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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:56 Uhr

Schleswig und Rendsburg : Stadtwerke schmieden Allianz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswig und Rendsburg prüfen Möglichkeiten der Zusammenarbeit: Alle Mitarbeiter sollen in einer gemeinsamen Tochtergesellschaft zusammengefasst werden.

Sie sind in etwa gleich groß, auf den selben Geschäftsfeldern unterwegs und stehen beide wirtschaftlich gut da: Damit Letzteres auch in Zukunft gewährleistet bleibt, streben die Stadtwerke Schleswig und die Stadtwerke Rendsburg eine enge Zusammenarbeit an. Um die Botschaft unters Volk zu bringen, hatten die Verantwortlichen mit dem Hotel „Wikingerhof“ in Kropp einen Ort ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden Kreisstädten gewählt. „Es handelt sich um eine ergebnisoffene Prüfung“, betonte Sönke Büschenfeld, Aufsichtsratschef des Schleswiger Versorgungsunternehmens, gestern bei der Pressekonferenz. Gleichwohl zeigte er sich vom Sinn einer Kooperation überzeugt. Büschenfeld stellte auch klar, dass eine Fusion beider Unternehmen nicht das Ziel sei. Der Einfluss der Politik auf Gewinnverwendung und strategische Ausrichtung der Stadtwerke müsse gewahrt bleiben. Beide Versorgungsunternehmen sind jeweils zu 100 Prozent städtische Eigenbetriebe.

„Der Energiemarkt befindet sich in einem rasanten Wandel“, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs, warum er mit seinem Rendsburger Kollegen Helge Spehr künftig gemeinsame Sache machen möchte. Es werde von staatlicher Seite immer mehr reguliert, so dass es immer schwieriger werde, Gewinne zu erzielen. Es sei ungewiss, ob die Stadtwerke in 15 oder 20 Jahren noch in der Lage sind, defizitäre Einrichtungen wie Schwimmhalle und Stadthafen zu finanzieren, so Schoofs. „Um die Daseinsvorsorge auf lange Sicht sicherzustellen, müssen wir dafür sorgen, dass die Gewinne auf dem Stand von heute bleiben.“

In der vergangenen Woche hatten beide Stadtwerke in Workshops den jeweiligen Aufsichts- und Betriebsräten sowie Vertretern der Kommunalpolitik das Vorhaben erläutert und waren dabei durchweg auf Zustimmung gestoßen – auch bei den Arbeitnehmervertretern. „Es geht darum, zwei gute Unternehmen noch besser zu machen. Wir haben die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten und hochwertige Arbeitsplätze zu erhalten“, sagte Jürgen Augustin, Betriebsratschef der Schleswiger Stadtwerke.

Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender seiner Stadtwerke, wies darauf hin, dass es viele Projekte gebe, bei denen eine Zusammenarbeit Sinn mache. Als Beispiele nannte er den Ausbau des Glasfasernetzes, das Beschaffungswesen oder die Organisation des Bereitschafts- und Notdienstes.

Um bestmögliche Synergien zu erzielen, ist die Gründung einer gemeinsamen Tochtergesellschaft angedacht, in die alle Mitarbeiter überführt werden würden. Diese soll durch den Abbau von doppelt vorhandenen Strukturen Kosten einsparen und durch die Bündelung von Know-how neue Geschäftsfelder erschließen. Betriebsbedingte Kündigungen, so wurde gestern von allen Seiten betont, werde es nicht geben. Einen Stellenabbau über altersbedingte Fluktuation wollten die Verantwortlichen indes nicht ausschließen.

Eine vergleichbare Kooperation gibt es in Schleswig-Holstein zwischen den Stadtwerken Itzehoe, Glückstadt und Wilster. Fusioniert haben die Stadtwerke Bad Oldesloe, Ratzeburg und Mölln.

Bis Ende des Jahres wollen Schoofs und Spehr ihren Aufsichtsräten konkretere Pläne präsentieren. Mit einem Vertragsabschluss ist frühestens ab Mitte nächsten Jahres zu rechnen. „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, stellte Sönke Büschenfeld klar. Das letzte Wort haben dann die Ratsversammlungen.

Eine solche Allianz zu schmieden, um die Daseinsvorsorge zu sichern, sei die richtige Entscheidung, lobte Bürgermeister Arthur Christiansen gestern in Kropp. „Dies ist ein guter Tag für unsere beiden Städte“, sagte er.

Auch in der Schleswiger Kommunalpolitik wird die angestrebte Kooperation begrüßt. „Es ist gut, dass die Stadtwerke weit in die Zukunft schauen“, meinte SPD-Fraktionschef Stephan Dose. „Sie haben unsere Rückendeckung“, bekräftigte sein CDU-Kollege Holger Ley. Beide wiesen aber darauf hin, dass noch keine Vorentscheidung gefallen sei und man erst die Ergebnisse des Prüfauftrags abwarten wolle. Der SSW-Fraktionsvorsitzende Harry Heide betonte: „Wenn es darum gehen sollte, Personal abzubauen, machen wir nicht mit.“

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erstellt am 08.Jul.2016 | 01:00 Uhr

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