. „Mehr als 70 Mitarbeiter unseres Theaters verlassen Schleswig nun und richten sich in Rendsburg ein.“

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erstellt am 06.Mai.2016 | 07:23 Uhr

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