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Schleswiger Nachrichten

28. September 2016 | 15:40 Uhr

Stadtmanager Rüdiger Knospe : Voller Einsatz für die „Wikingerstadt“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit einem Jahr leitet Rüdiger Knospe das Stadtmanagement – jetzt zieht er eine Bilanz und blickt gleichzeitig voraus auf neue Projekte.

Zurücklehnen und einen Gang zurückschalten – das ist nicht das Ding von Rüdiger Knospe. Im Gegenteil. Schleswigs Stadtmanager ist in den letzten Monaten erst richtig ins Rollen gekommen. „Eigentlich wollte ich diese Geschichte ja nur für einen kurzen Zeitraum machen. Aber es macht mir so viel Spaß und ich bekomme so viel Unterstützung, dass ich gerne noch weitermache“, sagt er, schränkt aber gleichzeitig ein: „ Aber nicht als Stadtmanager. Diesen Begriff haben wir zu den Akten gelegt. Das Wort ,Stadtmarketing’ trifft es besser.“ Denn darum geht es Knospe: Er will kräftig die Werbetrommel rühren und Schleswig bekannter machen. Egal ob in Deutschland oder darüber hinaus.

Genau ein Jahr ist es her, dass der heute 62-Jährige diesen Job von seiner Vorgängerin Monika Siegel übernommen hat. Schon damals war klar: Knospe, ein diplomierter Betriebswirt, ist als ehemaliger Unternehmensberater ein Mann der Wirtschaft. Bevor er vor einigen Jahren zurückgekommen ist in seine Geburtsstadt Schleswig, war er viel herumgekommen in der Welt. Diese Erfahrungen und der daraus resultierende Blick von außen auf die Aufgaben und Probleme, die in Schleswig auf ihn warten, zeichnen seine Arbeit von Beginn an aus. So hat er unter anderem eine Dänemark-Strategie erarbeitet, die – wie man aus Berichten der Schleswiger Kaufmannschaft immer wieder hört – auch greift. „Wir wollen die Nähe zu Dänemark noch mehr nutzen. Um noch mehr Menschen aus unserem Nachbarland in die Stadt zu locken, haben wir im vergangenen Jahr Geld in die Hand genommen. Zum Beispiel haben wir Online-Werbung bei dänischen Tageszeitungen geschaltet.“ Und das habe Erfolg: „An dem Tag, an dem wir damit angefangen haben, hatten wir auf der dänischsprachigen Internetseite des Stadtmanagements mehr als 1000 Klicks“, sagt Knospe. Zudem habe man mit mehreren Hotels in Schleswig Angebote speziell für dänische Gäste erarbeitet. Auch dies sei erfolgreich gewesen. „Deswegen wollen wir auch in diesem Jahr weiter auf diese Karte setzen und unsere Aktivitäten in Dänemark weiter ausbauen“, sagt Knospe, der dabei von „einem meiner Lieblingskinder“ spricht.

Davon indes hat er viele. Ein weiteres ist der Domturm. Seit Jahren wird Schleswigs Wahrzeichen abends nur noch sporadisch angestrahlt – was Knospe schon seit Monaten bitter aufstößt. Deswegen hat er bereits ein Konzept erarbeitet, um die Strahler auf kostengünstige LED-Lampen umzustellen und diese dann täglich anwerfen zu lassen. „Aber bis das alles in trockenen Tüchern ist, das dauert – und zwar länger als ich gedacht hätte. Da geht es um mehr als nur das Auswechseln von Glühbirnen. Auch die Übernahme der Umrüstungskosten und der späteren Stromkosten spielen eine Rolle“, sagt Knospe. Man sei aber mit Stadt und Stadtwerken in finalen Gesprächen.

