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Schleswiger Nachrichten

27. Mai 2016 | 02:17 Uhr

Schleswig : Spitzenforschung für ganz Nordeuropa

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Archäologen auf der Gottorfer Schlossinsel hoffen auf die Aufnahme in die renommierte Leibniz-Gemeinschaft.

Die Archäologen von Schloss Gottorf sind in ganz Nordeuropa gefragte Fachleute. Sie leiten Ausgrabungen im Baltikum, sie untersuchen kostbare Fundstücke in Norwegen und Schweden, und natürlich sind sie die Experten schlechthin für die Funde vor der eigenen Haustür – sei es in Haithabu, am Danewerk oder im Thorsberger Moor von Süderbrarup.

Wer aber in anderen Teilen Deutschlands von Archäologie spricht, denkt meist eher an Einrichtungen wie das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz oder das Deutsche Archäologische Institut in Berlin. Die Gottorfer haben nun ein ehrgeiziges Ziel: Sie möchten in dieser Liga mitspielen. Den ersten Schritt dahin haben sie vor sechs Jahren getan. Seitdem gibt es auf der Schlossinsel neben dem Archäologischen Landesmuseum eine eigene Forschungseinrichtung: Das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA). Mit 40 Mitarbeitern, darunter mehrere Wissenschaftler aus dem Ausland, ist es schnell zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Stadt geworden.

In den vergangenen Monaten hat die ZBSA-Mannschaft neben ihrer Forschung noch ein anderes Großprojekt vorangetrieben: Die Bewerbung um die Aufnahme in die renommierte Leibniz-Gemeinschaft, ein Verbund von derzeit 88 herausragenden Forschungseinrichtungen aus den verschiedensten Fachbereichen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir können jetzt nur noch abwarten, was bei unserer Bewerbung herauskommt“, sagt Claus von Carnap-Bornheim, der nicht nur Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ist, sondern auch Chef des ZBSA.

In ganz Schleswig-Holstein gibt es bislang nur vier Leibniz-Institute: An der Kieler Universität das Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften, das Institut für Weltwirtschaft und das Institut für Meereswissenschaften sowie das biomedizinische Forschungszentrum in Borstel bei Bad Oldesloe.

Sollte das ZBSA in diese Riege aufgenommen werden, wäre das nicht nur verbunden mit einer stärkeren Beachtung auch in den Teilen Deutschlands, wo man beim Wort Archäologie nur an die Römer denkt und nicht an die Wikinger und ihre Vorfahren. Der Titel wäre auch bares Geld wert. Denn Leibniz-Institute werden zur Hälfte vom Bund finanziert. Derzeit kommt nur das Land Schleswig-Holstein mit jährlich rund 1,65 Millionen Euro für das ZBSA auf. Hinzu kommt rund eine halbe Million Euro Drittmittel für einzelne Forschungsvorhaben, überwiegend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Für ein geisteswissenschaftliches Institut ist eine Drittmittelquote von mehr als 30 Prozent beachtlich“, sagt Carnap-Bornheim. Zu den Ergebnissen, die das ZBSA bisher vorlegen kann, gehört unter anderem eine vierbändige Dokumentation der Untersuchungen im Thorsberger Moor (Carnap-Bornheim: „Ein Standardwerk für die nächsten 150 Jahre“). Ein für Insider spektakulärer Coup indes gelang dem ZBSA-Wissenschaftler Harald Lübke, als er über die Berliner Charité den ältesten bisher entdeckten Schädel aus dem Baltikum ausfindig machte, der seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt.

Auch die Museumsbesucher profitieren vom ZBSA. So leistet das Institut einen Beitrag zu einer neuen Sonderausstellung über Jäger, Fischer und Fallensteller aus der Steinzeit, die unter dem Titel „Fleisch“ am 5. März eröffnet wird.

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erstellt am 03.Feb.2016 | 07:05 Uhr

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