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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 15:13 Uhr

Bergenhusen : Störche leiden unter Hunger und Pilzbefall

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Norden gibt es deutlich weniger Jungvögel als vor einem Jahr.

Teils Nahrungsknappheit in den Überwinterungs-Gebieten, besetzte Nester bei der Ankunft, erst lang anhaltende Trockenheit, dann Nässe – die Bedingungen für die Störche im Norden Schleswig-Holsteins waren in diesem Jahr schwierig. Entsprechend groß sind die Verluste.

Die ersten Störche kamen schon Anfang Februar. Es handelt sich um die so genannten Westzieher, die im Süden Spaniens überwintern und ihre Nahrung hauptsächlich auf Mülldeponien finden. Zwei Drittel der Störche, die im Norden ankommen, sind jedoch Ostzieher, die in der Sahelzone und Südafrika überwintern. Viele kamen verspätet an und fanden ihr angestammtes Nest von anderen Störchen besetzt. Es sei zu Kämpfen gekommen, bei denen die Gelege oder auch die Küken aus dem Nest geworfen wurden. In der Häufigkeit dieses Jahres sei dies ungewöhnlich, sagt Kai-Michael Thomsen, Storchenexperte vom Michael-Otto-Institut in Bergenhusen.

Die Nahrungsangebote für die Überwinterer in der Sahelzone seien gut gewesen. „Nur die Störche, die in Südafrika überwinterten, hatten extreme Nahrungsprobleme und kamen auch verspätet an“, so Thomsen. Storchenbetreuer Jörg Heyna berichtet, dass es Gelege mit Jungstörchen gab, die erst nach dem 24. Juni geschlüpft sind. Ob sie es bis zum Abflug Ende August schaffen, um in die Winterquartiere mitfliegen zu können, sei ungewiss.

Anfang Juni häuften sich die Meldungen über abgeworfene Jungstörche und Eier bis hin zum Totalverlust der Brut. Die lang anhaltende Trockenheit im Mai – es gab kaum Regenwürmer und Insekten für die Küken – und das rare Mäuseangebot hätte den Störchen zu schaffen gemacht. Hinzu kamen dann die Starkregenfälle im Juni. Viele Jungstörche verendeten daraufhin an Pilzinfektionen der Lunge (Aspergillose). „Diese Pilze sind in der Luft und auch in den Nestern in der Grassilage zu finden“, so Dr. Philipp Olias vom Pathologischen Institut der FU Berlin. Storchenküken im Alter von bis zu drei Wochen seien besonders anfällig, wenn sie nass werden. Auch die Tiermediziner wissen noch nicht, was man dagegen tun könnte. Besonders in der feuchten Grassilage, die die Störche in die Nester bringen, sei ein hohes Potenzial an Pilzen vorhanden, bei Heu aber sehr gering.

„Von den 60 geschlüpften Jungstörchen im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben bis heute nur 28 überlebt. Dies ist mein schlechtestes Brutergebnis“, so der Storchenbetreuer Jürgen Lustig. Im Kreis Schleswig-Flensburg und Nordfriesland gab es ähnliche Ergebnisse. Im Storchendorf Bergenhusen sind von 33 ausgebrüteten Küken nur noch 16 in den Nestern.

Die Hollingstedter Storchenfreunde und die Weißstorch-Gebietsbetreuer Jörg Heyna und Jürgen Lustig waren auf Beringungstour mit der Hebebühne. Die Beringung ist die erste Bestandsaufnahme der Storchenpopulation. Insgesamt hat Jörg Heyna in den drei Kreisen 55 Jungstörche beringt, davon rund 40 im Bereich der Eider-Treene-Sorge Region. Allgemein sei erkennbar, dass die Zahl der Viererbruten erheblich abgenommen habe und die Zahl der Paare ohne Bruterfolg dieses Jahr sehr hoch sei. Ungewöhnlich war auch, dass in einem Nest in Hohn sechs Küken geschlüpft sind. Von ihnen wurden allerdings zwei aus dem Nest geworfen.

Auch ein Fall von Bigamie ist Jürgen Lustig aufgefallen. Ein beringtes Männchen hatte zwei Partnerinnen mit Jungstörchen – eine auf einem Nest in Gnutz und eine in Dätgen.

Bislang galt als sicher, dass die Jungstörche bis zu ihrer Geschlechtsreife in den Winterquartieren bleiben. Durch die Beringungsaktionen ist neuerdings aber feststellbar, dass mindestens sieben einjährige Rückkehrer in der Region sind. Auch in anderen Storchengebieten sei
dies feststellbar. Diese „Halbstarken“ sorgten öfter für Unruhe in der Brutzeit.

Beobachtet wurde ein verstärkter Einsatz von Drohnen in den Brutgebieten. Sicherlich aus Neugier werden Drohnen mit Kameras ausgerüstet, um in die Nester zu schauen und Bilder zu machen.
Dies sei eine erhebliche Störung in der Brutzeit und könne zu Verlusten der Brut führen. Die Storchenbetreuer bitten darum, die Storchennester in einem großen Abstand zu umfliegen.

> Im Kreis Schleswig-Flensburg brüteten 41 Horstpaare (42 im Jahr 2015), davon 23 mit Jungen ( 2015: 32), 18 Horstpaare ohne Jungtiere (2015: zehn). Nur 42 Jungstörche werden großgezogen (Vorjahr 69). „Eine sehr hohe Zahl an Paaren ohne Brut. Dies macht uns große Sorgen“, so Heyna. Erfreulich ist, dass die Nester in Angeln (Estrup, Satrup, Hostrup und Havetoft) wie im Vorjahr belegt sind, obwohl es auch hier große Verluste gab. In vielen Orten wie in Dörpstedt, Hollingstedt oder Süderstapel blieben viele Nester, die seit Jahren immer belegt waren, unberührt. In Hollingstedt wurde nur ein Jungstorch beringt, (in den Vorjahren 4 bis 8).

> Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind 28 Nester belegt (Vorjahr 26). In nur 16 Nestern wurde gebrütet (Vorjahr 20), zwölf Horstpaare waren ohne Junge (Vorjahr sechs), 27 Jungstörche wurden gezählt (Vorjahr 47). Davon wurden 22 beringt. Es gab mehrere Ausfälle, da die Nester durch Kämpfe zerstört wurden.

> Im Kreis Nordfriesland wurden neun Paare (2015: 12) gezählt, nur vier haben erfolgreich gebrütet (Vorjahr: zehn). Neun Jungstörche wurden gezählt (2015: 24). Die Störche in St. Peter-Ording und Föhr werden in einer eigenen Statistik geführt, weil sie dort Fütterungsabhängige sind. In St. Peter-Ording sind es 19 Paare mit 48 Jungen (Vorjahr: 19/38) und auf Föhr acht Paare mit fünf Jungen (Vorjahr: acht/zwölf).

 

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