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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 12:42 Uhr

Mittelangeln : Staatsanwaltschaft sicher: Baby wurde zu Tode geschüttelt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Jahr lang wurde untersucht. Jetzt sind die Ermittler überzeugt: Ein Baby aus Mittelangeln musste sterben, weil es zu heftig geschüttelt wurde.

Gut ein Jahr lang wurden verschiedene Gutachten erstellt und ausgewertet, jetzt ist die Staatsanwaltschaft überzeugt: Der Tod eines Säuglings aus Mittelangeln im Juni 2015 war kein Unfall. „Es wurde Anklage gegen den damaligen Lebensgefährten der Mutter erhoben“, sagte Ulrike Stahlmann-Liebelt, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Flensburg, unserer Zeitung. Der Vorwurf laute auf Körperverletzung mit Todesfolge. Demnach habe der Mann das vier Monate alte Baby „so massiv geschüttelt, dass es schwere Hirnverletzungen davon getragen hat, an denen es verstorben ist“. Der heute 28-Jährige hatte hingegen ausgesagt, dass ihm der kleine Junge aus den Händen geglitten sei.

Der Fall hatte im Mittelangelner Ortsteil Rüde für große Bestürzung gesorgt. Der Lebensgefährte der Mutter, die an jenem späten Nachmittag des 19. Juni 2015 nicht zu Hause war, hatte sich noch hilfesuchend an die Besucher eines Feuerwehrfestes gewandt. Ersthelfer hatten das Baby reanimiert, ehe es mit dem Rettungshubschrauber in die Kieler Uniklinik geflogen wurde. Es erlag jedoch fünf Tage später seinen schweren Verletzungen.

Kritische Fragen musste sich das Jugendamt des Kreises Schleswig-Flensburg gefallen lassen, denn die Familie stand unter Aufsicht der Behörde. Die Mutter, eine Mittzwanzigerin, hatte zu jenem Zeitpunkt vier Kinder von vier verschiedenen Männern. Der besagte Lebensgefährte war der Vater eines der älteren Kinder. Einen Tag vor dem Tod des Säuglings war eigentlich ein Beratungsgespräch terminiert gewesen. Die Mutter hatte sich kurz zuvor an das Amt gewandt und um ein solches gebeten.

Für Andreas Wellenstein, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie im Schleswiger Kreishaus, lagen nach eigener Aussage damals jedoch keine Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung vor. Die Erkenntnis, dass der Mann das Baby offensichtlich zu Tode geschüttelt hat, kommentierte er nun mit den Worten: „Das ist eine erschütternde Nachricht.“ Die Familie, so Wellenstein, sei auch in der Folgezeit vom Jugendamt betreut worden.

Der 28-Jährige ist inzwischen aus Rüde weggezogen. Seine Ex-Freundin lebt mit einem neuen Partner zusammen – und sie ist erst vor kurzem zum fünften Mal Mutter geworden.

Dass sich die Ermittlungen so lange hingezogen haben, begründete Oberstaatsanwältin Stahlmann-Liebelt damit, dass diverse medizinische Gutachten analysiert werden mussten. Sie bezeichnete den Fall als „äußerst tragisch und sehr traurig“. Der Prozess werde vor dem Schwurgericht am Landgericht Flensburg stattfinden, kündigte Stahlmann-Liebelt an. Der Termin stehe noch nicht fest.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 07:38 Uhr

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