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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:28 Uhr

Circus Probst auf dem Stadtfeld : Tierschutz-Demo in Schleswig beschäftigt Polizei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zwischen Zirkus-Mitarbeitern und Tierschützern kam es zu Handgreiflichkeiten. Der Veranstalter erstattet Strafanzeige.

Schleswig | Die Atmosphäre war aufgeheizt, als am Dienstag dieser Woche rund 90 Tierschützer auf dem Stadtfeld gegen die Tierhaltung im Circus Probst demonstrierten. Inzwischen hat der Zirkus mit seinen 80 Mitarbeitern und 100 Tieren die Stadt verlassen und gastiert ab heute in Husum. Doch für Nils Sönnichsen, den Veranstalter der Demonstration, ist die Sache damit noch längst nicht erledigt. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet gegen die Zirkusbetreiber. Er wirft ihnen vor, sie hätten versucht, die Veranstaltung mit brachialen Mitteln aufzulösen. „Zuerst wurden Lastwagen, Autos und Motorräder vor dem Zirkuseingang umgeparkt“, sagt er. Dieses Vorgehen habe die Demonstrationsteilnehmer noch amüsiert – insbesondere, als ein Lkw dabei seinen Auflieger verlor, der mit lauten Getöse zu Boden fiel.

„Wirklich bedrohlich wurde es aber dann, als die Laster willkürlich durch die Demonstrierenden fuhren“, sagt Sönnichsen. Er selbst sei von einer Zirkusmitarbeiterin tätlich angegriffen und „aufs Übelste beschimpft“ worden.

Kritik gab es aber auch an den Demonstranten. Manche Zirkusbesucher beschwerten sich im Internet über die lauten Trillerpfeifen, Sirenen und Megaphon-Durchsagen, die die Zirkustiere zusätzlich unter Stress gesetzt hätten. Sönnichsen sagt dazu, der Lärm sei überwiegend vom Zirkus selbst ausgegangen. „Die Tiere waren auf der anderen Seite des Platzes untergebracht, wir haben uns bewusst auf die windabgewandte Seite gestellt, um die Tiere nicht zu stören.“

Damit befanden sich die Demonstranten direkt vor dem Eingang zum Zelt und waren für die Besucher nicht zu übersehen. Zirkuschefin Brigitte Probst machte keinen Hehl daraus, dass ihr das nicht gefiel. „Da dürfen die gar nicht stehen, aber die Polizei unternimmt nichts“, klagte sie gegenüber den SN.

Mahnwachen mit zehn bis 15 Tierschützern, die Handzettel verteilen, seien nichts Ungewöhnliches, erklärt ein Sprecher der Zirkusfamilie. „Aber dass es so ausartet wie in Schleswig, haben wir noch nicht erlebt.“ Man habe Lastwagen zwischen die Demonstranten und den Eingang fahren müssen, um die Zirkusbesucher zu schützen. „Unsere Gäste sind ausgebuht und beschimpft worden, als sie aus der Vorstellung kamen.“ Am Abend sei das Zelt auffallend schlecht besucht gewesen. Die Familie Probst führt das darauf zurück, dass viele potenzielle Besucher wegen der lautstarken Proteste und dem damit verbundenen Polizeieinsatz wieder kehrt gemacht hätten.

Polizeisprecher Matthias Glamann spricht von einer „hoch emotionalisierten Stimmung vor allem auf Seiten der Zirkus-Belegschaft“. Er bestätigte auf Nachfrage, dass es zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. Es habe aber keine Verletzten gegeben. Seine Kollegen hätten rechtzeitig einschreiten können, als Zirkus-Mitarbeiter einen Bewässerungsschlauch gegen die Tierschützer richten wollten. Am Ende riefen die Beamten Verstärkung und bildeten mit zehn Mann eine Kette, um die Kontrahenten voneinander zu trennen.

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erstellt am 26.Jul.2014 | 15:00 Uhr

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