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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 13:19 Uhr

Erich-Kästner-Schule Silberstedt : Theater gegen Magersucht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Püppchen“ ist der Name eines theaterpädagogischen Projektes an der Erich-Kästner-Schule in Silberstedt. Es beschäftigt sich mit Magersucht und Bulimie.

Lena ist 15 – und sie ist die Vorzeigetochter ihrer Eltern, vor deren Bekannten sie Klavier spielen muss. Sonst aber erfährt das junge Mädchen keine Beachtung seitens ihrer Mutter und ihres Vaters. Lena findet ihr Leben „zum Kotzen“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das tut sie wirklich, nachdem sie sich erst den Frust mit Massen an Süßigkeiten weggestopft hat. Das Verhalten ihrer Eltern macht die 15-Jährige wütend, aber noch wehrt sie sich nicht, sondern funktioniert wie ein „Püppchen“, das über unsichtbare Fäden fremdgesteuert bleibt.

„Püppchen“, das ist auch der Titel eines von der AOK unterstützten theaterpädagogischen Projekts zur Prävention von Essstörungen, mit dem die Schauspielerinnen Annaela Dörre (Lena) und Nisan Arikan (Shirin) in der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Silberstedt zu Gast waren. An Magersucht und Bulimie erkranken vor allem 14- bis 18-Jährige, weiß Lehrerin Anke Carstensen – so wie Lena und Shirin, in deren Rollen die beiden Darstellerinnen in Silberstedt vor Schülern der Klassen 8a, 8b und 8c in der Pausenhalle der EKS schlüpften.

Denn ohne dass Lena davon weiß, kämpft auch ihre Freundin Shirin in dem Stück mit ähnlichen Problemen. Die Mädchen sprechen nicht darüber und Shirin erkennt scheinbar gar nicht erst, dass sie ein Problem hat. Sie treibt Sport und hungert für ihre „Traumfigur“, fühlt sich zu dick und glaubt, ihr Freund Thorsten sehe das genauso. Dieser beteuert ihr zwar immer wieder das Gegenteil, aber das nimmt Shirin gar nicht mehr wahr. Die beiden Mädchen stürzen tiefer in die Krise. Lenas Ess-Brech-Sucht hindert sie sogar daran, in die Schule zu gehen. Es macht sie wütend. Shirin hingegen verdrängt ihr Problem, macht weiter: „Es ist doch für ein junges Mädchen normal, chic aussehen und auf die Figur achten zu wollen. Miley Cyrus macht das auch“, sagt Nisan Arikan in der Rolle des 15-jährigen Mädchens.

Und es sind nicht nur Mädchen, auch junge Männer haben ähnliche Probleme, zeigt das Schauspiel der beiden Darstellerinnen, die auch als Thorsten und sein Kumpel Simon auftreten. Simon trainiert emsig in der Muckibude, er glaubt: „Heute hat nur Erfolg, wer Muskeln hat.“

Thorsten versteht weder seinen Freund, noch seine Freundin. „Warum machen sie das?“, fragt er. Mit dieser und anderen Fragen beschäftigten sich die Theaterpädagoginnen mit den Schülern dann im Anschluss an das Theaterstück. Ihr Konzept basiert darauf, schon im Theaterspiel die Jugendlichen für das Thema zu sensibilisieren und erste Botschaften zu vermitteln. In einer anschließenden Gruppenarbeit wollen sie das vertiefen. „Das Stück soll das Selbstbewusstsein der Schüler stärken, Kinder und Jugendliche zu aktivem, selbstständigen Handeln anregen“, heißt es in der Projektbeschreibung und weiter, „ihre Wahrnehmung schärfen, damit sie lernen für sich einzustehen und sich Hilfe zu holen, wenn sie diese benötigen.“




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