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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 20:28 Uhr

Frank Horn aus Tarp : Tagesvater ist sein Traumberuf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Frank Horn betreut in Tarp Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren. Tagesväter wie ihn gibt es erst wenige.

In bunten Lettern prangt an der Haustür von Frank Horn und Sundy Will in Tarp der Schriftzug „Lebens(t)raum Kindertagespflege“. Und diese Wortspielerei ist im Fall des Paares wörtlich zu nehmen: Frank Horn ist seit Juli als Tagesvater für Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren aktiv und damit einer von insgesamt nur drei männlichen Betreuern im gesamten Kreis Schleswig-Flensburg.

„Ich war lange im kaufmännischen Bereich tätig, aber hatte schon immer den Wunsch, mit Kindern zu arbeiten“, erzählt der 44-Jährige. Lange habe der gebürtige Nordrhein-Westfale nicht gewagt, diesen Schritt zu tun. Doch als er seine Lebensgefährtin kennenlernte, zog er nicht nur der Liebe wegen in den Norden, sondern wagte dort auch den beruflichen Neuanfang. Das war 2015. „Und für mich ist das die Erfüllung eines Lebenstraums“, sagt Frank Horn.

In Tarp angekommen, wurde er auf das Angebot der Familienbildungsstätte in Schleswig aufmerksam und startete im September mit dem Qualifizierungskursus. In Wochenendseminaren lernten die Teilnehmer neun Monate lang alles über Säuglingspflege, Ernährung, Inklusion, Pädagogik und rechtliche Fragen. „Die Tage waren sehr gut gefüllt.“ Teil des Kurses war auch die Absolvierung eines Praktikums in einer Kindertagesstätte. Frank Horn verbrachte 40 Stunden in der Eggebeker Kita. „Ich fand das zu kurz. Bis die Kinder sich auf einen eingelassen haben, war die Zeit schon wieder vorbei.“ Daher rege er für künftige Kurse an, diese Praxisphase zu verlängern.

Nichtsdestotrotz war für Frank Horn nach dieser Zeit klar, dass er beim Jugendamt eine Pflegeerlaubnis beantragen wird. „Sundy und ich waren uns einig, dass ich den Sprung in die Selbständigkeit wagen sollte.“ Nach der Erstellung eines Konzepts, Gesprächen mit dem Jugendamt und einem Hausbesuch, erhielt er am 16. Juni die Pflegeerlaubnis. Vier Kinder darf er in dem Tarper Haus im Neubaugebiet Schellenpark betreuen.

Am 1. Juli nahm die Einrichtung den Betrieb auf. Die Kernbetreuungszeit reicht von 7 bis 17 Uhr, nach Absprache steht Frank Horn aber auch in Randzeiten bereit. Seine Partnerin Sundy Will (40), die in Apenrade Pädagogik studiert, verbringt einen Teil ihres Tages ebenfalls mit den Kindern. Die beiden betonen jedoch, dass Frank Horn die Hauptbezugsperson ist. Bis Mitte vergangener Woche kümmerte er sich um drei Kinder, eines von ihnen wurde jetzt in den Kindergarten verabschiedet. „Da waren wir schon etwas traurig.“ Die Bindung, die er mit den Kindern eingehe, sei sehr eng. „Ich bin so etwas wie ein Elternersatz. Das Kind muss mir vertrauen. Ich muss Geborgenheit und Sicherheit vermitteln, die Grundbedürfnisse erfüllen.“

Nach eigener Aussage gelingt das dem 44-Jährigen sehr gut. Dass er als Mann auf dem Gebiet ein Exot ist, dass störe niemanden. „Ich finde es wichtig, dass mehr Männer in die Kinderbetreuung gehen. Oft fehlt die männliche Komponente. Ich kann es jedem, der darüber nachdenkt, nur empfehlen“, sagt er. Auch beim Kreis Schleswig-Flensburg freut man sich über Interessenten. „Der Bedarf ist da. Das Geschlecht ist für uns aber eher zweitrangig“, sagt Sprecherin Martina Stekkelies. Dass die Betreuung der Kleinen nicht immer eitel Sonnenschein ist, weiß Frank Horn, selbst Vater eines sechsmonatigen Sohns. Je nach Kinderlaune könnten die Arbeitstage anstrengend werden. „Ich arbeite mehr als zehn Stunden am Tag. Da ist man am Abend ganz schön geschafft.“

Ist der Beruf trotzdem so, wie er es sich vorgestellt hat? Bei der Beantwortung dieser Frage muss Frank Horn nicht lange nachdenken. Seine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ja“, sagt er und strahlt dabei über das ganze Gesicht. „Ich habe früher lange Tage gehabt, mich danach geistig kaputt gefühlt. Heute bin ich mein eigener Herr, und die Kinder geben so viel, dass ich am Ende eines Tages einfach stolz bin. Ich kann ihnen etwas mitgeben, das bleibt.“ Sein Konzept sieht vor, dass die Kinder ihre Umgebung spielerisch entdecken und durch das Erforschen lernen. Zudem gibt es immer wieder Themenwochen, die sich zum Beispiel mit Motorik beschäftigen. In monatlichen Elterngesprächen informiert der Tagesvater über die Entwicklung der Kinder. „Mit den Eltern haben wir mehr als eine Geschäftsbeziehung. Ich kümmere mich um das Wertvollste, was sie haben.“

Vier Euro pro Stunde zahlen sie dafür. Der Betrag geht direkt an das Jugendamt, das wiederum Frank Horn bezahlt. Kann man davon leben? „Im Moment müssen wir noch rechnen, aber wenn alle Plätze besetzt sind, dann sollte es reichen“, sagt er. Der Bedarf an Betreuungspersonen für Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren sei sehr groß, so Horn. „Krippenplätze sind rar, aber die Eltern haben einen Rechtsanspruch darauf. Die Tagespflege müsste noch mehr gefördert werden, damit sie für Eltern attraktiv ist“, findet Horn.

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erstellt am 05.Sep.2016 | 13:04 Uhr

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