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Schleswiger Nachrichten

27. Mai 2016 | 08:27 Uhr

Car-Sharing in Schleswig : Teilen und fahren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Arne und Gundi Schröder betreiben in Schleswig nebenberuflich ein Carsharing-Unternehmen. Vier Autos zählen zum Fuhrpark.

Es ist zehn Jahre her, da sahen Arne Schröder und seine Frau Gundi im Fernsehen einen Bericht über einen neuen Trend in Deutschlands Großstädten: Carsharing. Viele Menschen teilen sich gemeinsam ein Auto. So etwas, sagten sich die beiden, müsste es auch bei uns in Schleswig geben. Denn ihr eigenes altes Auto, das gerade den Geist aufzugeben begann, stand oft tagelang nur herum. Zur Arbeit beim Blutspendedienst am Schwarzen Weg gingen beide zu Fuß.

Inzwischen gibt es in Schleswig ein Carsharing-Unternehmen – mit vier Fahrzeugen an der verschiedene Standorten in der Stadt. Denn Arne Schröder beschloss damals, die Sache einfach selbst in Hand zu nehmen. „Zuerst dachte ich daran, einen Verein zu gründen“, sagt er. Bald aber merkte er, dass es viel einfacher ist, eine Firma zu gründen. Die Schröders kauften sich einen Siebensitzer von Dacia („Unser erster Neuwagen“) und setzten sich ein Limit von 2000 Euro, das sie in den Aufbau ihres Carsharing-Unternehmens stecken wollten. Von dem Geld ließen sie unter anderem Faltblätter drucken und ihr neues Auto mit Firmenslogan und Telefonnummer beschriften. Und sie bezahlten den Mitgliedsbeitrag an den Carsharing-Bundesverband, um etwas professionelle Unterstützung zu bekommen.

Am Anfang waren es trotzdem meistens sie selbst, die das Auto benutzten. Immerhin passte jetzt die ganze Familie hinein, und Arne Schröder musste nicht mehr auf dem Motorrad hinterherfahren, während seine Frau und die vier Kinder im Auto saßen. Aber nach und nach kamen die ersten Kunden. Es waren Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen.

„Nach zwei Jahren stand ich vor der Frage: Aufgeben oder richtig durchstarten?“, erinnert sich Arne Schröder. Er entschied sich für die zweite Variante. Er kaufte ein zweites Auto, den gebrauchten Suzuki seiner Nachbarin, die nun zur Carsharing-Kundin wurde und auf diese Weise ihren alten Wagen weiter benutzen konnte.

In den folgenden Jahren kamen die Autos Nummer 3 und 4 hinzu. Dabei ist die Zahl der Stammkunden überschaubar geblieben. Es sind zwischen 15 und 20. Hinzu kommen Kunden, die sich für einmalige Fahrten ein Auto leihen wollen. „Das ist nicht die eigentliche Zielgruppe, aber natürlich sind wir auch für diese Leute offen.“

Jedes der vier Autos wird im Durchschnitt 12  000 Kilometer im Jahr bewegt. „Das ist eigentlich zu wenig“, sagt Schröder. Immerhin halten die Fahrzeuge lange durch. Der Dacia-Multivan, mit dem alles anfing, gehört noch immer zum Fuhrpark. Viel Gewinn wirft sein Unternehmen nicht ab. Hauptberuflich arbeiten die Schröders nach wie vor beim Blutspendedienst – in unterschiedlichen Schichten, so dass meistens einer von beiden für die Kunden erreichbar ist. „Unser finanzieller Gewinn besteht darin, dass wir selber kostenlos Auto fahren können“, sagt Gundi Schröder.

Wie groß ist in Schleswig das Wachstumspotenzial für das Unternehmen? Die Schröders geben sich da keinen Illusionen hin. Es sei hier deutlich schwieriger als in Großstädten oder Ballungsräumen. Interessant sei Car-Sharing im wesentlichen für Menschen, die im Umkreis von höchstens einem Kilometer zum Standort des Autos wohnen. „Wir hatten auch mal einen älteren Herrn aus Neuberend, der regelmäßig mit dem Fahrrad zu uns kam“, sagt Arne Schröder. Die Autos stehen in der Schubystraße, am Hafen und in der St.  Jürgener Straße in der Nähe des neuen Krankenhauses.

Zur Zielgruppe gehören auch Familien, die sich den Zweitwagen sparen wollen. „Wer das zweite Auto nur zweimal in der Woche braucht, um die Kinder zum Fußball oder zum Reiten zu fahren, fährt mit Carsharing günstiger“, meint er. Seine Rechnung: Ein eigenes Auto kostet, auch wenn es nicht bewegt wird, täglich bis zu zehn Euro Steuern, Versicherung und Wertverlust. Für denselben Betrag kann man beim Carsharing den Wagen zwei Stunden nutzen und rund 15 Kilometer fahren. Benzin inklusive. Denn ums Tanken kümmern sich die Schröders.

Dass man den Wagen nicht vollgetankt zurückbringen muss, ist einer von mehreren Unterschieden zu klassischen Autovermietungen wie Sixt oder Hertz. „Beim Carsharing zahlt man nicht pro Tag, sondern pro Stunde“, erklärt Schröder. Und das System ist darauf ausgelegt, dass die Kunden regelmäßig wiederkommen. So wird zum Beispiel die Kaution in Höhe von 250 Euro einmalig hinterlegt. Das macht den Leih-Vorgang unproblematisch. Es ist keine aufwendige Übergabe nötig. Fahrzeugschlüssel und Papiere nehmen sich die Kunden einfach aus einem Tresor, für den sie einen Zugangscode bekommen.

>Weitere Informationen unter www.carsharing-schleswig.de oder Tel. 0  46  21/99  92  33.

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erstellt am 21.Jan.2016 | 06:45 Uhr

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