Dass nicht immer alles so glatt und vor allem schnell über die Bühne geht, wie er es sich vorstellt, sei eine der wichtigsten Erfahrungen, die er im vergangenen Jahr gemacht habe. „Ich komme aus der freien Wirtschaft. Da muss man schnell sein, wenn man auf einen Zug aufspringen will.“ In seiner Arbeit im Stadtmarketing sei er jedoch auf viele Entscheidungsträger angewiesen. Insbesondere die oft langwierigen Abstimmungen zwischen Politik und Verwaltung, der lange Weg durch die Instanzen, verlange ihm viel Geduld ab. „Ich will oft gleich losrennen und machen. Aber das geht nicht immer.“ So musste er auch länger darauf warten, dass man sich in Schleswig auf den neuen Slogan „Wikingerstadt“ geeinigt hat. Dass es am Ende aber doch so gekommen ist, sieht er als einen echten Glücksfall für die Stadt. Mit Blick auf die große Nachfrage nach „Wikingerstadt“-Produkten und die positive Resonanz, „war das das Beste, was uns passieren konnte.“ Auch wenn der Slogan selbst nicht auf seinem Mist gewachsen ist, hat Knospe doch großen Anteil daran, dass sich der neue Schriftzug mit dem dazu passenden Logo inzwischen nicht nur in Schleswig etabliert hat. Deshalb soll das Thema Wikinger noch in diesem Jahr deutlich sichtbarer gemacht werden im Stadtbild. Zudem erweitert Knospe die Produktpalette mit dem neuen Logo ständig: Neben Taschen, Aufklebern und Regenschirmen gibt es nun auch USB-Sticks, Fahrradklingeln oder Taschenwärmer. „Viele Schleswiger Firmen haben das Logo längst auf ihren Briefköpfen und Internetseiten platziert, manche haben sogar ihre Lkw damit bedruckt und sind damit jetzt fahrende Werbeträger der Stadt.“

Das wiederum gilt auch für ihn selbst. Unter anderem war er im vergangenen Jahr auf der weltweit größten Immobilienmesse Expo-Real in München, um dort erstmals die „Wikingerstadt“ zu vermarkten. Auch hierbei hatte er offenbar auf das richtige Pferd gesetzt. So hatte unter anderem die bundesweit erscheinende Immobilienzeitung von diesem Auftritt berichtet. Inzwischen, so Knospe, hätten daraufhin fünf potente Investoren Schleswig besucht. Dabei ging es um die Vermarktung des Theatergrundstücks im Lollfuß, des alten Krankenhauses und des Parkhauses. Letzteres ist für Knospe, neben der maroden Hertie-Immobile, das größtes Problemkind und gleichzeitig die Schlüsselfigur der Schleswiger Innenstadt. Während er jedoch nur bedingt optimistisch ist, dass für die Nachnutzung des ehemaligen Kaufhauses endlich eine Lösung gefunden wird, sieht er beim ebenfalls maroden Parkhaus durchaus Chancen. „Wenn wir nicht genügend Parkplätze in der Innenstadt vorhalten, schieben wir uns selbst aufs Abstellgleis.“ Deswegen hoffe er, dass Politik und Verwaltung das Thema ähnlich pragmatisch und zügig angehen wie in Bezug auf den Aufbau der „Heimat“ zur neuen Stadthalle. Auch damals hatte Knospe mit am Verhandlungstisch gesessen. „Es geht immer darum, die beste Lösung für Schleswig zu finden. So eine Dynamik, wie sie alle Beteiligten bei der ,Heimat’ bewiesen haben, tut der Stadt einfach nur gut.“

Ob er zufrieden ist mit seinem ersten Jahr in Schleswig? „Nein, auf keinen Fall“, sagt er, „ich wäre gerne viel weiter, weil ich ein unruhiger Geist bin.“ Entsprechend viele Ideen hat er im Kopf: Unter anderem hofft er, noch in diesem Jahr eine große Wasserfontäne an der Schleipromenade zu installieren. Hinzu sollen mehrere maritime Events kommen. „Schleswig ist eine Stadt am Wasser. Das wird leider oft vergessen. Und genau das müssen wir ändern!“

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erstellt am 15.Jan.2016 | 07:34 Uhr

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