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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 03:28 Uhr

Jenny Böken : Tote „Gorch Fock“-Kadettin: Gericht weist Klage gegen Arzt zurück

vom

Jenny Bökens Eltern glauben, ihre Tochter hätte krankgeschrieben werden müssen. Doch das Gericht sieht das anders.

Schleswig | Im Fall der 2008 tödlich verunglückten „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken hat das Oberlandesgericht Schleswig einen Antrag der Eltern auf Anklage gegen den Schiffsarzt abgewiesen. Der Erste Strafsenat habe den Klageerzwingungsantrag wegen des Vorwurfs des Totschlags und der Urkundenunterdrückung als unbegründet eingestuft, teilte das Gericht am Donnerstag mit.

Die damals 18-Jährige aus Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen war aus ungeklärten Gründen über Bord gegangen. Ihre Leiche wurde Tage später in der Nordsee entdeckt. Die Kieler Staatsanwaltschaft sprach von einem tragischen Unglück, die Umstände des Todes sind aber bisher nicht geklärt.

Die Eltern werfen dem Arzt vor, er habe ihre Tochter in Kenntnis ihrer Unterleibsschmerzen und ihrer Neigung, häufig kurzzeitig einzuschlafen, pflichtwidrig nicht vom Dienst ausgeschlossen. Dies sei die Ursache für das Überbordgehen gewesen.

Im September soll der Fall vom Oberverwaltungsgericht Münster neu aufgerollt werden. Die Verhandlung ist für den 14. September 2016 angesetzt, wie ein Sprecher des Gerichts auf Anfrage von shz.de bestätigte. Aussagen sollen insgesamt sieben Zeugen, wie der Anwalt der Familie Böken, Rainer Dietz aus Aachen, auf Anfrage von shz.de bestätigte. Darunter sind der Ex-Kapitän der Gorch Fock, Norbert Schatz (59), und der Schiffsarzt Wolfgang Fohr.

„Den Eltern geht es bei dem Prozess null um Geld“, sagt Dietz. Ihnen gehe es einfach darum, endlich zu erfahren, was mit ihrer Tochter in der Septembernacht vor acht Jahren geschah. Aus diesem Grund sollen Zeugen zum Gesundheitszustand der Kadettin aussagen, außerdem sollen Zeugen den damals herrschenden Zustand auf See beschreiben. War es 17 Grad warm oder nur 15? War die See ruhig oder nicht? „Es gab noch keinen Prozess, in dem diese Zeugen aussagen konnten“, so Dietz. Bisher hätten sie keine Gelegenheit. „Ich erhoffe mir bei wahrheitsgemäßer Beantwortung der Fragen neue Erkenntnisse“, sagt der Anwalt.

Die Eltern der 2008 an Bord der Gorch-Fock verunglückten Jenny Böken, Uwe und Marlis Böken haben die Bundesrepublik Deutschland auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz verklagt.
Die Eltern der 2008 an Bord der Gorch-Fock verunglückten Jenny Böken, Uwe und Marlis Böken haben die Bundesrepublik Deutschland auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz verklagt. Foto: dpa
 

Der Fall zieht sich schon viele Jahre hin, die Eltern Jenny Bökens waren im Oktober 2014 vor dem Verwaltungsgericht Aachen mit einer Klage auf Entschädigung gescheitert, dagegen hatte ihr Anwalt Rechtsmittel eingelegt. Marlis und Uwe Böken aus Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen hatten die Bundesrepublik auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz verklagt. Nach diesem Gesetz steht den Eltern eines Soldaten eine Entschädigung zu, wenn dieser bei der Dienstausübung unter besonderer Lebensgefahr stirbt.

Die Eltern Bökens werfen der Staatsanwaltschaft Kiel ungenügende Ermittlungen vor: Zu viel sei noch immer ungeklärt, widersprüchlich. Ihre Tochter könne nicht ertrunken sein - denn laut Obduktionsergebnis hatte sie kein Wasser in der Lunge.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 11:26 Uhr

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