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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 18:54 Uhr

Schleswig : Tödlicher Unfall: 85-Jährige vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Tag nach dem Unglück gab die Frau ihren Führerschein freiwillig ab. Das Verfahren wurde gegen Geldbuße eingestellt.

Schleswig | Es war ein ungewohntes Bild, das sich Strafrichter Florian Müller-Gabriel am Montag bot: Vor ihm auf der Anklagebank saß keiner der üblichen Verdächtigen, sondern eine 85-jährige Dame, eine gepflegte Erscheinung, das blond gefärbte Haar sorgfältig frisiert. Neben ihr als Verteidiger der Schleswiger Verkehrsanwalt und ADAC-Vizepräsident Ulrich Becker.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: fahrlässige Tötung. Im August des vergangenen Jahres hatte die Frau mit ihrem Mercedes eine 75-jährige Fußgängerin überfahren. Das Opfer starb noch am selben Tag an den schweren inneren Verletzungen. „Ich habe die Frau erst gesehen, als sie blutüberströmt auf der Straße lag“, sagte die Angeklagte, die dabei sichtlich um Fassung rang.

Präzise beschrieb sie, was vor und nach dem Unfall geschah: Sie fuhr über den Mühlenredder und hielt an der St.-Jürgener-Straße vor der roten Ampel. Sie kam vom Baumarkt am Ratsteich, war auf dem Weg nach Hause und wollte vorher noch zum Sky-Markt am Gallberg. Als das Licht auf Grün sprang, bog sie nach rechts ab. Die Fußgänger-Ampel zeigte ebenfalls Grün. „Ich weiß noch, dass mir auffiel, dass die Straße neu asphaltiert war und noch keine Fahrbahnmarkierungen hatte“, sagte sie. Vielleicht habe dieser Anblick sie abgelenkt. „Dann hörte ich einen lauten Rums.“ Als die Polizei eintraf, stand die Seniorin noch völlig unter Schock.

Am nächsten Tag ging sie zu Ulrich Becker in die Kanzlei und gab ihm ihren Führerschein. Der Anwalt schickte ihn an die Führerscheinstelle in der Kreisverwaltung und erklärte im Namen seiner Mandantin förmlich den Verzicht auf die Fahrerlaubnis. „Ich bin 63 Jahre lang ohne Unfall gefahren, aber es tut mir sehr leid, dass ich den Führerschein nicht schon früher abgegeben habe“, sagte sie.

Die Angeklagte machte einen rüstigen und geistig absolut fitten Eindruck. Richter Müller-Gabriel sprach von einem „typischen Augenblicksversagen“ und von einer „Situation, die in anderen Fällen deutlich glimpflicher ausgeht“. Auch weil die Angeklagte unter ihrem Verschulden ohnehin schon leide, hielt der Richter eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung für nicht geboten.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren damit einverstanden, das Verfahren einzustellen und es mit einer Geldbuße in Höhe von 1500 Euro bewenden zu lassen. Eines der Hauptanliegen der Staatsanwaltschaft, nämlich der 85-Jährigen die Fahrerlaubnis zu entziehen, weil sie sich als ungeeignet erwiesen habe, Auto zu fahren, hatte sich mit ihrer freiwilligen Rückgabe des Führerscheins ohnehin erledigt.

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erstellt am 13.Jun.2016 | 18:35 Uhr

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