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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 03:08 Uhr

Insolvenzverfahren eröffnet : Wallsbüll Open Air: Hoffnung für geprellte Rockfans

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mehr als ein Jahr nach der Absage der Veranstaltung wurde Insolvenzverfahren in Sachen Wallsbüll Open Air eröffnet. Ticketkäufer können ihre Ansprüche anmelden.

Für die enttäuschten Kunden des Wallsbüll Open Air 2015 gibt es möglicherweise bald Rechtssicherheit: Am vergangenen Mittwoch ist ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung über das Vermögen des Unternehmens North Energy Wallsbüll Open Air eröffnet worden. Insolvenzverwalter ist Nicolas Grimm von dr Kanzlei Ehler, Ermer & Partner aus Flensburg. Er nimmt ab sofort die Ansprüche der Gläubiger entgegen – unter anderem von Kunden, die für das Festival Tickets gekauft hatten, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.

Der Ausgangspunkt der Pleite liegt im Mai 2015: Zu diesem Zeitpunkt sollte das 35. Wallsbüll Open Air gefeiert werden – mit Heavy-Metal-Größen wie „Accept“, „Blind Rage“ und 5000 Besuchern. Doch daraus wurde nichts. Eine Woche vor Beginn sagten die Veranstalter das Festival ab – obwohl viele hundert Fans schon Karten gekauft und natürlich auch bezahlt hatten. In einer Pressemitteilung wurden damals „traurige familiäre Gründe“ für die Absage angeführt.

In dem selben Schreiben wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich lediglich um eine zeitliche Verschiebung des Termins handle – nicht um eine Komplett-Absage. Alle Karten sollten ihre Gültigkeit behalten, zusätzlich wurde noch freier Eintritt für das „Baltic Open Air“ angekündigt. Von der Möglichkeit, die Tickets gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzugeben, war zu diesem Zeitpunkt nicht die Rede. Die Neuauflage wurde zunächst für den Herbst 2015 angekündigt, später für 2016.

Weil aber nichts passierte, wurden die Fans ungeduldig. Sie wollten sich nicht weiter vertrösten lassen, sondern ihr Geld zurück. Schon sehr bald gründete sich eine Facebookgruppe mit dem Namen „Wir wollen unser Geld zurück Wallsbüll Open Air“. Darin berichteten Ticket-Inhaber von den teils erfolgreichen, meist aber vergeblichen Versuchen, den Kaufpreis zurückzuerhalten. Inzwischen hat die Gruppe nur noch gut 100 Mitglieder – offenbar hat sich Resignation eingestellt.

Rechtsanwalt Nicolas Grimm hat nun als Insolvenzverwalter die Aufgabe, eine Tabelle der Gläubiger zu erstellen, mögliche Vermögenswerte des Unternehmens zu sammeln und für Ausgleich zu sorgen. Üblicherweise gehört es auch zum Auftrag von Insolvenszverwaltern, Firmen zu retten. „Dazu muss ein Unternehmen jedoch sanierungsfähig sein. Das kann in diesem Fall aber nicht stattfinden“, sagte Grimm.

Ihm bleibe jetzt nichts anderes übrig, als die Scherben zusammenzufegen. Schwierig gestalte sich dabei die Erfassung der Gläubiger: „Ich habe eine Liste, die Gefahr ist aber groß, dass diese nicht ganz vollständig ist.“ Dabei geht es vor allem um Ticketkäufer, die Anspruch auf Erstattung des Kaufpreises haben.

Diese werden nun gebeten, sich bis zum 2. September mit dem Insolvenzverwalter in Verbindung zu setzen – mit dem Nachweis, dass sie Karten für das Festival gekauft haben. Der Nachweis lässt sich beispielsweise durch eine Kopie der Eintrittskarte und einen Ausdruck über den Kauf aus dem Internet erbringen. „Es reicht aus, mir glaubhaft zu machen, dass ein Anspruch besteht“, so der Anwalt.

Dass der volle Preis erstattet wird, scheint jedoch unwahrscheinlich, weil die Gläubiger aus dem noch vorhandenen Vermögen bedient werden müssen. Daraus ergibt sich eine Quote für die Rückzahlung.

Genauere Informationen über Vermögen und Erstattung gibt es am 21. September um 11 Uhr in Saal A220 des Flensburger Amtsgerichts, Südergraben 22. Dort sind auch die Gläubiger willkommen, die nach Auskunft des Rechtsanwalts alle gleich behandelt und bedient werden. „Ich werde dort berichten, wie es zur Insolvenz gekommen ist, wie die Auswirkungen aussehen, welche Vermögenswerte es gibt und wahrscheinlich auch, wie hoch die Quote der Erstattung ist.

Mit diesem Termin könnte die Geschichte des Wallsbüll Open ihr endgültiges Ende finden. Leider nicht auf einer Bühne, sondern in einem Gerichtssaal.

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erstellt am 30.Jul.2016 | 12:45 Uhr

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