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Streit um „Event“-Bahnhof : Warum der Schleswiger Bahnhof verriegelt wurde

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Eisenbahnbundesamt will nicht verantwortlich sein für die Sperrung – hat aber auch nichts dagegen.

Schleswig | Wann gehen die Türen im Bahnhof wieder auf? Nachdem Wartehalle und Reisecenter am Gründonnerstag aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden, ist das nach wie vor völlig offen. Immerhin sind jetzt Einzelheiten dazu bekannt geworden, wie es überhaupt zu dieser Sperrung kam.

Die Bahn AG hatte den Schritt zunächst mit einer Anordnung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) begründet. Die Bonner Behörde brauchte eine knappe Woche, um auf eine Nachfrage der SN nach den Gründen für diese Sperrung zu antworten. Man müsse zunächst innerhalb des Hauses recherchieren, hieß es. Jetzt liegt das Ergebnis dieser Nachforschungen vor: Demnach gibt es gar keine Anordnung des EBA. Man habe sich lediglich vor Ort ein Bild von der Situation gemacht, sagte Behördensprecher Moritz Huckebrink. Auf Wunsch der Stadt Schleswig sei man an die für den Bahnhof zuständige Untergesellschaft der Bahn AG herangetreten, die die Verantwortung für die Sicherheit des Bahnhofes trage. Diese Untergesellschaft, die „DB Station & Service AG“ habe dann eigenständig beschlossen, den Bahnhof aus Sicherheitsgründen abzuschließen.

Die Bahn AG bestätigt inzwischen diese Version. Hintergrund sind die Bauarbeiten, die der private Gebäudeeigentümer im Dachgeschoss und im Keller begonnen hat. Die Bahn hat nun Zweifel, ob die erforderliche Standfestigkeit des Gebäudes in der Wartehalle und im Reisecenter noch gegeben ist.

Die Stadtverwaltung hat unterdessen angekündigt, den Eigentümer aufzufordern, die Umbauten, die er vorgenommen hat, wieder zurückzubauen. Ob der Mann, der nach wie vor namentlich nicht genannt werden möchte, das tun wird, ist fraglich. Er sieht sich durch die jüngsten Ereignisse in seiner Auffassung bestätigt, dass das Schleswiger Bauamt für den Bahnhof gar nicht zuständig sei, sondern allein das EBA. Der Bahnhof bleibe nun „bis zum Abschluss der Bauarbeiten zu“, verkündete er auf seiner Facebook-Seite. Sämtliche Unannehmlichkeiten seien „alleinig von der Baubehörde Schleswig verursacht“.

Der Eigentümer, der aus der Immobilie einen „Event-Bahnhof“ machen möchte, beruft sich auf Vorschriften, nach denen das Eisenbahn-Bundesamt die Bauaufsicht für alle Anlagen ausübt, die für den Bahnbetrieb relevant sind. Für welche Teile des Bahnhofs diese Regelung greift, ist offenbar nicht ganz einfach abzugrenzen. „Für bahnfremde Nutzungen ist grundsätzlich die kommunale Bauverwaltung zuständig“, erklärt EBA-Sprecher Huckebrink. Die Stadt Schleswig und das Bundesamt betonen indes, dass sie ihr Vorgehen miteinander abstimmen. Als die Stadt im Februar Teile der Bahnhofs-Baustelle versiegeln ließ und das mit ungenehmigten Bauarbeiten begründete, geschah dies mit Zustimmung des EBA.

Bei der Bahn AG stellt man sich unterdessen darauf ein, dass das Reisecenter noch längere Zeit geschlossen bleibt. Man suche nach einem Alternativ-Standort, sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. Rund um den Bahnhof sei das aber nicht ganz einfach. Die Mitarbeiter des Reisecenters werden derweil an anderen Standorten eingesetzt.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 00:00 Uhr

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