zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

26. September 2016 | 10:46 Uhr

“Wallsbüll Open Air“-Pleite : Vergleichs-Angebot an die Rockfans

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ticketkäufer sollen 20 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen.

Als Kevin Gresen gestern gegen 11.20 Uhr den Saal A 220 im Flensburger Amtsgericht verließ, machte er ein etwas enttäuschtes Gesicht. Der Flensburger war als Gläubiger gekommen – er hatte im vergangenen Jahr für 200 Euro vier Eintrittskarten für das Wallsbüll Open Air gekauft. Dann war das Festival vom Veranstalter, der „North Energy Wallsbüll Open Air“, abgesagt worden. In der Folge hatten viele Ticket-Käufer vergeblich versucht, ihr Geld zurückzubekommen. Als Ende Juli ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet wurde, durften die Gläubiger erstmals auf ein geordnetes Verfahren hoffen. In der Kanzlei von Insolvenzverwalter Nicolas Grimm wurden alle Ansprüche gesammelt und geprüft.

Der Termin gestern sollte dazu dienen, über den Verlauf des Verfahrens zu informieren, Fragen zu beantworten und den Gläubigern ein Angebot zu machen. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – zugelassen waren nur die Rechtsbeistände, North Energy-Geschäftsführerin Katja Matt und die Gläubiger. Kevin Gresen berichtete anschließend von Forderungen in Höhe von knapp 100  000 Euro und einem Angebot, insgesamt 20  000 Euro auszuschütten.

Insolvenzverwalter Nicolas Grimm wollte die Zahlen nicht bestätigen. Die Prüfung der eingereichten Ansprüche sei noch nicht abgeschlossen, erklärte er. So sei beispielsweise gestern während der Verhandlung noch ein Packen Rechnungen abgegeben worden. „Wir haben einen Großteil der eingereichten Ansprüche geprüft, aber eben noch nicht alle“, sagte er. Grimm zeigte sich ein wenig enttäuscht, dass sich nur drei Gläubiger im Amtsgericht eingefunden hatten, denn er hatte einen Vorschlag an alle Gläubiger. „Nach langen und schwierigen Verhandlungen hat Frau Matt als Geschäftsführerin angeboten, einen Betrag als Entschädigung zur Verfügung zu stellen.“ Das würde bedeuten, dass das Geld anteilsmäßig unter den Gläubigern verteilt wird. Kevin Gresen würde von seinen 200 Euro lediglich 40 zurückbekommen – vorausgesetzt, es stehen sich wirklich 100  000 Euro Ansprüche und 20  000 Euro Entschädigung gegenüber. „Die Entscheidung darüber sollen die Gläubiger treffen“, erklärte Grimm. Es würden demnächst Briefe mit dem Angebot herausgehen. Innerhalb einer noch nicht festgelegten Frist muss die Entscheidung dann dem Insolvenzverwalter mitgeteilt werden.

Das Verfahren der Entscheidung ist nicht ganz einfach. Anders als bei Bundestags- oder Landtagswahlen hat nicht jede Stimme das selbe Gewicht. Vielmehr hat ein Gläubiger mit einer hohen Forderung ein größeres Mitbestimmungsrecht als ein Gläubiger mit einer kleinen Forderung. In der Gläubigerversammlung ist das Verhältnis ihrer Forderungssumme zur Gesamtsumme aller Anwesenden entscheidend. Abstimmungen werden mit der Mehrheit der Forderungssumme entschieden. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass nicht nur Ticketkäufer Ansprüche angemeldet haben, sondern auch Bands und Geschäftsleute.

Sollte der Vorschlag nicht angenommen werden, müssen die Gläubiger vor Gericht versuchen, ihre Ansprüche durchzusetzen, erklärte Insolvenzverwalter Grimm. Die „North Energy Wallsbüll Open Air“ übrigens gibt es nicht mehr. Das Unternehmen wurde aufgelöst.




zur Startseite

von
erstellt am 22.Sep.2016 | 07:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen