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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

Die Vogelgrippe ist angekommen : Sperrgebiet rund um die Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für Geflügelzüchter gelten strenge Einschränkungen.

Noch nimmt Carsten Nissen die ganze Angelegenheit relativ gelassen – und das, obwohl die Geflügelpest in den vergangenen beiden Tagen gefährlich nah an seinen Hühnerhof in Tolk herangerückt ist. „Wir haben jetzt alle Tiere unter Dach, aber wir können immer noch hoffen, dass bald Entwarnung gegeben werden kann. Bisher hat es ja bei uns nur Wildvögel getroffen. Richtig schlimm wird es, wenn die ersten Höfe betroffen sind.“

Als am Dienstag am Plöner See mehr als 100 verendete Enten gefunden worden waren und feststand, dass sie mit dem gefährlichen Erreger H5N8 infiziert waren, hatte Umweltminister Robert Habeck für alle Betriebe im Lande die Stallpflicht für Geflügel angeordnet. Am Mittwoch erreichte die gefürchtete Vogelgrippe dann die Schlei. An deren Ufer wurde ein Vogel gefunden, der an genau diesem hochgradig ansteckenden Virus verendet war.

Kreis-Veterinär Dr. Markus Sekulla richtete daraufhin gestern zudem einen Sperrbezirk im Gemeindegebiet von Borgwedel sowie ein Beobachtungsgebiet im Umkreis von zehn Kilometer um die Fundstelle ein. Betroffen davon sind das Amt Südangeln mit Teilen der Gemeinden Brodersby, Nübel, Schaalby, Taarstedt, Tolk, Twedt und Goltoft, das Amt Haddeby mit Teilen Busdorf, Fahrdorf, Geltorf, Jagel, Lottorf, Selk sowie die Gemeinde Ulsnis und Teile der Stadt Schleswig.

Im Sperrbezirk darf Geflügel für die Dauer von 21 Tagen (Beobachtungsgebiet 15 Tage) ausschließlich in geschlossenen Ställen gehalten werden, die Tiere, ihre Eier, das Fleisch der Tiere oder deren Nebenprodukte dürfen nicht aus dem Bestand entfernt werden. Für betriebsfremde Personen gilt ein Betretungsverbot und es gibt strenge hygienische Vorgaben. Die Halter von Hunden und Katzen sind angehalten, ihre Tiere nicht frei herumlaufen zu lassen. Eine entsprechende amtliche Bekanntmachung ist auf der Internetseite des Kreises Schleswig-Flensburg nachzulesen.

Um Fragen von Bürgern und Tierhaltern zu beantworten, hat das Land ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist werktags von 9 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0431/160  6666 erreichbar.

„Bei der Sperr- und Beobachtungszone handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die ein Überspringen der Geflügelpest auf Nutztierbestände im Kreis Schleswig-Flensburg verhindern soll“, erklärte Sekulla gestern gegenüber unserer Zeitung. Er gibt sich allerdings keinen Illusionen hin: „Wir stehen heute erst am Anfang einer Krise. Wir müssen mit weiteren Totfunden rechnen. Das Virus ist bei diesen Temperaturen besonders widerstandskräftig.“

Der Fokus der Behörde liegt zurzeit darauf, die Entwicklung genau zu beobachten, im Sperrbezirk ständig Proben zu nehmen und die Einhaltung der Stallpflicht zu kontrollieren. „Wir sind im Kontakt mit den Tierhaltern“, sagte Markus Sekulla. Ausnahmegenehmigungen gebe es nur unter strengen Auflagen. „Das wir sehr restriktiv gehandhabt“, erklärte der Tierarzt. Notfalls müssten Tiere auch geschlachtet werden, wenn es keine Möglichkeiten gebe, sie von der Umwelt zu isolieren.

Der Kreis-Veterinär gestand ein, dass seine Behörde nicht hundertprozentig auf die neue Lage vorbereitet sei. „Die letzte Vogelgrippe gab es vor etwas zehn Jahren. Wir müssen jetzt die benötigten Kommunikationswege wieder aufbauen.

Im Veterinäramt des Kreises herrscht zurzeit höchste Anspannung. „Es ist eine Krise“, sagt Markus Sekulla. Wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist ungewiss. „Wir müssen mit allem rechnen. Das Virus ist hochinfektiös und es gibt landesweit ständig neue Fälle. Es ist zurzeit absolut nicht abzusehen, wie die Sache weitergeht.“

Die Anweisung, im Umkreis von zehn Kilometern um Fleckeby herum Hunde und Katzen nicht frei laufen zu lassen, wird nicht kontrolliert. „Wir können nur an die Halter appellieren, darauf zu achten“, sagt er.

Carsten Nissen in Tolk sieht für seine 1000 Hühner zurzeit keine Gefahr, Gedanken macht er sich aber über die Dauer der Stallpflicht. „Noch ist das kein Problem“, sagt er. Noch darf er seine Eier mit dem Zusatz „aus Freilandhaltung“ anbieten. Diese Übergangszeit allerdings dauert nur zwölf Wochen, dann muss er die Eier anders auszeichnen – und bekommt dafür dann wesentlich weniger Geld.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 07:11 Uhr

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