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Schleswiger Nachrichten

26. Juni 2016 | 19:20 Uhr

Schleswig : Vereine rebellieren gegen komplizierte Rathaus-Regeln

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Stadtteiltreff „Liebertee“: Die Schleswiger Kulturschaffenden fordern weniger Bürokratie bei der Bewilligung von städtischen Zuschüssen.

Was wird aus dem Stadtmuseum, wenn dessen Direktor Holger Rüdel im Sommer pensioniert wird? Lässt sich das Verfahren vereinfachen, mit dem Vereine an Zuschüsse aus dem Stadt-Haushalt kommen können? Und welche Möglichkeiten bietet das frühere Mannschaftsheim auf der Freiheit, wenn es zur Spielstätte für das Landestheater umgebaut ist?

Um diese drei Themen ging es am Dienstagabend beim Stadtteiltreff „Liebertee“. Im Saal der Stadtwerke am Ilensee war kein Stuhl frei geblieben, denn insbesondere das Thema Zuschüsse bewegt viele Schleswiger Vereinsvertreter seit Jahren. Und auf dem Podium saß gleich eine ganze Reihe von Verantwortlichen: Die Ratsfraktions-Vorsitzenden Stephan Dose (SPD) und Holger Ley (CDU), die Kulturausschuss-Vorsitzende Babette Tewes (Grüne) und die zuständige Fachbereichsleiterin aus dem Rathaus, Julia Pfannkuch.

13  500 Euro stellt die Stadt Schleswig jährlich für kulturelle Initiativen aus der Bevölkerung zur Verfügung. Lächerlich wenig sei das, meinte unter anderem Rolf-Jürgen Wind vom Kunstverein. In Eckernförde seien es 100  000 Euro, dabei ist die Nachbarstadt noch etwas kleiner als Schleswig. Husum gebe 40  000 Euro allein für den „Speicher“ aus, das alternative Kulturzentrum am Hafen.

Die geringe Summe ist es aber nicht allein, an der die Kulturschaffenden verzweifeln. Seit Jahren klagen sie über viel zu viel Bürokratie bei der Bewilligung der Zuschüsse.

Wenn die Mitglieder eines Vereins auf ihrer Hauptversammlung zu Jahresbeginn die Idee für eine Veranstaltung im Herbst entwickeln, haben sie schon keine Chance mehr auf auch nur einen einzigen Cent von der Stadt. Denn alle Anträge müssen bereits im September des vorherigen Jahres vorliegen. Wind nannte noch mehr Vorgaben, die er für unpraktikabel hält: So müsse ein Veranstalter nachweisen, dass er sich vergeblich beim Kreis, beim Land und beim Bund um Zuschüsse bemüht hat.

„Die Förderrichtlinie mag kompliziert sein“, räumte Julia Pfannkuch ein. „Aber meine Mitarbeiter beraten die Antragsteller gerne und intensiv. Leider stellen wir fest, dass anschließend oft trotzdem kein Antrag gestellt wird.“

Babette Tewes hatte das Problem schon vor anderthalb Jahren im Kulturausschuss angesprochen. Das bisherige Verfahren, meinte sie, mache es insbesondere für kleine Vereine schwierig, an städtische Zuschüsse zu gelangen. Geändert hat sich seither nichts. Nun aber könnte Bewegung in die Sache kommen, denn SPD-Mann Stephan Dose sagte: „Bis vor kurzem gehörte ich zu denjenigen, die die Förderrichtlinie für sinnvoll hielten. Aber wenn so viele Kulturschaffende sagen, sie sei abschreckend, dann müssen wir uns mit dem Thema beschäftigen.“ Mit seinem Kollegen von der CDU war er sich da einig: „Für Bürokratie-Abbau sind wir immer zu haben“, sagte Holger Ley. Auch über die Summe im Fördertopf lasse sich reden, deutete Dose an. „13  500 Euro sind in der Tat lächerlich wenig“, meinte er, verwies aber auch auf die angespannte Haushaltslage.

Wird also schon im nächsten Jahr alles viel einfacher? Die Diskussion über ein anderes strittiges Kulturthema zeigte an diesem Abend, dass Schleswigs Mühlen manchmal langsam mahlen. Julia Pfannkuch erläuterte, wie es aus Sicht der Verwaltung mit dem Stadtmuseum weitergehen soll. Nachdem die Ratsversammlung auf Antrag der CDU beschlossen hatte, die Stelle des ausscheidenden Museumsleiters erst dann wieder zu besetzen, wenn die Verwaltung Spar- und Reformvorschläge vorlegt, plant Pfannkuch nun, eine „Lenkungsgruppe“ unter ihrer Leitung einzurichten. Sie soll im März zum ersten Mal tagen. Die Mitglieder aus Stadtverwaltung und Kommunalpolitik sollen dann im Oktober Handlungsvorschläge präsentieren. Danach soll der städtische Kulturausschuss über die weitere Vorgehensweise beraten. Tewes erinnerte daran, dass ein Planungsbüro aus Halle bereits 2014 umfassende Vorschläge für den Umbau des Stadtmuseums in ein „Bürgermuseum“ vorgelegt habe. In der öffentlichen Debatte seien diese Vorschläge offenbar viel zu wenig bekannt, meinte sie.

Wenig Neues gab es unterdessen zum Thema Theater. Die frühere Bürgervorsteherin Anke Carstens-Richter (SPD) zeigte sich „sehr verwundert“ darüber, dass die Gruppe um die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Caroline Schwarz parallel weiterhin am Ziel einer Stadthalle im Lollfuß festhalte. „Das ist kontraproduktiv.“ Lieber solle man nun alle Kräfte bündeln.

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erstellt am 21.Jan.2016 | 08:29 Uhr

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