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Schleswiger Nachrichten

25. April 2017 | 18:28 Uhr

Flensburg : Stadt und Land ringen um Erzieher

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Kita-Offensive in Flensburg hat zu einem Konkurrenzkampf mit den Einrichtungen im Umland geführt.

Flensburg | Lange Öffnungszeiten, ausreichend Erzieher, die sich um die Kleinen kümmern und zusätzlich ein heilpädagogisches Angebot – viele Eltern wünschen sich, dass ihr Nachwuchs in der Kita bestmöglich betreut und gefördert wird. Doch was in der Theorie sinnvoll ist, scheitert oft in der Praxis. In vielen Einrichtungen fehlen Erzieher, kaum einer kann an einer Fortbildung teilnehmen und wenn jemand krank wird, ist es schwer, für eine Vertretung zu sorgen. In der Stadt Flensburg sagt man diesen Problemen seit Anfang des Jahres den Kampf an. Im Zuge der Kita-Qualitätsoffensive gibt es in der Fördestadt in rund 240 Kita-Gruppen 120 neue Erzieherstellen und 60 neue Halbtagsstellen für Heilpädagogen. So wird garantiert, dass immer zwei Erzieher in einer Gruppe zur Verfügung stehen und in Zukunft auch längere Öffnungszeiten und mehr Betreuungsplätze angeboten werden können.

Was aber in Flensburg nach einem ausgeklügelten System aussieht, bereitet den Kitas im Kreis Schleswig-Flensburg, vor allem rund um die Stadt Flensburg herum, Sorgen. Denn durch den zusätzlichen Personalbedarf haben einige Erzieher die Gelegenheit genutzt, sich in eine Einrichtung mit besseren Arbeitsbedingungen versetzen zu lassen. Hinzu kommt die Einschätzung vieler Erzieherinnen und Erzieher, ein Arbeitsplatz in der Stadt könne attraktiver sein. Folglich müssen die Träger – der Kirchenkreis oder der ADS-Grenzfriedensbund – den Personalverlust auf dem Land kompensieren. „Das Interesse war da, wir hatten einige Wechsel“, bestätigt Gerd Nielsen, Leiter des Kindertagesstättenwerks vom Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. Man habe mit den Mitarbeitern ein informelles Gespräch geführt, denn eine Versetzung sei nicht so einfach möglich. Sie müsse vor allem stundenkompatibel sein.

Von einem „Exodus“ von Mitarbeitern in RichtungFlensburg will Nielsen aber nicht sprechen. Schließlich gebe es die gleichen Arbeitsbedingungen bereits in Handewitt und im Amt Hürup. „Dort ist längst das geschaffen worden, was nun mit der Kita-Qualitätsoffensive in Flensburg erreicht werden soll“, sagt er. Auch in anderen Bundesländern gebe es die Qualitätsoffensive bereits. „Sie ist kein Luxus“, fügt er hinzu.

Eine Stelle in einer Einrichtung im Kreis neu zu besetzen, ist Nielsen zufolge nicht so ganz einfach. „In einigen Bereichen haben wir noch offene Stellen“, erzählt er. Auch der ADS-Grenzfriedensbund teilt mit, dass es für die Kindergärten im Flensburger Umland „spürbar schwieriger wird, das passende Personal zu finden“. Gesa Görrissen, Abteilungsleiterin für Kindertagesstätten bei der ADS, wünscht sich Bewerbungen von Heilpädagogen, sozialpädagogischen Assistenten, Kinderpflegern und Erziehern. Sowohl sie als auch Nielsen sehen als Gründe für die langwierige Suche nach Kandidaten nicht nur den Einsatzort, sondern vor allem die Arbeitszeit und den Arbeitsumfang. „Die Nachmittagsstunden sind nicht so beliebt“, erklärt Nielsen. Hinzu komme, dass die Kita-Mitarbeiter nicht nur Zeit für die Kinder, sondern auch für andere Aufgaben wie Elterngespräche aufbringen müssen.

Das Kindertagesstättenwerk möchte künftig auch in den anderen Gemeinden des Kreises die Arbeitsbedingungen anpassen. „Wir sind immer in Gesprächen“, sagt Nielsen.

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erstellt am 04.Mär.2017 | 18:00 Uhr

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