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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Ahnenforscher : Von Klein Bennebek in die Welt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hans-Joachim Meggers kann die Geschichte seiner Familie bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Sie sind im Auftrag der Ostindien-Kompanie nach Asien gereist, haben mit den Buren im heutigen Südafrika gekämpft, in den USA wurden Straßen und auf dem Mond sogar ein Krater nach ihnen benannt: Die Rede ist von der Familie Meggers. Seit den 80er-Jahren ist Hans-Joachim Meggers aus Klein Bennebek in der Familienforschung aktiv. Angefangen hatte es mit Überlassungsverträgen für den Familienhof aus den Jahren 1763 bis 1933, die ihm seine Mutter vor Jahrzehnten in die Hand gedrückt hatte. „Damals war ich noch jung und das Interesse an der Familienforschung nicht so groß“, sagt der 76-Jährige.

Einige Jahrzehnte später nahm er die Urkunden wieder in die Hand und begab sich auf Forschungsreise. Damals lebte er in Mülheim an der Ruhr, erst 2012 zog er mit seiner Frau zurück in den Norden auf den Hof, den sein Onkel Heinrich Meggers 1934 erbaut hatte. Wann immer er konnte, kam er nach Klein Bennebek, um zu forschen. Die erste Haltestelle waren seine zwei Tanten, die auf dem Familienhof lebten und erzählten, dass Thies Meggers, der den Hof 1763 gekauft hatte, „ursprünglich aus Frankreich eingewandert ist“. Ob seine Familie tatsächlich französische Wurzeln habe, wisse er bis heute nicht. „Ich weiß aber, dass Thies Meggers 1718 mit dem Nachnamen Meggersee geboren wurde. Nach der Hochzeit hieß er dann nur noch Meggers“, sagt er und erinnert an den gleichnamigen See, „der dort war, wo heute Meggerdorf ist“.

Mittlerweile habe er Familiendaten von 14  000 Personen. Mithilfe der Kropper Amtsrechnungen, die Angaben zu Steuerzahlungen und Hofübergaben beinhalten, konnte er Namen und Geburtsdaten bis 1554 zurückverfolgen. „Ich habe 13  000 Blätter im Archiv verfilmen und in 42 Bänden binden lassen“, so Hans-Joachim Meggers. „Allein in den USA habe ich 2500 Adressen.“ Sechs Geschwister seines Großvaters seien dorthin ausgewandert. Doch ihn interessierten nicht nur die Daten, „sondern die Menschen und Geschichten, die dahinter stehen“.

So ist es auch beim ältesten Familiendokument, das er im schleswiger Landesarchiv ausfindig gemacht hat. Es ist eine sogenannte „Dingswinde“ aus dem Jahre 1491, die eine Rechtsprechung protokollierte. Dabei ging es um eine Vorfahrin von Meggers, die als Witwe in Kropp lebte und ihren Hof an das St.-Johanniskloster in Schleswig verschenken wollte, um im Alter abgesichert zu sein. „Die Erben hatten Einspruch eingelegt“, berichtet der 76-Jährige – am Ende vergebens. Ein anderer Vorfahre sei so schlecht auf seine Söhne zu sprechen gewesen, dass er seinen Hof dem Schwiegersohn vererbt habe. Daraufhin habe einer der Söhne die Bauerntochter von nebenan geehelicht, und es begann „eine 100-jährige Feindschaft zwischen den zwei Familien, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts ging“ – wie etwa Beschwerdebriefe zeigten. „Mit der Zeit habe ich gelernt, die alte Schrift zu lesen.“

Seine Familienforschung macht vor Landesgrenzen nicht Halt. So fuhr er 1989 mit dem schleswig-holsteinischen Grenzverein in die USA, um dort nach Angehörigen zu suchen. In Sheboygan am Michigansee, wo es eine Meggers Road gibt, gelang es ihm, ein spontanes Familientreffen mit 70 Personen zu organisieren. 1991 wurde es mit dreimal so vielen Personen wiederholt. Der Kontakt, der bis zum Zweiten Weltkrieg zur amerikanischen Verwandtschaft bestanden hatte, war wiederhergestellt „und besteht bis heute, auch unter den jüngeren Familienmitgliedern“. Von den Amerikanern erfuhr er auch von Dr. William Meggers, der als Wissenschaftler bei der Nasa gearbeitet hatte und Namenspate für einen Mondkrater wurde. In den USA seien zudem alte, verloren geglaubte Familienfotos wieder aufgetaucht, die nun bei ihm zu Hause hängen. „Auf einem ist mein Vater als Kind zu sehen“, erzählt er.

Heute engagiert sich Meggers im schleswig-holsteinischen Verein für Familienforschung. In Zukunft möchte er sich auf die Suche nach Familienmitgliedern mit dem Namen „Meggersee“ machen. „Im Ruhrgebiet und in München habe ich schon welche gefunden“, sagt er.

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