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Schleswiger Nachrichten

30. September 2016 | 05:12 Uhr

Kreis Schleswig-Flensburg : Verheiratet mit AfD-Mann: SPD-Kreisverband streitet über Pressesprecherin

vom

Sie in der SPD, er in der AfD - die Konstellation ist ein Aufreger. Kerstin Hansen sagt: „Mit mir hat keiner gesprochen.“

Ein Mitglied des SPD-Kreisvorstands, das mit dem AfD-Kreisvorsitzenden verheiratet ist – diese Konstellation sorgt in den Reihen der Sozialdemokraten für Wirbel. Nachdem unsere Zeitung am vergangenen Wochenende einen Artikel über das Ehepaar Kerstin und Frank Hansen aus Langballig veröffentlicht hatte, standen die Telefone der SPD-Spitze nicht mehr still.  Mehrere Ortsvereinsvorsitzende zeigten sich irritiert darüber, dass ausgerechnet die Frau des AfD-Chefs als Beisitzerin im Vorstand für die Pressearbeit der SPD zuständig ist.

„Sie muss als Pressesprecherin gegebenenfalls gegen ihren eigenen Mann schreiben – das ist für mich schwer vorstellbar“, sagt etwa der Schleswiger Ortsvereinsvorsitzende Henrik Vogt. Er kritisiert, dass bei der Wahl von Kerstin Hansen auf dem Parteitag im Juni nicht alle Delegierten über ihre familiäre Situation informiert gewesen seien. „Da hätte ich mir von Seiten des Kreisvorstands eine offenere, transparentere Haltung gewünscht“, so Vogt.

Am Dienstagabend hat sich der geschäftsführende Kreisvorstand in einer Sondersitzung mit der Causa Hansen beschäftigt. „Natürlich ist die Konstellation schwierig. Es wäre einfacher, wenn ihr Mann Mitglied der CDU wäre“, räumte der SPD-Kreisvorsitzende Ralf Wrobel gestern gegenüber unserer Zeitung ein. Aber er habe Kerstin Hansen als eine überzeugte Sozialdemokratin kennengelernt, die Politik und Privates sauber trennen könne.

Wrobels Stellvertreterin Birte Pauls ging hingegen spürbar auf Distanz zu Kerstin Hansen. „Ich habe persönlich nichts gegen Kerstin. Aber aus strategischer Sicht ist diese Nähe zur AfD einfach nicht gut. Ich war von Anfang an dagegen“, betonte die Landtagsabgeordnete aus Schleswig.

Das weitere Vorgehen will die SPD-Führung  am 11. Oktober in einer Sitzung des Kreisverbandsausschusses besprechen. In diesem Gremium sitzen neben dem Kreisvorstand auch die Ortsvereinsvorsitzenden. Zuvor wird Kerstin Hansen in einer Sitzung des erweiterten, 15-köpfigen Kreisvorstands die Möglichkeit haben, Stellung zu beziehen.

An einen Rücktritt denkt die 44-Jährige nicht. „Mit mir persönlich hat noch keiner der Kritiker gesprochen“, sagte Hansen auf Nachfrage unserer Zeitung.  Es sei nie ein Geheimnis gewesen, dass sie mit Frank Hansen, dem AfD-Kreisvorsitzenden, unter einem Dach lebe. Zumindest im nördlichen Kreisgebiet sei das durchweg bekannt gewesen. Und alle anderen Genossen hätten im Vorfeld der Vorstandswahlen die Gelegenheit gehabt, sich zu informieren, findet Kerstin Hansen.

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erstellt am 22.Sep.2016 | 13:21 Uhr

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