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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Twedt : Was wird aus der alten Meierei an der B201?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jeder, der schon einmal über die B 201 zwischen Schleswig und Süderbrarup gefallen ist, kennt es: Jetzt ist das alte Twedter Meierei-Gebäude in Gefahr.

Jeder, der einmal die B  201 von Schleswig nach Kappeln gefahren ist, kennt die alte Meierei von Twedt an der Loiter Au. Den etwas außerhalb des Ortes gelegenen massigen Backsteinkomplex mit dem achtteiligen, alles überragenden Schornstein, kann man einfach nicht übersehen. Doch dieses denkmalwürdige Gebäude droht zu verfallen und könnte sogar eine Gefährdung für die Umgebung werden.

Die Meierei wurde 1889 in Betrieb genommen und nutzte damals die modernsten technischen Möglichkeiten zur Verarbeitung und Haltbarmachung von Milch. Die bestand aus der Verbindung von Dampfkraft und Zentrifuge. Durch regelmäßige Modernisierungen der Meiereigenossenschaft blieb die Milchverarbeitung immer auf dem neuesten Stand der Technik. Doch die wirtschaftliche Lage kleiner Meiereien verschlechterte sich. Und 1972 wurde die Meiereigenossenschaft aufgelöst. Kurzzeitig nutzte eine andere Meierei die technischen Einrichtungen.

Mit dem Verkauf an den Kunstdozenten Klaus Düwal änderte sich auch der Charakter der Nutzung zum Kunsthaus. Das verstärkte sich, als 1978 Josef Gerats das Gebäude kaufte. Der Künstler und Schreiner gründete die „Fabrik 147“, in der Kunst ausgestellt und hergestellt wurde. Weit über die Ortsgrenzen hinaus war sein „Vorweihnachtsmarkt“ bekannt, der am Wochenende vor dem Volkstrauertag stattfand und an dem Künstler und Kunsthandwerker ihre Produkte anboten. Er wurde letztmals 2005 veranstaltet. Ein paar Jahre später verstarb Gerats und das 2200 Quadratmeter große Grundstück wurde an einen Investor aus Süddeutschland zum Schnäppchenpreis verkauft. Seitdem verfallen die Gebäude kontinuierlich. Am Schornstein sind einige Ziegelreihen ausgebrochen und ein Bewuchs aus Efeu und wildem Wein überwuchert nach und nach den gesamten Komplex. Der neue Besitzer lässt sich nur selten blicken und man kann auch keinen Kontakt mit ihm aufnehmen. Er steht nicht im Telefonbuch und die hinterlassene Handynummer ist ständig „momentan nicht zu erreichen“.

„Außer sporadischen Flickarbeiten wurden bisher – so weit zu sehen – keine Investitionen zur Erhaltung der Bausubstanz vorgenommen“, erklärte Twedts Bürgermeister Alexander Schmidt. Der Besitzer sei schriftlichen Aufforderungen, die Bäume zurückzuschneiden nachgekommen. Und er habe auf Aufforderung des Kreises seine Kläranlage nachgerüstet. Doch was er langfristig mit der Immobilie machen wolle, sei nicht bekannt. „Inzwischen habe ich mehrere Interessenten-Anfragen für die Meierei erhalten“, fährt Schmidt fort. Diese habe er weitergeleitet, aber bisher keine Rückmeldung erhalten. Das sei ärgerlich, denn bei entsprechenden Investitionen seien die Gebäude noch zu retten, ist sich Schmidt sicher.

Eine eine Nutzung als Café oder Pension, aber auch als Gewerbebetrieb sei durchaus möglich. Doch das müsse bald erfolgen, denn der Schornstein stehe bedenklich schief und könne auf die Bundesstraße fallen. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehe, könne er von Amts wegen nichts unternehmen. „Aber ich wünsche mir, dass möglichst bald irgendetwas an der Meierei passiert und dass dieses ortsbildprägende Gebäude der Gemeinde erhalten bleibt“, sagt der Bürgermeister. 

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