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Schleswiger Nachrichten

28. August 2016 | 07:06 Uhr

Besucher bleiben aus : Was wird aus dem Schaalby-Krog?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Betreiberin des Landgasthof kann Raten an die Bank nicht mehr zahlen. Die weiß nicht, wie lange sie noch hinter dem Tresen stehen darf

Drei kleine Schweinesteaks, Bratkartoffeln, Erbsen und Möhren, dazu Pilze, Speck, Zwiebeln und Sauce Hollandaise: 16 Euro kostet die Nr. 15 auf der Karte des Schaalby-Krog, der „Schlemmertopf“. Doch in der Gastwirtschaft von Antje Heldt wird schon lange nicht mehr geschlemmt. Zwar nicht auf dem „Scheiterhaufen“ – so der Name des Gerichts Nr.16 –, aber vor dem Scherbenhaufen ihrer gastronomischen Laufbahn steht die 62-Jährige, die 2001 das Anwesen an der Hauptstraße in Schaalby erwarb. Weil Antje Heldt die Raten an die Bank für die Hypothek, die sie für den Gaststättenkauf aufnahm, nicht mehr zahlen konnte, soll der Schaalby Krog nun zwangsversteigert werden – für 240  000 Euro zuzüglich Zubehörs im Wert von 13  000 Euro. Ein bereits für Anfang Februar festgesetzter Versteigerungstermin wurde jedoch vom Amtsgericht Schleswig kurzfristig aufgehoben.

Bevor Antje Heldt die Hypothek aufnahm und die Gaststätte mit Saal, Hotel und Betriebswohnung kaufte, verdiente die gelernte Einzelhandelskauffrau fünf Jahre ihren Lohn in der Schleswiger Brauerei. Damals keimte in ihr der Traum vom eigenen gastronomischen Betrieb auf, denn „ich hatte so viel Spaß an der Gastronomie“, sagt sie, um enttäuscht hinterherzuschieben: „Habe ich immer noch, aber die Leute haben offenbar keinen Spaß mehr an uns.“ Auch wenn ihr der Gasthof gehört und sie allein dafür in der Kreide steht, war Schaalby-Krog stets ein Familienbetrieb. Neben Tochter Finja ist es vor allem Antje Heldts Ehemann Günther, von dem sie heute getrennt lebt, der über die Jahre handwerklich viel Schweiß und Liebe in das Gebäude gesteckt hat.

Und dennoch: „Die Gäste sind uns irgendwann weggeblieben“, sagt Antje Heldt, die sich für die wenigen, die noch kommen, in die Küche und an den Zapfhahn stellt„Aber der Umsatz ist in den letzten zwei Jahren so dermaßen zurückgegangen.“ Weniger Arbeit in der Region für Monteure, die dann in einem ihrer sieben Hotelzimmer ab 30 Euro pro Nacht Unterschlupf suchten, und weniger Familienfeste, die in ihrem nach eigenen Angaben bis zu 180 Menschen Platz spendenden Saal gefeiert wurden, führt sie an. Eine wirkliche Erklärung für die sinkenden Einnahmen hat sie aber nicht. Für die finanzielle Situation, in der sie jetzt feststeckt, schon: „Ich habe auch Schuld an der Sache. Ich habe irgendwann den Überblick verloren.“ 40 Prozent des Kaufpreises habe sie abbezahlt. Forderungen an sie von 168  000 Euro stünden noch aus.

Mit zwei Gasthöfen im Ort, dem Schaalby-Krog und der Gaststätte Petersen im Ortsteil Füsing, steht den Schaalbyern geradezu eine luxuriöse Auswahl an gastronomischen Angeboten und Versammlungsräumen zur Verfügung. Auch das Cafe-Winningmay in Füsing gehört dazu. Dass es an diesem – wenn man so will – „Überangebot“ liege, dass der Schaalby-Krog vor seinem Aus steht, glaubt Antje Heldt aber nicht. „Das sind Kollegen, keine Konkurrenten“, sagt sie. Außerdem bemühten sich die Dorfvereine und die Gemeinde, ihre Veranstaltungen und Sitzungen, wenn sie denn nicht im Bürgerraum in der Schule stattfinden, in beiden Gasthöfen abwechselnd abzuhalten. Eine Saalmiete müssten sie dafür – bisher – nicht bezahlen.

Ihre frühere private Kundschaft, sagt Heldt, würde nun eher in Silberstedt oder Schleswig die eigenen Familienfeste feiern – in gehobenerem Ambiente. Nur Stammgäste, wie die wöchentliche Skatrunde oder die Mitglieder des sich regelmäßig in der Gaststätte treffenden Sparclubs etwa, ziehe es noch in den altertümlichen, sichtlich in die Jahre gekommen Krug. Und um Urlauber spontan anzuziehen, liege der Schaalby-Krog mit seinem Hotel zu weit ab von der Schleidörferstraße.

Die Gemeinde würde den historischen Gasthof mit seinem Saal-Betrieb gerne im Dorf behalten, aber „sie kann und will das nicht bezahlen“, sagt Bürgermeister Karsten Stühmer. Auch er fragt sich, wie es weitergehen soll und ob das Kameradschaftsfest der Füsinger Feuerwehr, das heute im Schaalby-Krog gefeiert werden soll, womöglich das letzte seiner Art an diesem Ort sein wird. Auch würde der Bürgermeister für die Unterbringung von allein reisenden Flüchtlingen gerne in der Zukunft auf die Räume des Hotels zurückgreifen können. In der Vergangenheit hatten schon einmal zwei Afghanen und eine Kurdin vorübergehend dort Zimmer bezogen.

„Keiner weiß, wie es weitergeht“, sagt Antje Heldt – und, dass es neben der drohenden Zwangsversteigerung auch noch so zwei Interessenten am Schaalby-Krog gebe.

Ein Sprecher des Amtsgerichts äußert sich nur so weit, dass der vorgesehene Zwangsversteigerungstermin zwar aufgehoben worden sei, das Verfahren aber weiter laufe. Eine Begründung für die Aufhebung des Termins gab er nicht.


> Die Gaststube Schaalby-Krog an der Hauptstraße 51 ist außer dienstags und sonntags immer von 17 bis 23 Uhr geöffnet, am Wochenende auch mal länger. Kontakt: Tel. 04622/2227

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erstellt am 20.Feb.2016 | 15:15 Uhr

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