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Handwerker-Kurs für Frauen : Vom Bohren und Sägen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

17 Frauen lernen in Kropp, wie man richtig mit Werkzeug umgeht – unter ihnen unsere Autorin Maike Krabbenhöft.

„Selbst ist die Frau“ heißt nicht nur mein Motto, sondern auch ein sechsstündiger Handwerkerkurs in Kropp, an dem 17 Frauen teilnehmen – ich bin eine von ihnen. „So viele Frauen hat es auf dem Bauhof noch nie gegeben“, begrüßt uns Leiter Timo Petersen, der den sicheren Umgang mit Bohrer, Fuchsschwanz und Co. zeigen möchte. Andrea Heinrich, die Gleichstellungsbeauftragte im Amt Kropp-Stapelholm hat das kostenlose Angebot gemeinsam mit der Amtsvolkshochschule organisiert.

Während ich im Gruppenraum des Bauhofes sitze und beim ersten theoretischen Einblick in die Welt des Handwerks lerne, dass Bits austauschbare Aufsätze für die Bohrmaschine sind, frage ich mich, wann ich zuletzt eine in der Hand hatte. Ich habe keine Ahnung – aber es muss lange her sein. Der Bauhofleiter rät dazu, mindestens 100 Euro in eine Maschine zu investieren: „Qualität lohnt sich.“ Allerdings warnt er, dass man gerade einen Akku-Bohrer nicht unterschätzen sollte, denn „der hat super Kraft und kann das Handgelenk schnell verdrehen“. Oh, wie ich mich an diese Worte noch erinnern sollte.

Nach der Theorie kommt die Praxis: Wir verfrachten sämtliche Werkzeuge ins Auto, denn sie werden an einem anderen Ort zum Einsatz kommen. „Die Gemeinde Kropp hat vier Millionen Euro in das Projekt investiert und das ganze Rathaus leer geräumt, damit wir dort bohren und dübeln können“, sagt Timo Petersen und schmunzelt. Die Aussicht, das alte Rathaus wie einen Schweizer Käse mit Löchern zu durchbohren und so einen kleinen Beitrag zum Abriss zu leisten, ist ein Motivationsschub.

Bis auf wenige Aktenordner, Stühle und einen altersschwachen Aktenschrank sind die Räume leer – das gilt auch für das ehemalige Büro des Bürgermeisters, wo wir unser Lager aufschlagen. Zunächst erklärt Petersen die Beschriftungen auf Schraubenpackungen. „4,5 x 60/33“ bedeutet, dass die Schraube 4,5 Millimeter dick und 60 Millimeter lang ist – wobei das Gewinde 33 Millimeter ausmacht.

Es folgt eine Trockenübung wie man mit möglichst wenig Aufwand Bits befestigt: Den Bohrer im Uhrzeigersinn drehen und sein rotierendes Endstück festhalten. „Das ist die faule-Leute-Methode“, erklärt Timo Petersen. Klingt sympathisch, denke ich mir und probiere es aus. Das Ergebnis ist, dass der Aufsatz zwar bombenfest sitzt – aber so verkantet, dass ich beim Versuch, ihn mit einer kräftigen Drehung nach links wieder abzubekommen, mir nur einen blutigen Daumen hole. Bei den nächsten Versuchen gebe ich etwas weniger Gas und habe mehr Erfolg. Löcher in die Holzplatte zu bohren, geht mir dann leichter von der Hand. Für die Wand wird dann auf den Steinbohrer umgerüstet. Doch was, wenn der Dübel zu lang für das Loch ist? Raus bekommt man ihn nicht mehr, also greift Timo Petersen kurzerhand zum Cutter-Messer und schneidet den herausstehenden Teil ab. „Im Atomkraftwerk, wo jeder Dübel einzeln abgenommen wird, wäre das eine sechs, aber für das Kalenderaufhängen reicht es“, nimmt er es mit Humor. Auch die Frauen sind guter Dinge, wenn nicht alles auf Anhieb gelingt und justieren zur Not etwas nach, wenn das waagerechte Bild in der Senkrechten hängt oder die Garderobe leicht schief ist.

Die ersten drei Stunden vergehen wie im Flug und machen Lust auf mehr – auch wenn mich mein dicker Daumen einschränkt, sodass ich mich beim Sägen zurückhalte: Ausgerechnet der Daumenknochen dient als Führungsschiene. Der zweite Teil des Tages führt auf vertrauteres Terrain, denn mit Überbrückungskabel und Reifenwechsel habe ich schon einige mitunter leidige Erfahrungen gemacht. Bei ersterem gilt: Wenn man zwei Autobatterien verbindet, muss zuerst Plus auf Plus, dann Minus auf Minus – beim Abbauen genau anders herum. Ich merke, dass es nie verkehrt ist, solches Wissen wieder aufzufrischen.

Versuchsobjekt ist der Skoda von Werkstattleiter Gerhard Niedergesäß, der allerdings zur Frustfalle wird. Denn egal wer von uns Frauen versucht, die Radschrauben mit dem Schlüssel zu lösen – selbst voller Körpereinsatz bleibt zwecklos. Es reift die Erkenntnis, dass männliche Unterstützung manchmal vonnöten ist und auf die Frage, ob man ihn bei einer Reifenpanne anrufen könnte, antwortet Niedergesäß schmunzelnd: „Ja!“ Es folgen Lektionen im Wechseln von Scheibenwischerblättern und dem Austauschen von Sicherungen.

Unsere Frau an der Säge: Maike Krabbenhöft
Unsere Frau an der Säge: Maike Krabbenhöft
 

Nach sechs Stunden habe ich die Erkenntnis gewonnen, zwar kein perfekter Handwerker zu sein, aber doch jede Menge gelernt zu haben. Das geht nicht nur mir so: „Alles wurde sehr gut rübergebracht und so verständlich erklärt, dass man es anwenden mag“, meint Karin Tams. Für mich steht erstmal der Reifenwechsel an, und da hat mich der Ehrgeiz gepackt: Ich möchte den Radschrauben persönlich zu Leibe rücken – den Teil hat nämlich bisher mein Bruder übernommen.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 11:20 Uhr

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