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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Steinbergkirche : Streit um einen kleinen Wald

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine Bürgerinitiative kämpft um den Erhalt, ein Landwirt hat alle Genehmigungen zum Abholzen.

Geert-Henning Schauser klingt ein wenig wehmütig: „Wenn man früher vom Bismarckturm auf dem Scheersberg über die Landschaft schaute, sah man den Garten Angelns.“ Inzwischen, so der ehemalige Biologielehrer aus Steinberg, sind die meisten Knicks abgeholzt, Bäche wurden in Rohre verlegt und im Boden versenkt worden. „Unser Angeln hat schon viel von seinem schönen Gesicht verloren.“

Und jetzt auch noch das: In der Nähe, bei Gintoft, soll ein kleiner Bauernwald abgeholzt werden. „Solche Wälder sind typisch für die Gegend und ökologisch wertvoll“, sagt Schauser, der sich als Mitglied der Bürgerinitiative „Schönes Angeln“ vehement für den Erhalt einsetzt. Das Problem an der Sache: Der knapp zwei Hektar große Wald liegt auf dem Privatgelände eines landwirtschaftlichen Betriebs – und die Rodung, im Amtsdeutsch Umwandlung genannt, ist bereits genehmigt.

Das bestätigt Kornelius Kremkau, der Leiter der Unteren Forstbehörde in Flintbek: „Aus unserer Sicht gab es nach Abstimmung mit der Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg und der Oberen Forstbehörde keinen Grund, die Genehmigung zu versagen“, erklärte er.

Geert-Henning Schauser und seine Mitstreiter aber wollen das nicht so einfach hinnehmen. „Wir wehren uns gegen den Ausverkauf der Landschaft und werden alles tun, damit dieser Wald erhalten bleibt. Und die Zeit drängt: In der Genehmigung der Forstbehörde ist festgeschrieben, dass die „Umwandlung“ ab 1. Oktober beginnen kann. Das heißt: Am kommenden Dienstag dürfen die Kettensägen angeworfen werden. Das versucht Schauser mit einem Widerspruch zu verhindern. Darin ist die Rede von Unverständnis und Empörung in der Bevölkerung, von einer „biologischen Rettungsinsel in der umgebenden artenarmen Agrosteppe“ und von einem Verlust von Rückzugsmöglichkeiten für Hasen und Rehe, Fledermäuse, Amphibien und Pflanzengemeinschaften. Rechtlich verweist Schauser auf einen Paragrafen im Bundesbodenschutzgesetz. „Es kann doch nicht sein, dass unsere Landschaft so behandelt wird.“

Kornelius Kremkau erklärte gestern auf Nachfrage, dass ihm ein Widerspruch noch nicht vorliege. Und wenn – dann ginge das Schreiben zunächst an die hauseigenen Justiziare. Diese müssten dann prüfen, ob der Absender überhaupt widerspruchsberechtigt ist.

Dass die Bürgerinitiative mit ihrer Rettungsaktion Erfolg haben könnte, scheint äußerst fraglich, wenn man den Worten von Bettina Koch zuhört. Die Leiterin der Umweltbehörde im Kreis hat der Forstbehörde die naturschutzrechtliche Grundlage für ihre Entscheidung geliefert. „Grundsätzlich ist es nicht verboten, Wald umzuwandeln“, sagt sie, letztlich gebe es nur drei Gründe, die geeignet sind, um die Genehmigung zu versagen: Wenn es sich um einen Naturwald (ohne menschlichen Eingriffe) handelt, wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht (beispielsweise zur Naherholung) oder wenn benachbarter Wald gefährden würde. All dies sei im vorliegenden Fall ausgeschlossen.

Was Störungen der Natur betrifft, habe es eine so genannte Potenzialanalyse gegeben. Darin sei untersucht worden, ob das Gehölz als Heimat von Fledermäusen, Reptilien oder Brutvögeln dienen könnte. „Wäre das der Fall gewesen, wären wir tiefer in die Untersuchung eingestiegen“, erläutert Bettina Koch. „Wir konnten die Fragen aber verneinen.“

Sie machte zudem darauf aufmerksam, dass für den kleinen Wald in Gintoft, der in Ackerland umgewandelt werden soll, weit weniger strenge Regelungen gelten als für geschützte Biotope: „Alleen beispielsweise werden vom Gesetzgeber ganz anders beurteilt. Hier muss es schon sehr gute Gründe geben, um eine Genehmigung zum Eingriff zu erhalten. Das hat der Gesetzgeber so gewollt – und wir handeln entsprechend“, erklärt Bettina Koch.

Der Besitzer des Waldes ist der Landwirt Peter von Spreckelsen. „Es geht mir um die Optimierung meines Ackerlandes. Zurzeit habe ich eine 1,9 Hektar große Waldinsel zu umfahren, die auch noch Schatten wirft. Das möchte ich ändern.“ Von Spreckelsen erläutert, dass er sich vertraglich verpflichtet habe, als Ausgleich die dreifache Fläche in ökologisch wertvolleren Bereichen in FFH-Gebieten und am Langsee aufzuforsten. Diese Aussage wurde von der Naturschutzbehörde des Kreises bestätigt. „Diese Wälder sind dann auch für Spaziergänger erreichbar. Ich kann ja verstehen, dass es den Menschen leid tut, dass der Wald fallen soll. Letztlich aber profitiert die Natur sogar davon“, so von Spreckelsen.

Die Bemühungen Geert-Henning Schausers und seiner Mitstreiter haben voraussichtlich wenig Aussicht auf Erfolg. Der kleine Wald wird wohl fallen – und an anderer Stellen in dreifacher Größe neu entstehen.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 07:35 Uhr

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