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Karl Rupprecht aus Brodersby : Unterwegs für Kinder in Not

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Karl Rupprecht aus Brodersby bringt seit über 35 Jahren Medikamente und medizinische Ausstattung nach Russland und Weißrussland.

Für Karl Rupprecht ist es eine Herzensangelegenheit. Und so ist es kein Wunder, dass er über die Hilfe, die er in Weißrussland leistet, mit viel Leidenschaft spricht. Seit mehr als 35 Jahren fährt der gelernte Krankenpfleger und ehemalige Pharmareferent nach Polen, Russland und Weißrussland, um dort Krankenhäuser mit dem Nötigsten zu versorgen, zunächst mit Hilforganisationen – seit rund zehn Jahren auf eigene Faust.

„Es fehlt oft an den kleinsten Dingen“, erklärt der 71-Jährige und greift in seine Tasche. Heraus holt er Pflaster, Fieberthermometer, Verbände und auch kleine Armbänder für Neugeborene. „Die sind für Babys, die auf der Intensivstation liegen“, sagt Rupprecht. Die Ausstattung der Krankenhäuser in Weißrussland lasse zu wünschen übrig. „Vor 20 Jahren war es noch viel schlimmer, aber auch heute herrschen teilweise noch erschreckende Zustände“, sagt Rupprecht. So werde vom dortigen Gesundheitssystem nur die Unterbringung bezahlt. „Alles andere müssen die Patienten bezahlen, die sich die Behandlung oder die Medikamente aber oft gar nicht mehr leisten können.“

In solchen Fällen springt Karl Rupprecht ein. Dank seiner Kontakte zu einem großen Klinikversorger konnte er Infusionen, Narkotika, Spritzen und Verbandsmaterial organisieren. „Ich habe lange Jahre als Pharmareferent im Außendienst gearbeitet“, erklärt er.

Mehre Male habe er dazu beigetragen, Hilfstransporte mit dem benötigten Material auszustatten. „Die erste Aktion mit dem DRK führte mich nach Polen, in die Kliniken von Chorschow und Ratibor“, erinnert sich der 71-Jährige. Bei weiteren Hilfslieferung lernte er Königsberg, Kirow und Minsk kennen. Die Fahrten mit Lkw und Bussen seien teilweise abenteuerlich gewesen. „Über schlechte Straßen und immer wieder wurden wir vom Zoll aufgehalten“, sagt Rupprecht. Das Problem: Viele Medikamente, die hier zugelassen sind, sind in anderen Ländern verboten. „Da mussten wir uns immer etwas ausdenken.“ Besonders hilfreich sei es gewesen, wenn die Lkw mit blauem oder gelbem Blinklicht ausgestattet waren. „Das hat uns schon einige Türen geöffnet“, erzählt Rupprecht und lacht.

1995 stapelten sich die Hilfspakete im Keller von Karl Rupprecht.
1995 stapelten sich die Hilfspakete im Keller von Karl Rupprecht. Foto: Privat
 

An seine erste Reise nach Weißrussland kann sich der 71-Jährige noch gut erinnern. „Ich bin über ein Zeitungsinserat darauf aufmerksam geworden. Habe dort angerufen und gefragt, ob die Krankenhäuser in Weißrussland bedürftig sind.“ Die Antwort fiel nicht überraschend aus: „Es hieß, wir brauchen alles und so viel wie möglich.“ Das ließ Karl Rupprecht sich nicht zweimal sagen. Innerhalb von drei Wochen bekam er zwanzig Kartons zusammen. „Da waren Infusionen, Kleidung und Schokolade für die Kinder dabei“, erzählt er. Der Empfang in Weißrussland sei dann dementsprechend gewesen. „Ich wurde gleich in Beschlag genommen, als wir ankamen.“ An die Begegnung mit der Mutter eines schwerkranken Jungen kann er sich noch besonders gut erinnern: „Das Kind brauchte ein spezielles Medikament, die Mutter hat mich bekniet, es zu besorgen.“ Diesen Wunsch konnte Rupprecht ihr nicht abschlagen, es gab nur einen kleinen Haken: „Ich habe es erst bekommen, als ich wieder zurück in Deutschland war.“ Zwar habe er das Medikament sofort nach Weißrussland geschickt, „aber das Kind war inzwischen gestorben“.

Auch wenn diese Geschichte schon über 20 Jahre her ist, legt sich auch heute noch ein Schatten über Karl Rupprechts Gesicht, wenn er davon erzählt. „Mir ist es eigentlich immer um die Kinder gegangen. Denen wollte ich immer helfen“, erklärt er seine Motivation. Zudem sei sein Engagement auch ein Stück Wiedergutmachung. „Ich war in einem Kinderkrankenhaus, das im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen zerstört wurde. Ich will wieder gutmachen, was wir damals angestellt haben“, sagt er.

Seit rund zehn Jahren macht er sich jetzt etwa alle zwei Jahre alleine auf den Weg nach Minsk. Nach wie vor bringt er der dortigen Kinderklinik dringend benötigte Utensilien, bezahlt sie aus eigener Tasche. 1500 bis 2000 Euro investiere er pro Reise. „In Minsk werden jedes Jahr 5000 Kinder behandelt.“ Viele würden heutzutage unter den Folgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl leiden. „Es müssen schwierige Operationen ohne die geeigneten Mittel durchgeführt werden.“ Anna Petrowna, Leiterin der Kinder-Intensivstation, teile ihm regelmäßig mit, was gebraucht wird. Inzwischen habe sich so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Wie zum Beweis zaubert Rupprecht einen Brief aus Minsk hervor. „Sie können sich kaum vorstellen, welche große Freude die Kinder empfinden“, heißt es da. Und: „Ich bin sehr froh, dass ich Sie, lieber Karl, überhaupt kenne.“

 

Karl Rupprecht plant schon seine nächste Reise. Wer mehr darüber erfahren oder ihn unterstützen möchte, meldet sich unter Tel. 04622/180615

 

 

 

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erstellt am 08.Apr.2017 | 11:26 Uhr

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