zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:57 Uhr

Mitgliederschwund beim DRK-Ortsverein Schuby : Viele Aufgaben, zu wenig Helfer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die beliebte Haus- und Straßensammlung wird abgeschafft.

„Das Deutsche Rote Kreuz“, sagt Marlies Peltzer, mit ein wenig Resignation in der Stimme, „wird oftmals als ein Verein für alte Leute angesehen“. Die Folge dieser Feststellung erlebt die 67-Jährige aus Schuby in ihren Ehrenamt derzeit ganz direkt. Sie leitet den Ortsverein seit gut einem halben Jahr zusammen mit der 66-jährigen Ingrid Bösel, nachdem sich die bisherige Vorsitzende aus Altersgründen nicht wieder zur Wahl gestellt hatte. Seitdem ist der Vorstand von neun auf sieben Personen zusammengeschrumpft, von den einst 22 Gebietsbetreuerinnen blieben nur 12. Die beiden Vorsitzenden stellten schnell fest, das die geleistete Arbeit unter diesen Voraussetzungen nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Konsequenz: Die Arbeit wird reduziert – und damit auch die Leistung des DRK.

In diesen Tagen bekommen alle Haushalte in Schuby eine Mitteilung darüber, dass die seit Jahrzehnten üblichen Haus- und Straßensammlungen eingestellt werden. „Wir haben uns die Entscheidung bestimmt nicht leicht gemacht“, sagt Ingrid Bösel, „aber wir hatten wirklich keine andere Wahl“. Die Spenden, mit denen ein Großteil der Aktivitäten im Ortsverein finanziert werden, sollen künftig per Überweisung eingehen. Ob das klappt? „Ich bin gespannt“, sagt Ingrid Bösel.

Aber es geht nicht nur um das Finanzielle. Die regelmäßigen Hausbesuche hatten auch eine soziale Funktion. Gerade ältere Bürger freuten sich auf die Besuche, die Gebietsbetreuerinnen wurden regelmäßig mit Kaffee und Kuchen bewirtet – und selbstverständlich gehörte auch immer ein Klönschnack dazu. Für viele altere Menschen war der Besuch eine der wenigen Gelegenheiten, einen Schritt aus ihrer Einsamkeit heraus zu machen. Der geschäftsmäßig wirkende Überweisungsträger, der dem Schreiben beiliegt, kann das nicht leisten.

Das wissen natürlich auch Marlies Peltzer und Ingrid Bösel. Und deshalb versuchen sie, den Übergang so sanft wie möglich zu gestalten: Die Helferinnen sollen, wenn irgendwie machbar, die Nachricht persönlich und so schonend wie möglich überbringen. „Es hilft nichts, wir können die Arbeit einfach nicht mehr bewältigen“, sagt Ingrid Bösel.

Die Aufgabe der Helferinnen ist vielfältig. Jede der zwölf Frauen, weder unter ihnen noch im Vorstand gibt es Männer, betreut rund 200 Schubyer. Sie machen Geburtstagsbesuche bei Bürgern, die über 80 Jahre alt sind, schauen bei Krankheit nach dem Rechten, machen Besorgungen und leisten kleine Fahrdienste. „Im Prinzip sind sie Ersatz für die gute Nachbarschaft, die es nach dem Krieg noch gab, als sich noch jeder um jeden in der näheren Umgebung gekümmert hat“, sagt Ingrid Bösel. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Der Ortsverein des DRK in Schuby zählt 236 Mitglieder – die Arbeit aber liegt auf den Schultern einiger weniger Frauen. Und die sind rar gesät. „Junge Frauen haben meist nicht die notwendige Zeit“, erklärt Marlies Peltzer. „Sie haben Kinder, eine Familie und Arbeit – da bleibt nicht mehr viel Raum für das Ehrenamt.“

Ein Großteil der Arbeit wird zudem vom siebenköpfigen Vorstand geleistet. „Wir wollen es möglichst jedem Recht machen“, sagt Ingrid Bösel. Und so werden in jedem Jahr Advents- und Weihnachtsfeiern organisiert, es gibt Ausflüge, Frauenfrühstück, diverse Sportangebote, Verspielen, Theaterfahrten und eine Handarbeitsgruppe – um nur einige Aktivitäten zu nennen. Einige sind sehr gut besucht, andere halten sich gerade so und wieder andere laufen langsam aus. „Zum Tanzkreis kommen nur noch acht Frauen“, sagt Ingrid Bösel – aber wir betreiben ihn weiter, so lange es geht.“

Wie lange es geht, ist fraglich. Der Vorstand, der alles organisiert, ist reduziert, der Altersdurchschnitt hoch und die Belastung enorm. Eine Situation, die es in vielen Ortsvereinen im Kreisgebiet in ähnlicher Ausprägung gibt. Die Lösung des Problems sieht man in Schuby und in anderen Orten in der Werbung um neue Mitglieder, die auch aktiv sein wollen. Deshalb liegt dem Schreiben, in dem das Ende der Haus- und Straßensammlung erklärt wird, auch ein bunter Flyer bei. Darin wird um ehrenamtliche Mitarbeiter geworben.

Marlies Peltzer und Ingrid Bösel machen sich nichts vor: Dass diese Maßnahmen für einen Umschwung sorgen könnten, glauben sie nicht wirklich. Für sie geht es jetzt darum, den Ortsverein funktionsfähig zu erhalten. Und um das zu erreichen, ohne gleichzeitig die verbliebenen Aktiven zu überfordern, wird es wohl weitere Abstriche im Angebot geben müssen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2016 | 07:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen