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Schleswiger Nachrichten

23. März 2017 | 23:04 Uhr

Denkmalschutz : Verärgerte Holmbewohner

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt erarbeitet Stellungnahme zum Denkmalschutz auf dem Holm– und vergisst ihre Zusage, die Bewohner der Fischersiedlung zu beteiligen.

Es ging hoch her im Ständesaal des Rathauses, als Landeskonservator Michael Paarmann Anfang November den Bewohnern des Holms seinen Plan vorstellte, die komplette Fischersiedlung unter Denkmalschutz zu stellen. Aber waren sie irritiert vom Auftritt des Denkmalpflegers aus Kiel – oder waren sie sogar verärgert? Es ist eine Detailfrage. Aber sie steht symbolisch für ein Versäumnis der Stadtverwaltung, das vor der jüngsten Bauausschuss-Sitzung zutage trat. Die Stadtverwaltung hatte eine Stellungnahme zur umstrittenen Denkmalschutz-Verordnung für den Holm erarbeitet, die nun nach Kiel geschickt werden sollte. Darin war von „Irritationen“ die Rede, die bei den Holmbewohnern aufgetreten seien. Ein zu schwaches Wort, fand man in der Fischersiedlung. Besser solle ganz klar von „Verärgerung“ die Rede sein.

Eigentlich hätten die Holmbewohner – vertreten durch Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky – mitschreiben sollen an der offiziellen städtischen Stellungnahme. So war es abgemacht – nur wussten die mit dem Thema befassten Mitarbeiter im Bauamt anscheinend nichts von dieser Abmachung.

Der Bauausschuss-Vorsitzende Stephan Dose (SPD) gab dafür in erster Linie Bürgermeister Arthur Christiansen die Schuld. Dieser nämlich war dabei, als sich Anfang Februar Landeskonservator Paarmann und sein zuständiger Referent Albrecht Barthel noch einmal zu einer Besprechung nach Schleswig begeben hatten.

Am Tisch im Rathaus saß auch Eberhard Schmidt-Elsaeßer, Staatssekretär im Kieler Kulturministerium, sowie die Ratsfraktionsvorsitzenden und Klaus Nielsky als Stimme des Holms. Paarmann erläuterte noch einmal sein Ziel, die historische Parzellenstruktur auf dem Holm zu bewahren und Bauvorhaben zu verhindern, die dieses Erscheinungsbild beeinträchtigen. Klaus Nielsky hielt dagegen, dass die Denkmal-Verordnung es jungen Familien unmöglich machen würde, ihre Häuser angemessen zu erweitern. Andernfalls würde der Holm „weiter vergreisen“. Wenigstens in den hinteren Bereichen der Grundstücke sollte deshalb eine Bebauung weiter erlaubt sein, meinte er. Man einigte sich darauf, dass die Positionen der Holmbewohner in die noch zu erarbeitende offizielle Stellungnahme der Stadt Schleswig eingearbeitet werden.

Diese Absprache kam aber offenbar bei den zuständigen Mitarbeitern im Bauamt nicht an. Klaus Nielsky bekam erst wenige Tage vor der Bauausschuss-Sitzung die fertige Beschlussvorlage aus dem Bauamt in die Hände. Dieses Dokument, sagt Nielsky, habe er dann „so schnell, wie es einem Rentner eben möglich ist“, durchgearbeitet und seine Änderungswünsche noch kurz vor der Bauausschuss-Sitzung ans Bauamt geschickt. Um sie noch einzuarbeiten, sei dennoch nicht genügend Zeit gewesen, sagte Bauamtsleiterin Manja Havenstein. Sie hat beim Landesamt für Denkmalpflege erfolgreich um Fristverlängerung bis Ostern gebeten. Der Bauausschuss wird voraussichtlich auf seiner Sitzung am 4. April über die Stellungnahme beraten.

Dabei bleibt es bei der Beschlusslage der Ratsversammlung, dass aus Sicht der Stadt Schleswig die Siedlung nicht gegen den Willen der Holmer zum Denkmalbereich erklärt werden sollte. Der Hinweis auf diesen Beschluss vom 14.  November gehört zu den Punkten, die Klaus Nielsky in die städtische Stellungnahme aufgenommen haben möchte.

Unabhängig davon: Dass der Landeskonservator sein Vorhaben noch stoppt, erscheint immer weniger wahrscheinlich. So geht es inzwischen vor allem um die Formulierung einzelner Paragrafen in der geplanten Denkmalverordnung. So regt Klaus Nielsky zum Beispiel an, dass die Stadt zusammen mit dem Landesamt für Denkmalschutz bestimmte Grenzen auf den Grundstücken festlegen könnte, innerhalb derer Anbauten an den Häusern weiter zulässig wären.

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erstellt am 11.Mär.2017 | 07:40 Uhr

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